Gutes Information Design

Gutes Informationsdesign ist selten. Oft funktioniert eine Drucksache, aber sie sieht langweilig aus und ist immer aus eine dieser institutionellen Schriften gesetzt. Meistens sind die Formulare oder Gebrauchsanweisungen nicht nur hässlich, sondern auch unverständlich. (Bei nächster Gelegenheit sollte ich hier mal meine Alternativentwürfe zur Telefonrechnung der Telekom zeigen.)
Ganz anders diese Postwurfaktion der Royal Mail, der Post im Vereinigten Königreich, wie man heute sagen muss. Die Marketingleute haben ein einfaches Konzept erdacht, nach dem es nur noch drei Klassen von Briefen gibt: Letter, Large Letter und Packet. Die Masse und Gewichte werden gelistet, der Clou ist aber der einfache Vordruck, auf dem 1:1 sowohl die Größe aller Sendungen dargestellt sind, als auch die maximale Dicke der beiden Briefklassen. Die sind einfach als weißer Schlitz in der roten bzw. graubraunen Fläche abgebildet. Ein Foto daneben zeigt, wie man durch einfaches Danebenhalten ausprobieren kann, was passt.
royalmail_sizecover.gif
royalmail_innen.gif
royalmail_innenschief.jpg

Das alles ist uneitel und übersichtlich gestaltet, knapp und verständlich geschrieben und darüber hinaus aus einer wunderbaren Schrift gesetzt: aus der Chevin von Nick Cook, den FontFont Nutzer kennen, weil er die FF Penguin gestaltet hat. Heute betreibt Nick die G-Type Foundry.
Die Chevin ist keinesfalls die Hausschrift der Royal Mail und sicherlich nicht für lange, ernste Finanzberichte geeignet. Aber ihre fröhlich Ausstrahlung und robuste Form tragen dazu bei, dass diese Drucksache bestimmt nicht weggeworfen, sondern in jedem Haushalt angewendet wird.
chevin.gif

9 comments

  1. erik spiekermann

    Meine alternative rechnung ist jetzt da, allerdings nur in der einfachen gif-variante.

  2. David

    Ja, so sollte Informationsdesign aussehen. Einfach toll. Und du hast vollkommen Recht: diese langweiligen, gelb-schwarzen Frutiger-Zettel der Deutschen Post landen bei mir generell umgehend im Papierkorb, ohne dass ich einen zweiten Blick für verschwenden würde.
    Oder das Telekomiker-CD, das wirkt mittlerweile mit der TeleAntiqua und dem vielen Rosa (Magenta, verzeihung) einfach nur noch penetrant, nicht freundlich. Nur logisch, dass ein Kunde nach dem nächsten zu Konkurrenzanbietern wechselt.
    Erik, wo bleiben denn deine “Alternativentwürfe zur Telefonrechnung der Telekom”? Ich bin gespannt…

  3. Nick Cooke

    Thanks Erik, for your kind comments regarding Chevin, I’m glad you like it. Although you think it may not be suitable for financial reports (yawn), it has been used for annual reports and extremely tedious engineering specifications.

    It means a lot to me that someone of your stature within the ‘Type World’ gives my work your approval.

    Ps. I met Joan last friday at the One Friday event in London

  4. die schweizer post verwendet (hässlicher gestaltet) das genau gleiche system seit jahren – es gibt also ein A3-plakat, welches man z.b. früher direkt auf die grossen paketwagen kleben konnte, worauf dann alle grössen eingezeichnet sind. da “large letters” (maxibriefe in der schweiz) sowieso auf 2cm dicke beschränkt sind und jedes büro einen schieber hat, um diese dicke zu kontrollieren, ist der teil nicht nötig.

    wer hats erfunden? die schweizer 😉

  5. erik spiekermann

    Danke für die recherche, das hätte ich eigentlich auch machen können. Einfacher als scans und fotos zu machen. Ich bin eben doch ein alter analogdesigner.

  6. das beste beispiel sind die briefmarkenautomaten der post. wer auch immer sich die benutzer(irre)führung ausgedacht hat gehört eigentlich tag und nacht davor gestellt und muss das ding immer und immer wieder erklären!

  7. erik spiekermann

    Das fand ich auch, als ich den folder in London sah. Deshalbe habe ich ihn aufgehoben. Dabei wäre es so einfach, sowas auch bei uns zu machen. Aber es mangelt nicht an gestaltern, sondern an den auftraggebern, die erstmal das produkt so einfach machen. Wenn ich da an die Telekome denke…

  8. mimo

    Ja. Das ist wirklich einfach und gut durchdacht. So ein Konzept könnte auch aus Holland kommen. In Deutschland wohl kaum.

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