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IE von weitem

Egor hat mir eine sehr nützliche Adresse geschickt: Netrenderer zeigt, wie eine Website aussieht, wenn man sie mit IE betrachtet, auch wenn man selbst den Browser nicht installiert hat. Die Software geht zu der Site, macht einen Screenshot (Bildschirmschuss?) und schickt den zurück. Ziemlich kühl und kostenlos.

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Internet Explorer geht schon besser

Ich arbeite auf einem Mac, mit Safari und Firefox als Browser. Auf beiden erscheinen die Bilder und Texte genau, wie ich sie haben will und wie ich sie mir mühsam zusammenkodiere mit ein wenig HTML und CSS.
Unter Windows verwenden noch viele Nutzer IE 7 und sogar IE 6 (!). Bei beiden funktionierte mein HTML nicht sehr gut. Die Bilder wurden entweder überhaupt nicht oder an der falschen Stelle angezeigt.
Inzwischen haben Joely und ich eifrig repariert und eine Menge Tags entfernt, die noch vom Import meines früheren Blogs stammten. Die Site ist jetzt validiert (gibt es das Wort auf deutsch?) nach den Regeln des w3 Validators. Da ich allerdings nach wie vor weder IE installiert noch eine Windows Kiste zur Verfügung habe, kann ich nicht selber kontrollieren, wie erfolgreich unsere Arbeit war.
Die Kommentarfunktion ist derweil aktiv, und ich stehe bereits im Dialog mit etlichen Kollegen, die mit gutem Rat nicht geizen. Ihr könnt mir natürlich auch direkte E-Mails schreiben, die Adresse ist unter contact zu finden.

Real Meta Nummern

Gestern habe ich die ersten Hausnummern in freier Wildbahn gesehen: am Büro meiner Freunde Jane und Louis in Berkeley. Die Ziffern sind sehr weit spationiert, weil man hier in den Staaten gewöhnlich im Auto sitzt und weit weg von den Haustüren. Die Ziffernfolge hier ist auch der schlimmste Fall: zwei Einsen, die eigentlich wenig Platz brauchen und einen starken Abschluss mit Querstrich unten haben, neben 6 und 9, die beide sowohl nach oben als nach unten überstehen müssen um optisch richtig auszusehen.
Louis hatte keine Schlagbohrmaschine, was das Bohren in eine harte Ziegelwand schwierig machte. Deshalb sind nicht alle Bohrlöcher so exakt positioniert, wie die Schablonen es vorsehen. Deutlich hängt die 9 nach unten. Die Abfolge von 1, 6,1, 9 würde auf dem Papier individuellen Ausgleich zwischen den Ziffern erfordern. Das kann man aber typografisch unbedarften Heimwerkern nicht zumuten, und deshalb durfte ich keine Unterschneidungstabellen in die Packungen legen. Louis ist Journalist und designaffin und hätte damit umgehen können. Normalerweise allerdings ist die Bohrmaschine kein Werkzeug, mit dessen Auswirkungen auf das Kerning sich Schriftentwerfer befassen.

Übrigens sind das die Contemporary Ziffern aus grau eloxiertem Aluminium, die auf der FF Meta Bold basieren.

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Neues in New York

Wer In New York lebt, muss NEW YORK lesen. Das wöchentliche Magazin weiss über alles Bescheid, was in der Stadt geschieht.
NYcover.jpgIn der Rubrik THE WEEK gibt es jede Woche eine Illustration unter dem Titel HIGH PRIORITY, und dazu werden Gestalter eingeladen. Am Freitag gibt es das Manuskript, und am Montag müssen die Druckunterlagen in New York sein. Weil das alles elektronisch ohne Zeitverzug geht, sind immer mehr Designer dabei, die nicht in New York arbeiten. Die Website zeigt einen Überblick über alle bisherigen Beiträge.
Die Abbildungen hier zeigen drei davon,
wie sie alphabetisch nacheinander vorkommen,
von Pierre Bernard, Paris,
Michael Bierut, New York
und Neville Brody, London.

