Neues aus SF

Seit Januar war ich nicht mehr in San Francisco, und seit dem 8. Januar habe ich keinen einzigen Eintrag in diesem Blog geschafft. In Berlin ist einfach zu viel los. Ein Büro mit inzwischen über 30 Leuten, ein neues Haus, tausende Bücher, die einsortiert werden müssen, viele Reisen…
Hier in SF sind nur zwei Leute im Büro und ich komme endlich mal zum Schreiben.

Um die Ecke hat die Redaktion von Dwell ihr Büro, die Zeitschrift, die sich moderner Architektur gewidmet hat unter dem Motto „at home in the modern world“. Und am Eingang finde ich endlich ein Beispiel für die Hausnummern aus Edelstahl, die ich seinerzeit für DWR gemacht habe. Das sind die „TECH“ ziffern ohne diagonale Formen. Design Within Reach verkauft die Hausnummern inzwischen im Angebot, weil es offensichtlich keinen Markt gibt in den USA für „Designerziffern“. Aber ich habe ja die Rechte und werde die Nummern demnächst selber anbieten, auch in Europa…

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Unit Rounded ist da.

Runde Schriften sind immer schon mal in Mode, mal wieder nicht. Einer der Gründe dafür war schon immer ein technischer: Schrift auf Bildschirmen und hinterleuchteten Schildern leidet unter Überstrahlungen, die auch die schärfsten Ecken unscharf erscheinen lassen. Die Lichtmenge lässt sich zwar kontrollieren, aber wen die Buchstaben scharf erscheinen, ist das Schild meistens zu dunkel. Also nimmt man eine Schrift, die schon unscharf ist, bzw. gerundete Ecken hat.

Seinerzeit, als wir noch Bleilettern mit viel Druck in das Papier prägten, gab es viele beliebte und deshalb gut verkaufte Schriften für Allerweltsdrucksachen, damals Akzidenzen genannt. Einer der erfolgreichsten war die Reklameschrift Block, die mit ihrer krausen Kontur viel aushalten konnte. Sie war sozusagen schon vorbeschädigt und konnte mangels Schärfe auch keine verlieren. Macht’s kaputt, damit nichts kaputtgeht, war die Maxime und selbst der wütendste Heidelberger Tiegel konnte diesen Buchstaben nichts anhaben.

Als ich die FF Info entwarf, waren die Ecken etwas abgerundet, damit die Schrift auf den Leuchtschildern des Düsseldorfer Flughafen nicht so stark überstrahlte. Außerdem lassen sich Buchstaben mit runden Ecken schneller und besser auf einem Schneideplotter verarbeiten, was bei 2500 Schildern durchaus ein Argument war.

Otl Aicher hatte Anfang der 70er Jahre für das Zweite Deutsche Fernsehen eine Schrift entworfen – eine Version der Univers mit extrem gerundeten Ecken. Fernsehen war damals noch sehr niedrigauflösend.

Andere Schriften hatten runde Ecken – der sogenannte Frankfurter-Würstchenlook – und wirkten damit freundlich und nahbar. Sie kamen und kommen vor allem auf Lebensmittelpackungen zum Einsatz. Eine Benzinmarke wie Aral mischt geschickt die Neutralität der Din-Schrift mit diesem freundlichen Look.

Dann kam Web 2.0 und damit das neue Interesse and runden Schriften. Diesmal werden sie bleiben, sowohl als modische Aussage als auch aus technischen Gründen. Denn schlechte Medien wird es immer geben, die unzerstörbare Typen brauchen.

FF Unit Rounded fing an als eine Exklusivschrift, die wir mit Christian Schwartz Hilfe für Gravis machten, den größten Applehändler Deutschland. Es ging dabei um eine freundlich, aber auch präzise Schrift, die sowohl auf dem Bildschirm als auch auf Schildern, Anzeigen und T-Shirts gut aussehen und unverwechselbar sein sollte.

Gravis Round hat nur zwei Schnitte, deshalb wandte ich mich an Erik van Blokland, den Erfinder des Superpolator Programmes. Hier ist ein kleiner Film zum Download, der den Superpolator live – na ja, fast – in Action zeigt.

