Mit Programmen wie Indesign und Schriften im OpenType Format hat jeder Gestalter Werkzeuge zur Hand, von denen alle bisherigen Generationen typografisch Schaffender nur träumen konnten.

Wie wir alle wissen und jeden Tag sehen können, sind diese Werkzeuge leider keine Garantie für gute Gestaltung und noch nicht einmal für gutes Handwerk. Umso erstaunlicher und erfreulicher finde ich es, wenn ich immer wieder Belege sehe für den unbedingten Willen, alle Register typografischer Gestaltung zu ziehen, auch wenn die Werkzeuge nicht vorhanden sind.
Der Lieferwagen dieser Firma, die auf dem Wochenmarkt in San Francisco gegrillte Hühnchen anbietet, ist sorgfältig beschriftet, wenn auch schon ein wenig abgenutzt. So weit ging die Sorgfalt, dass der Gestalter unbedingt Mediävalziffern verwenden wollte, obwohl es die für die gewählte Schrift, Frutiger, nicht gibt. Die einfache Lösung ist es, normal Ziffern nach oben und unten zu stellen und so schnell den Eindruck echter Old Style Figures zu erwecken. Die 1 kann man dabei unten abschneiden, weil ja keine Serife leiden muss. Die 3, 4, 5, 7 und 9 können einfach unter die Grundlinie rutschen, auch wenn es dabei mitunter etwas wackelt. Das einzige Problem bietet die 2, die nämlich eigentlich eigens gezeichnet werden müsste, weil sie ja keine Oberlänge haben sollte.

Wie man jedoch selbst bei Meister Bodoni sehen kann, gibt es auch bei Mediävalziffern durchaus anderen Möglichkeiten der Interpretation. Zwar ist auch hier die 2 klein, aber weder 3, 4, 5 noch 7 haben Unterlängen. Wenn es also wackelt, dann hauptsächlich wegen unserer Gewohnheiten.