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Das kommt mir griechisch vor…

Neben der Arbeit an neuen Schriften geht der Ausbau meiner bestehenden Schriftfamilien weiter. OpenType bietet die Möglichkeit, neben dem lateinischen auch andere Alphabete darzustellen. Meta gibt es schon lange auch mit griechischem und kyrillischem Zeichensatz. Nicht jedoch spätere Ergänzungen wie MetaHeadline oder MetaLight.
Nun haben zwei Schriftentwerferinnen in Athen den ersten Schnitt geschafft, MetaLight Greek. Thin und Hairline werden folgen.
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MetaSerif

Hier das erste öffentliche Muster der neuen Antiqua. Gildet alles noch nicht, aber der Gesamteindruck wird so bleiben. Eine kräftige Werksatzschrift, die in Strichstärke und Mittellänge auf MetaSans abgestimmt ist.
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Reich werden durch Schriftentwurf?

Beim Aufräumen (ich suche nach meinen alten Skizzen für Officina) fiel mir der erste Scheck in die Hände, den mir ITC im Sommer 1991 geschickt hatte. ITC Officina war im November 1990 offiziell vorgestellt worden, nachdem ich die Daten bereits 1989 abgeliefert hatte. Bei einem ITC Typeface Review Board Meeting am 21. Januar 1988 hatte ich mein Konzept so vorgestellt:

„My favourite idea = a correspondence face, on the same lines of thinking as Stone Informal; a face for business correspondence that reads better while taking up less space than Courier or Pica, but still doesn’t look too much like a proper “designed” typeface – because once you’re using a real typeface, the whole page wants to be laid-out, to be designed. A business letter, an estimate, an invoice should be more neutral, not making a comment about its content. So we need something between Courier and American Typewriter, again perhaps both with and without serifs. Also the present versions of Courier and Letter Gothic available for LaserWriters by Adobe and Bitstream are too light to withstand more than one copy stage (ITC Officina).


Den Namen hatte ich also auch schon im Kopf. Leider fehlt mir die Vorlage, die ich aufgrund dieses Vorschlages dann machte. Aber die finden wir vielleicht noch und veröffentlichen sie dann im nächsten Teil der typografischen Quellenforschung.
Der erste Scheck belief sich auf unglaubliche ein Dollar und neun Cents. Da die Gebühren wesentlich höher geworden wären, habe ich ihn nie eingelöst. ITC Officina ist immer noch der Bestseller der ganzen Bibliothek. Auch wenn die Lizenzbeträge etwas höher ausfallen heute – davon leben könnte ich beileibe nicht.

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Die wahre Titelschrift.

Auf amaztype kann man einen Autorennamen oder einen anderen Suchbegriff eingeben und schon erscheint das eingetippte Wort, aus Umschlägen der Bücher gebildet, die zu diesem Autoren oder Herausgeber gehören. Wie das Wortspiel andeutet, kommen die Informationen von amazon.com. Die Darstellung ist wahrhaftig „amazing“. Funktioniert auch mit CDs und DVDs.

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Der Tipp kam von Ivo Gabrowitsch fontwerk

Die normative Kraft

In Bremen an der HfK läuft ein Workshop zum Thema Phantasie. Im Juni gibt es eine Veranstaltung zu diesem interessanten, aber schwierig zu fassenden Thema. Bin mal gespannt, wie wir Designer mit so einem Thema umgehen, wo wir doch eigentlich alles immer in Regeln fassen wollen. Gut, dass Studenten noch nicht so verdorben sind von der normativen Kraft des Faktischen. Eckhard Jung hat das auf die Wand geschrieben, alles klein natürlich.

Mehr dazu demnächst.

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foto: johannes ellmer

SpiekermannPartners im Fernsehen

Die Eröffnung unseres neuen Büros in der Friedrichstraße hat das Berliner Lokalfernsehen zum Anlass genommen, einen Beitrag zu senden. Das Niveau der hauseigenen Grafik wird deutlich an dem wunderbaren Hintergrund, den die Kollegen dort um meinen Kopf herum gebastelt haben.
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Auf der Download Seite habe ich dennoch ein knapp 19mb großes Video hinterlegt. Hier der Link zur kleineren Version: spiekermann.movie

