Neue Euros, altes System

Am 1. Januar führen zwei weitere Staaten (Zypern und Malta) den Euro ein. Die Vorderseiten der Münzen unterscheiden sich kaum von denen in anderen Staaten, während die Rückseiten nationalen Symbolen vorbehalten sind.

Mir fällt bei dieser Gelegenheit ein, dass ich 1999, also vor der Einführung des Euro als europäisches Zahlungsmittel, vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel gebeten wurde, meine eigenen Ideen zur Gestaltung der Münzen vorzustellen. Auch einige andere Gestalter wurden dazu gebeten, aber deren Vorschläge kann ich nicht zeigen, weil ich keine Daten dazu habe.
Mir fiel damals auf, wie wenig systematisch die neuen Münzen gestaltet worden waren. Zwar gab und gibt es drei verschiedene Metalle und etliche verschiedene Größen sowie unterschiedliche Ränder, aber von einem System kann man nicht sprechen. Viel schlimmer ist jedoch, dass man bis heute viele der Münzen nur beim genauen Hinsehen unterscheiden kann. Eigentlich sollte man doch schon in der Hosentasche sein Kleingeld sortieren können und es dann auch im Dunkeln immer richtig abzählen.

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Wie man sieht, sind alle Münzen ein wenig unterschiedlich groß, aber nicht unterschiedlich genug um es durch bloßes Fühlen zu erfassen. Das 2-Euro Stück ist 25,75 mm im Durchmesser, die 50-Cent Münze kaum wenig kleiner mit 24,25 mm, während das 1-Euro Stück seltsamerweise kleiner als diese ist, nämlich 23,25 mm. Auch das 5-Cent Stück ist mit 21,25 mm größer als die wertvollere 10-Cent Münze mit 19,75 mm. Die unterschiedliche Metalle lassen sich nur im guten Licht unterscheiden.

Das 20-Cent Stück hat als einzige Münze einen anders geprägten Rand, ist aber selbst dadurch kaum vom fast gleich großen 5-Cent Stück zu unterscheiden. Geprägte Linien sind mal links, mal rechts und mal schräg angeordnet, aber zu dünn und zu nahe beieinander um durch Fühlen einen Hinweis auf den Münzwert zu geben. Der Umriss Europas ist eher Augenpulver und politisch motiviert als zur Unterscheidung nützlich.

Die Rückseiten der Münzen sind von Land zu Land verschieden, was immerhin interessant ist, aber nicht hilft, die einzelnen Werte auseinander zu halten.

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Ich habe zuerst die Gruppen unterschieden: Einer-, Zweier- und Fünfer-Münzen.
Die Einer, also die 1-Euro Münze, das 10-Cent und das 1-Cent Stück, sind einfach rund und jeweils 20% kleiner. Wenn mein Euro also 23,25 mm groß wäre wie der jetzige, dann wären 10 Cent 18,50 mm im Durchmesser (ungefähr so groß wie das jetzige 2-Cent Stück) und 1 Cent noch 16,50 mm – jetzt ist es 16,25 mm groß.
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Die Zweier, also 2-Euro, 20 Cent und 2 Cent sind achteckig, mit stark abgerundeten Ecken und dadurch schon durch Fühlen unterscheidbar. Die Durchmesser sind wie die der runden Münzen, wirken in der Hand aber etwas mächtiger und sind auch schwerer bei gleicher Dicke wie die Einer.
Die Fünfer sind auch rund wie die Einer, aber etwas dicker und haben ein Loch in der Mitte wie einige skandinavischen Münzen. Ein 5-Euro Stück gibt es noch nicht, dieses System sieht es dennoch vor, denn es macht Sinn. Das Loch in der Münze lässt sich mit den Fingern erfühlen und ist auch in der Draufsicht eindeutig.
Neben diesen Unterscheidungen in Form und Größe lässt sich der Münzwert auch an waagerechten Linien erkennen, derer es eine, zwei oder fünf gibt (!) Die drei Euro Münzen sind aus Silber, die 50, 20 und 10-Cent Stücke aus „Nordischem Gold“ und die drei kleinen Münzen aus Kupfer, wie jetzt auch.

Auf den ersten Blick mögen diese Münzen etwas kahl wirken. Sicherlich ist die heutige Gestaltung wieder ein Kompromiss wie der bei den Geldscheinen. Nichts darf erkennbar als nationales Symbol sein und alle Staaten wollen sich wiederfinden. Umso mehr erstaunt mich die Abbildung mit einem Europa-Umriss. Das ist erstens geografisch heikel, weil der Kontinent keine Insel ist und keine klaren Konturen hat. Und politisch ist das zweitens ungenau, denn die Landkarte schließt auch die Länder ein, die nicht zur EU gehören. Und wo hört Europa hier auf? Im Osten und im Norden fehlt einige Landmasse und die kleineren Inseln der Balearen sind dem Maßstab zum Opfer gefallen.
Klare Ziffern und Buchstaben sind nicht nur eindeutiger, sondern helfen auch beim Zählen. Und für griechische und kyrillische Buchstaben wäre auch noch Platz.