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Oben:
Der Superpolator bei der Arbeit.
Jedes Bild steht für einen Interpolationsschritt. Die Größe des Radius am Strichende ändert sich unabhängig von der Strichstärke. Die dünnen Striche benötigen weniger Fläche auf der Grundlinie als die fetten. Ohne geraden Abschluss unten entsteht der pure Würstcheneffekt.

Erik machte viele Versuche um die genaue Beziehung zwischen Rundung und Strichstärke herauszufinden. Die leichteren Schnitte haben fast gar keinen geraden Grundstrich, während die fetteren auf einer Geraden stehen, die in runde Ecken übergehen. Der Radius musste für jeden Schnitte unterschiedlich sein, deshalb machte Erik Filme mit einem Schieberegler zur stufenlosen Darstellung. Jede Version war nummeriert, sodass wir eindeutig sehen und wiederholen konnten, welche Auswirkungen jede Änderung hatte. Der Superpolator ist sogar in der Lage, Innenkurven und diagonale Verbindungen darzustellen ohne große manuelle Eingriffe. .


Oben:
EvB und sein Superpolator erarbeiteten unermüdlich viele Vorlagen und machten es einfach, die richtigen Strichstärken und Radien zu ermitteln.

Aber am Ende gab es immer noch viel Handarbeit zu tun. Das übernahmen die unermüdlichen Experten bei FSI, die immer das ausbaden müssen, was wir faule und oberflächliche Schriftentwerfer vergessen oder vermasseln. Diese Screenshots zeigen, was passiert, wenn man blind der Software vertraut. Die will nämlich an jedem Kurvenextrem einen Punkt einsetzen. Im Falle einer solchen gerundeten Schrift ist das jedoch nicht richtig. Nicht nur werden jede Menge überflüssige Punkte erzeugt, sondern auch merkwürdige Zacken und Buckel. Also mussten fast alle Extrempunkte wieder von Hand entfernt werden. Was bei ca. 450 Zeichen pro Schnitt und sechs Schnitten in richtige Arbeit ausartet.

FF Unit Rounded liegt im OpenType Format vor und hat alle dementsprechenden Features, zum Beispiel vier verschiedene Ziffernarten.

FF Unit ist als Vorlage streng genug um abgerundet zu werden ohne wie eine Würstchenschrift auszusehen, die nur für Comics taugt. Die Rounded sieht freundlich aus ohne an Präzision zu verlieren. Sie verändert ihr Aussehen drastisch, je größer sie gesetzt wird. FF Unit Rounded sollte dieser Tage bei den FontShops erhältlich sein.

Königlicher Handsatz

Neulich hatte ich versprochen, die Urkunde abzubilden, die mir im November in London überreicht worden war. Da habe ich wohl zuviel versprochen, denn die Qualität des aus der Caslon von Alan Kitching handgesetzten und auf einer Handpresse auf handgeschöpften Papier gedruckten Dokumentes ist in diesem Medium und in dieser Größe kaum darzustellen.
Genausowenig lässt sich beschreiben oder abbilden, wie genau die Rolle gearbeitet ist, in der die Urkunde aufbewahrt ist. Der Deckel passt so genau, dass er keinen Verschluss braucht, weil er von alleine nie aufgehen würde.

Trotz aller Einschränkungen hier ein Scan und ein Foto. Das Original ist bei mir in Berlin zu besichtigen.

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Neujahrsputz

Beim Aufräumen meiner Festplatte habe ich etliche Videos gefunden, die zwar nicht aktuell sind, aber vielleicht ganz komisch. Solange ich noch nicht rausgekriegt habe, wie ich den html Code für Streamen der vollen Versionen unterbringe, gibt es hier ganz kleine Filmchen zu sehen. Notfalls kann ich die richtigen Filme auch zum Download anbieten, wenn jemand Interesse hat.

Das erinnert mich daran, was einer der Hauptgründe für das SpiekerBlog war: ich kriege immer noch fast täglich Anfragen von Studenten, die eine Arbeit schreiben müssen; über mich, über eine meiner Schriften oder über Typografie an sich. Deshalb gibt es im Archiv etliche Interviews und andere Texte zu diesen Themen. Die Fragen sind nicht immer identisch, aber durchaus vergleichbar. Also sparen die gespeicherten Antworten mir und den Studenten viel Zeit.