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Die Vorgaben sind recht einfach und werden als PDF mitgeschickt, eine sehr professionelle Vorbereitung:

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Was macht man mit solchen ehrenvollen Aufgaben? Sich etwas besonders originelles einfallen lassen? Das haben viele getan, mit wechselndem Erfolg, wie man sehen kann. Die Aufgabe lösen und den Lesern klar und eindeutig zeigen, was die Prioritäten der Woche sind? Dann wäre eine einfache Tabelle im Stil der Zeitschrift am besten. Oder einfach machen, was der Auftraggeber von einem erwartet? Warum wohl hatten John Sheppard, Senior Designer, und sein Chef, Chris Dixon, mich auf die Liste genommen? Weil sie erwarten, was man von mir kennt: klares Informationsdesign in weiß, grau und rot. Für mich zwar ein langweiliges und überholtes Vorurteil, aber schnell zu machen. Minuten später war auch der erste Entwurf fertig und ging nach New York, in drei Farbvarianten und noch viel Blindtext. Wie zu erwarten, suchte Chris Dixon den roten Entwurf aus. Leider fehlte noch Text, also war es nichts mit Schluss des Projektes vor dem Wochenende. Am Montag kamen dann die ersten Textänderungen, aber der Film der Woche fehlte völlig. Nach einigem hin und her (ich war auf Reisen und musste immer mal wieder ans Netz dafür) war dann der Film ausgewählt und ich konnte das finale Dokument schicken – knapp vor Torschluss, am Mittwochabend.

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Gedruckt wurde dann diese Version (die Farben leiden unter der Konvertierung von TIFF nach JPEG oder GIF; es war einfach knallrot, 100Magenta, 100Yellow):

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Die 100 besten Schriften

Auf Jürgen Sieberts Fontblog gibt es den Countdown der 100 besten Schriften aller Zeiten. Nach welchen Kriterien das beurteilt wurde, ist dort nachzulesen. Ich darf hier nur verkünden, dass meine ITC Officina auf Platz 8 liegt, noch vor Gill und Univers. Erstaunlich. Jeden Tag gibt es eine neue Platzierung, also wissen wir in einer Woche, welche Schriften die vorderen Plätze einnehmen werden. Das Bild zeigt mich 1989 mit dem ersten Ausdruck der Schrift, die damals noch ITC Correspondence heissen sollte.

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Neue Nummern

Hier in den USA sind die Straßen sehr lang, und Hausnummern können fünfstellig sein. Die Auswahl an Ziffern für diesen Zweck ist dagegen sehr beschränkt: was man an den meisten Häusern sieht, würde kein Schriftentwerfer als gestaltete Zahlen gelten lassen. Der Gründer von Design within Reach, Rob Forbes, sah das auch so und bat mich doch mal darüber nachzudenken, ob nicht typografisch anständige Ziffern auch dreidimensional funktionieren könnten. Ein Interview mit Rob Forbes gibt es hier:
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Im Katalog bei DWR sind seit Ende 2006 nun die ersten vier verschiedenen Hausnummern verfügbar. Sie sind populär benannt, nicht unbedingt historisch oder typografisch korrekt. Classic ist meine Bodoni-Adaption, für Contemporary habe ich Meta Bold etwas umgebaut, Industrial ist eine generische Industrieschrift als Negativschablone, und Tech ist mein Versuch, Ziffern ganz ohne diagonale Formen zu gestalten. Die Materialien sind lasergeschnittenes, emailliertes Blech, stranggezogenes, eloxiertes Aluminium, ebenfalls mit dem Laser geschnittener, lackierter Stahl und mit dem Wasserstrahl geschnittener, polierter Edelstahl.
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Die Ziffern der Tech haben keine diagonalen Formen. Daraus könnte durchaus einmal eine komplette Schrift werden.

Auch eine fertige Schrift wie Meta muss für den Produktionsprozess bearbeitet werden. Bei der Form für das Aluminium Strangprofil kann das Fräswerkzeug keine völlig scharfen Innenformen erzeugen. Besser als diese Form dem Zufall zu überlassen ist es, Radien zu zeichnen, die gefräst werden können, auch wenn diese in der Zeichnung etwas übertrieben aussehen. Oben die etwas fetteren Hausnummern, unten Ziffern aus FF Meta Bold.