Meine Vorschläge für die Rückseiten will ich später zeigen. Hier nur noch zwei Renderings von 1999.

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8 comments

  1. Mittlerweile ist doch noch einiges mehr hinzugekommen. Aktuell liegt das Interesse ja an der 5 Euro Münze, die herauskommt. Ich bin gespannt, wie es in diesem Bereich in Zukunft weitergeht.

  2. Zwischenzeitlich hat sich ja eine ganze Menge getan. Nicht nur, dass ein Land hinzugekommen ist (Slowakei). Es hat sich auch die Rückseite geändert.
    Ich finde diese weiterhin interessant.

  3. Peter

    Ich finde die Euromünzen sehr gut und kann bei Münzen mit Loch, Kanten und Rundungen kein ystem erkennen. Zum Glück haben wir das aktuelle System und die Münzen. Die finde ich einheitlich, schön und einfach gut.

    Und mit Geld abzählen in der dunklen Hosentasche Argumenten wagt man sich aufs Eis der Lächerlichkeit.

    Ich kann sie wohl optisch sehr gut unterscheiden als auch fühlend.

  4. tino

    Also ich finde sehr wohl, dass die aktuellen Euromünzen ein System bilden, wobei sie sich in drei Gruppen einteilen lassen: kupferfarbene mit glattem Rand, goldfarbene mit grobem Rand und zweifarbige mit fein geriffeltem Rand. Die Größen überschneiden sich, so ist das 5-Cent-Stück etwas größer als das 10-Cent-Stück. Dadurch ist der Größenunterschied innerhalb einer Farbe/Riffelung maximal und so können diese einfach unterschieden werden. Die mittleren Größen haben zudem einen speziellen Rand (2 Cent und 20 Cent). Zugegeben, die Kerbe im 2-Cent-Stück ist besonders für Nicht-Blinde schwer zu ertasten, ansonsten sind alle anderen Münzen genau zu erfühlen: eine große Münze mit glattem Rand ist beispielsweise ein 5er, eine kleine Münze mit groben “Zacken” ein 10er. Der 10er und 50er haben zwar den gleichen Rand und die gleiche Farbe, sind aber in ihrer Größe maximal unterschiedlich.

    In Ihrem Konzept wären Verwechslungen zudem “teurer”: Das 1-Cent-Stück ist beispielsweise dem 10er ähnlicher als dem 2-Cent- oder 5-Cent-Stück.

    Wie gesagt, ich finde das aktuelle Design gut durchdacht.

  5. Natürlich kann man – viel Fingerspitzengefühl und mehr als fünfjährige Erfahrung im Umgang mit unserer „neuen“ Währung vorausgesetzt – die Münzen auch im Dunkeln oder in der Hosentasche sortieren, trotzdem muss ich zugeben, dass auch ich mir damals von den neuen Münzen etwas mehr versprochen hatte.

    Allerdings ist auch dies leider einfach mal wieder ein Beispiel dafür, dass insbesondere politische Entscheidungsträger meist und gerne auf die falschen (oder gar keine) Berater hören und sich am liebsten darauf verlassen, dass sie Volkes Stimme einfach per Mindcast übertragen bekommen.

    Und a propos „Volkes Stimme“, es passt vielleicht nicht ganz zum Thema, aber hier einen Nachricht an Herrn Koch aus Wiesbaden: Ich gehöre zwar zur (meist) schweigenden Mehrheit in Deutschland, fühle (und fühlte) mich von Ihnen aber in keinster Weise vertreten.

  6. Man kann sich an alles gewöhnen, aber wäre es nicht besser (und professionell), wenn ein so wichtiges System auch systematisch aufgebaut wäre? Eine Handvoll Euro-Münzen ist nicht auf den ersten Blick so einfach zu sortieren, wie es möglich wäre, wenn man darüber vorher nachgedacht hätte.

  7. Jan

    Ich finde eigentlich, dass man die Münzen gut abtasten kann – man muss eben den Rand beachten.

  8. Sebastian Nagel

    Interessant und einleuchtend. Mit solchen stichhaltigen Argumenten sind die realen Münzen wohl kaum begründbar.
    Gibt es ähnliche (leider nur theoretische) Überlegungen für die Banknoten?

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