Das erste kleine Video war meine Entschuldigung an die Konferenz in Athen letztes Jahr, auf der ich in die European Hall of Fame for Communication Design aufgenommen wurde nach Wahl durch die Leser einiger Fachzeitschriften. Ich musste in letzter Sekunde absagen und habe dann schnell mit der Kamera im Powerbook ein Filmchen gemacht. Weil das über iChat lief, sind Ton und Bild nicht synchron. Auch meine nicht passend in die Kamera gehaltenen Schrifttafeln zeigen, dass ich vorher nicht geübt hatte.

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Detailtypo, selbstgemacht

Mit Programmen wie Indesign und Schriften im OpenType Format hat jeder Gestalter Werkzeuge zur Hand, von denen alle bisherigen Generationen typografisch Schaffender nur träumen konnten.

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Wie wir alle wissen und jeden Tag sehen können, sind diese Werkzeuge leider keine Garantie für gute Gestaltung und noch nicht einmal für gutes Handwerk. Umso erstaunlicher und erfreulicher finde ich es, wenn ich immer wieder Belege sehe für den unbedingten Willen, alle Register typografischer Gestaltung zu ziehen, auch wenn die Werkzeuge nicht vorhanden sind.

Der Lieferwagen dieser Firma, die auf dem Wochenmarkt in San Francisco gegrillte Hühnchen anbietet, ist sorgfältig beschriftet, wenn auch schon ein wenig abgenutzt. So weit ging die Sorgfalt, dass der Gestalter unbedingt Mediävalziffern verwenden wollte, obwohl es die für die gewählte Schrift, Frutiger, nicht gibt. Die einfache Lösung ist es, normal Ziffern nach oben und unten zu stellen und so schnell den Eindruck echter Old Style Figures zu erwecken. Die 1 kann man dabei unten abschneiden, weil ja keine Serife leiden muss. Die 3, 4, 5, 7 und 9 können einfach unter die Grundlinie rutschen, auch wenn es dabei mitunter etwas wackelt. Das einzige Problem bietet die 2, die nämlich eigentlich eigens gezeichnet werden müsste, weil sie ja keine Oberlänge haben sollte.

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Wie man jedoch selbst bei Meister Bodoni sehen kann, gibt es auch bei Mediävalziffern durchaus anderen Möglichkeiten der Interpretation. Zwar ist auch hier die 2 klein, aber weder 3, 4, 5 noch 7 haben Unterlängen. Wenn es also wackelt, dann hauptsächlich wegen unserer Gewohnheiten.

Spanische Eindrücke

Getreu der Warnung oben, dass ich hin und wieder einfach bloggen werde, was mir gerade einfällt, hier ein paar Bilder aus Spanien. Zwar ist die Reise nach Zaragoza über Barcelona schon wieder ein paar Monate her, aber die Bilder sind mir gerade erst wieder untergekommen. Erstaunlich, was eine 120 Gigabyte große Festplatte alles verbergen kann…

Wer einmal durch Spanien gereist ist, wird diese riesigen Schattenrisse kennen: ursprünglich stand neben den Abbildern des Stieres auf den Spitzen der Berge noch der Name der Marke, für die er werben sollte: Osborne.

Nach vielen Jahren war dieser Zusatz so überflüssig wie die Erklärung Mercedes Benz unter dem Stern. Zumindest in Katalonien werden diese riesigen Skulpturen nun abgebaut. Den Katalanen sind sie angeblich immer noch ein Symbol des alten Franco-Spanien. Ich habe das Gefühl, dass auch die eindeutige Darstellung der Tatsache, dass es sich hier um ein männliches Tier handelt, in der zunehmend politisch-korrekten Welt eine Rolle spielt. Schade.

Weniger gründlich als bei der Abschaffung der Osborne-Stiere ist die Regierung der Region bei der Beschriftung der Autobahnen. Offiziell verwendet Spanien die US-amerikanische Autobahnschrift, die zwar miserabel lesbar und völlig überholt ist, aber aus einer Zeit stammt, als alles aus den USA kritiklos übernommen wurde.