Gutes Information Design

Gutes Informationsdesign ist selten. Oft funktioniert eine Drucksache, aber sie sieht langweilig aus und ist immer aus eine dieser institutionellen Schriften gesetzt. Meistens sind die Formulare oder Gebrauchsanweisungen nicht nur hässlich, sondern auch unverständlich. (Bei nächster Gelegenheit sollte ich hier mal meine Alternativentwürfe zur Telefonrechnung der Telekom zeigen.)
Ganz anders diese Postwurfaktion der Royal Mail, der Post im Vereinigten Königreich, wie man heute sagen muss. Die Marketingleute haben ein einfaches Konzept erdacht, nach dem es nur noch drei Klassen von Briefen gibt: Letter, Large Letter und Packet. Die Masse und Gewichte werden gelistet, der Clou ist aber der einfache Vordruck, auf dem 1:1 sowohl die Größe aller Sendungen dargestellt sind, als auch die maximale Dicke der beiden Briefklassen. Die sind einfach als weißer Schlitz in der roten bzw. graubraunen Fläche abgebildet. Ein Foto daneben zeigt, wie man durch einfaches Danebenhalten ausprobieren kann, was passt.
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Das alles ist uneitel und übersichtlich gestaltet, knapp und verständlich geschrieben und darüber hinaus aus einer wunderbaren Schrift gesetzt: aus der Chevin von Nick Cook, den FontFont Nutzer kennen, weil er die FF Penguin gestaltet hat. Heute betreibt Nick die G-Type Foundry.
Die Chevin ist keinesfalls die Hausschrift der Royal Mail und sicherlich nicht für lange, ernste Finanzberichte geeignet. Aber ihre fröhlich Ausstrahlung und robuste Form tragen dazu bei, dass diese Drucksache bestimmt nicht weggeworfen, sondern in jedem Haushalt angewendet wird.
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100 beste Schriften, heute neu.

Jürgen Siebert von FontShop Deutschland hat gerade das Ergebnis der Suche nach den 100 besten Schriften veröffentlicht. Die Website dazu, 100besteschriften, wird am 24. abends live sein. Die Broschüre als PDF kann man dann auch laden unter 100besteschriften.

Ich darf stolz verkünden, dass drei meiner Schriften vorkommen: ITC Officina auf Platz 8, FF Meta auf 18 und FF Info auf 53. Aus diesem Anlass unten auch noch einmal ein paar Anmerkungen zu Officina.
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ITC Officina Display

ITC Officina Display und ihre Herkunft.
Als Ben Acornley und ich (damals noch bei MetaDesign London) die Zeitschrift The Economist in London neu gestalteten (im neuen Layout erschien die erste Nummer im Mai 2001), wählten wir meine ITC Officina Sans als Schrift für Navigation und Information. Die Texte und Überschriften sind aus der eigenen Schrift des Economist gesetzt, die Ole Schäfer und ich für den Relaunch überarbeiteten. Aber Grafiken, Tabellen, Karten und Bildunterschriften sind als Kontrast dazu und wegen der besseren Lesbarkeit in kleinen Graden aus Officina Sans gesetzt.
Als es daran ging, die Schrift auf den Titelseiten in recht großen Graden zu setzen, fanden die Redakteure sie etwas zu „goofy“, was man wohl mit „knubbelig“ oder zumindest „eigen“ übersetzen kann. Die abgerundeten Ecken, ausgeprägte Pseudo-Serifen und schräge Endstriche sind in den fetten Schnitten besonders sichtbar und wirkten störend.
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Die Displayversion, die ich skizzierte, hatte scharfe Ecken, die Endstriche sind nicht so abgeschrägt, und die Pseudo-Serifen sind kaum noch angedeutet. Dadurch kann die Schrift wesentlich enger gesetzt werden und stellt die einzelnen Buchstaben nicht so sehr in den Mittelpunkt. Ole Schäfer hatte schon als Student unaufgefordert die Original-Officina um einige fette Schnitte erweitert und mir zum Kommentieren und Korrigieren geschickt. Aus der Zusammenarbeit entstand die erweiterte Familie mit den Medium, ExtraBold und Black, komplett mit Kapitälchen und Mediävalziffern. Ole digitalisierte auch die erste Version der Officina Display für den Economist.
Nach Ablauf der zweijährigen Exklusivphase was es an der Zeit, die Familie um einen leichten Schnitt zu ergänzen und auf den Markt zu bringen. Christian Schwartz unternahm die Arbeit auf der Basis eines extrapolierten Schnittes, den FontBureau für einen Auftraggeber gemacht hatte. Christian überarbeitete alle Daten und wir bastelten ein paar Dingbats und Pfeile dazu.
Officina Display hat jetzt gleiche Mittelhöhen in allen Schnitten. Unter- wie Oberlängen sowie auch die Versalhöhe sind angeglichen. In einer Textschrift wäre das ein Kardinalfehler, weil fettere Schnitte aufgrund der kleineren Innenräume kleiner wirken. Bei einer Schrift für Headlines kommt es hingegen darauf an, Wörter auch aus verschiedenen Schnitten zusammenzusetzen. Und dann wäre es völlig albern, müsste man jedes Wort eigens in der Größe anpassen, damit nichts wackelt.

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Logos Web 2.0

Ein Spaßvogel hat sich die Mühe gemacht, bekannte Logos so umzubauen, dass sie aussehen, wie man es jetzt überall sieht: Verlauf drauf, Spiegelung drunter, Farben knallig. Gesehen bei flickr, wo sonst. Das arg reduzierte JPEG unten zeigt die Effekte nur unzureichend.
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