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Das Anbringen der Hausnummern setzt keine typografischen Fachkenntnisse voraus. Die Bohrschablonen sind gelb auf klare Folie gedruckt, damit auf jeder Wand sichtbar sind und für den richtigen Abstand der Ziffern voneinander sorgen.

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iErik

Im November letzten Jahres veranstaltete die ISTD – International Society of Typographic Designers – eine Vortragstour durch fünf Städte im Vereinigten Königreich. Das darf man nicht einfach Großbritannien nennen und schon gar nicht England, denn die Reise führte uns von Belfast über Glasgow nach Manchester, Bristol und London. Alles in fünf Tagen. Ich durfte in jeder Stadt zwei Vorträge halten, und dazu kamen jeweils zwei Kollegen aus der Stadt. Das ganze lief als „Kern up the Volume“ und war sozusagen meine Abschiedstour als Präsident des ISTD. Jetzt bin ich nicht mehr PISTD, sondern PPISTD, also Past President.

In Belfast hat Liam McComish, Course Director an der School of Art and Design der University of Ulster, bei der Fragestunde nach meinem Vortrag einen kleinen Film mitgeschnitten, den er selbst iErik genannt hat. Der Streifen ist klein und nicht von hoher Qualität – weder inhaltlich noch formal. Aber die Methode hat Witz. Das Movie ist unter download zu finden.
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007 digital

Wahrscheinlich ist es inzwischen jedem aufgefallen: dieses Jahr kürzt man mit ’007 ab, nicht nur mit zwei Ziffern wie die Jahre zuvor.
Von allen Zahlenspielen, die wie jedes Jahr in der Post waren, hat mir das hier am besten gefallen – vielleicht, weil es ästhetisch so völlig daneben ist. Geschickt hat es mir Szönyei György aus Ungarn, Entwerfer der FF Archian. Warum seine Weckuhr kyrillisch beschriftet ist, weiss ich nicht. Aber schön, dass er im richtigen Augenblick auf den Auslöser gedrückt hat. Das funktioniert jetzt so bis 2059 und dann wieder ab 2100 – wem also nichts anderes einfällt, muss sich nur gegen Ende des Jahres mit der Kamera vor eine Digitaluhr o.ä. setzen.
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San Francisco

Ich gebe es ja ungerne nach Europa weiter, aber der Januar hier in Nordkalifornien ist auszuhalten. Gelegentlicher Regen sorgt dafür, dass es auch im nächsten Sommer genügend Wasser geben wird, ansonsten ist der Himmel so blau wie bei uns um diese Jahreszeit selten. Schade, dass ich davon wenig habe, weil ich auch hier den ganzen Tag vorm Computer sitze.
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SpiekerBlog 2.0

Endlich ist es soweit: mit nur ein paar Tagen Verspätung geht mein neues Blog online. Der Reiseplan ist schon in Ordnung, die Kontaktseite ist auch neu. Immerhin gibt es eine neue Adresse für das Berliner Büro; vor allem aber haben wir zum Anfang des Jahres den Firmennamen gewechselt. Aus UDN ist SpiekermannPartners geworden. Nachdem ich fünf Jahre lang immer wieder erklären musste, dass ich nicht mehr bei MetaDesign bin, haben wir uns entschlossen, konsequent zu sein. Wer jetzt nicht merkt, dass ich nicht gleichzeitig bei SpiekermannPartners und meiner alten Firma sein kann, dem ist nicht zu helfen.
Das neue Layout läuft unter Movable Type. Für die deutsch sprechenden und lesenden Freunde ist es sicher eine Erleichterung, dass es jetzt zwei Blogs gibt. Ein deutsches und ein englisches. Leider haben wir keine Software gefunden, die automatisch eine parallele Site baut aus zwei Textversionen mit gleichen Bildern. Also müssen wir auf dem Server zwei verschiedene Websites ablegen, die sich nur im Text unterscheiden, und ich muss alle Daten zweimal behandeln und laden. Offensichtlich gibt es wenig Bedarf an zweisprachigen Blogs.
Die Arbeit mit der neuen Software hat mein Freund und Kollege Joely Hegarty gemacht. Er hat bei dieser Gelegenheit den Umgang mit Blogs gelernt, was aber für einen richtigen Programmierer eine Kleinigkeit ist.