Dass die Behörden (wie woanders natürlich auch) offensichtlich keine Ahnung von Schrift haben, beweist die Tatsache, dass hin und wieder auch die gute alte Helvetica verwendet wird, die genausowenig für solche Zwecke geeignet ist, aber überall vorhanden.
Nach einem Ministerium für Typografische Angelegenheiten verlange ich seit Jahrzehnten vergebens.

Neue Euros, altes System

Am 1. Januar führen zwei weitere Staaten (Zypern und Malta) den Euro ein. Die Vorderseiten der Münzen unterscheiden sich kaum von denen in anderen Staaten, während die Rückseiten nationalen Symbolen vorbehalten sind.

Mir fällt bei dieser Gelegenheit ein, dass ich 1999, also vor der Einführung des Euro als europäisches Zahlungsmittel, vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel gebeten wurde, meine eigenen Ideen zur Gestaltung der Münzen vorzustellen. Auch einige andere Gestalter wurden dazu gebeten, aber deren Vorschläge kann ich nicht zeigen, weil ich keine Daten dazu habe.
Mir fiel damals auf, wie wenig systematisch die neuen Münzen gestaltet worden waren. Zwar gab und gibt es drei verschiedene Metalle und etliche verschiedene Größen sowie unterschiedliche Ränder, aber von einem System kann man nicht sprechen. Viel schlimmer ist jedoch, dass man bis heute viele der Münzen nur beim genauen Hinsehen unterscheiden kann. Eigentlich sollte man doch schon in der Hosentasche sein Kleingeld sortieren können und es dann auch im Dunkeln immer richtig abzählen.

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Wie man sieht, sind alle Münzen ein wenig unterschiedlich groß, aber nicht unterschiedlich genug um es durch bloßes Fühlen zu erfassen. Das 2-Euro Stück ist 25,75 mm im Durchmesser, die 50-Cent Münze kaum wenig kleiner mit 24,25 mm, während das 1-Euro Stück seltsamerweise kleiner als diese ist, nämlich 23,25 mm. Auch das 5-Cent Stück ist mit 21,25 mm größer als die wertvollere 10-Cent Münze mit 19,75 mm. Die unterschiedliche Metalle lassen sich nur im guten Licht unterscheiden.

Das 20-Cent Stück hat als einzige Münze einen anders geprägten Rand, ist aber selbst dadurch kaum vom fast gleich großen 5-Cent Stück zu unterscheiden. Geprägte Linien sind mal links, mal rechts und mal schräg angeordnet, aber zu dünn und zu nahe beieinander um durch Fühlen einen Hinweis auf den Münzwert zu geben. Der Umriss Europas ist eher Augenpulver und politisch motiviert als zur Unterscheidung nützlich.

Die Rückseiten der Münzen sind von Land zu Land verschieden, was immerhin interessant ist, aber nicht hilft, die einzelnen Werte auseinander zu halten.

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Ich habe zuerst die Gruppen unterschieden: Einer-, Zweier- und Fünfer-Münzen.
Die Einer, also die 1-Euro Münze, das 10-Cent und das 1-Cent Stück, sind einfach rund und jeweils 20% kleiner. Wenn mein Euro also 23,25 mm groß wäre wie der jetzige, dann wären 10 Cent 18,50 mm im Durchmesser (ungefähr so groß wie das jetzige 2-Cent Stück) und 1 Cent noch 16,50 mm – jetzt ist es 16,25 mm groß.
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Die Zweier, also 2-Euro, 20 Cent und 2 Cent sind achteckig, mit stark abgerundeten Ecken und dadurch schon durch Fühlen unterscheidbar. Die Durchmesser sind wie die der runden Münzen, wirken in der Hand aber etwas mächtiger und sind auch schwerer bei gleicher Dicke wie die Einer.
Die Fünfer sind auch rund wie die Einer, aber etwas dicker und haben ein Loch in der Mitte wie einige skandinavischen Münzen. Ein 5-Euro Stück gibt es noch nicht, dieses System sieht es dennoch vor, denn es macht Sinn. Das Loch in der Münze lässt sich mit den Fingern erfühlen und ist auch in der Draufsicht eindeutig.
Neben diesen Unterscheidungen in Form und Größe lässt sich der Münzwert auch an waagerechten Linien erkennen, derer es eine, zwei oder fünf gibt (!) Die drei Euro Münzen sind aus Silber, die 50, 20 und 10-Cent Stücke aus „Nordischem Gold“ und die drei kleinen Münzen aus Kupfer, wie jetzt auch.

Auf den ersten Blick mögen diese Münzen etwas kahl wirken. Sicherlich ist die heutige Gestaltung wieder ein Kompromiss wie der bei den Geldscheinen. Nichts darf erkennbar als nationales Symbol sein und alle Staaten wollen sich wiederfinden. Umso mehr erstaunt mich die Abbildung mit einem Europa-Umriss. Das ist erstens geografisch heikel, weil der Kontinent keine Insel ist und keine klaren Konturen hat. Und politisch ist das zweitens ungenau, denn die Landkarte schließt auch die Länder ein, die nicht zur EU gehören. Und wo hört Europa hier auf? Im Osten und im Norden fehlt einige Landmasse und die kleineren Inseln der Balearen sind dem Maßstab zum Opfer gefallen.
Klare Ziffern und Buchstaben sind nicht nur eindeutiger, sondern helfen auch beim Zählen. Und für griechische und kyrillische Buchstaben wäre auch noch Platz.

Meine Vorschläge für die Rückseiten will ich später zeigen. Hier nur noch zwei Renderings von 1999.

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Dublin Type 1

Niemand kann einen Klassiker gestalten. Ob eine Schrift zum Klassiker wird, entscheidet allein der Gebrauch über Jahre.

Die FF Meta gibt es jetzt seit fast 20 Jahren, und sie wird immer noch verkauft. Während neue Generationen von Gestaltern immer wieder das entdecken, was die Generation vor ihnen gerade weggeworfen hat, wird eine ehemalige Trendschrift wie Meta nach genügend Zeit und Gebrauch irgendwann zum Standard und damit für Anwendungen frei, die alles andere als modisch sind. So diese Fassadenbeschriftung in Dublin.

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Die große Beschriftung an der Hauswand ist offensichtlich schon etwas älter und handgemacht. Als nun diese Schrift auch für die beiden neueren Schilder über den Läden im Erdgeschoss benutzt werden sollte, haben sich zwei Schriftenmaler daran versucht und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Einer nahm die Meta als Vorlage und hat sie sich recht ordentlich angeeignet; das ist Messrs Maguire auf dem grünen Schild.

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Der andere Schildermaler hat offensichtlich diese erste Kopie zur Vorlage genommen und sie wiederum abgemalt. Dabei hat sich die Schrift noch etwas weiter von der ursprünglichen Vorlage entfernt.
Die Metallbuchstaben sind hingegen nach digitalen Daten angefertigt und recht gut getroffen. Ich weiss nie, ob ich angesichts solcher Anwendungen meiner Schriften lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall beweisen sie, dass die Meta keine Designerschrift mehr ist für besonders wertvolle Zwecke. Ein handgemaltes Schild für ein Pub in Dublin macht die Schrift zwar noch nicht zum Klassiker, holt sie aber auf jeden Fall auf den Boden des Alltags. Und da gehört eine Textschrift ja auch hin.

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Dublin Type 2

Die Kunst, farbige Beschriftungen von Hand zu malen oder dreidimensionale Buchstaben in Fassaden zu schneiden oder zu meisseln ist so gut wie ausgestorben. Selbstklebende Plastikbuchstaben haben Schilder ersetzt mit selbsterdachten Buchstaben aus Fantasieschriften, die es in keinem FontBook gibt.

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Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die restlichen handgemachten Schilder auch von den Häusern in Dublin verschwunden sein werden. Diese hier habe ich neulich dort fotografiert.

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Uncialschriften bestimmen den Stil irischer Handschriften seit lange vor Gutenberg. Sie sehen allerdings weniger überzeugend aus, wenn sie allenthalben angewendet werden, wo es um den „echten“ irischen Stil gehen soll. (Übrigens: diese Version der Quay Sans sieht ziemlich merkwürdig aus.) Vielleicht wird es mal Zeit für einen Workshop zur Ermittlung der wirklichen irischen typografischen Identität.