Typografisches Halbwissen

Einerseits schmeichelt es mir, wenn ich in einer großen deutschen Tageszeitung (die Süddeutsche) eine Schrift von mir verwendet sehe. Noch dazu, wenn diese Anwendung eine der Stärken der FF Unit ausspielt, nämlich die gute Lesbarkeit in kleinen Graden auf recht grobem Papier.
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Ein wenig wundert mich dann doch, dass nicht der normale Schnitt genommen wurde, sondern der alternative mit rundem a und normalem g. Das mag aber Absicht gewesen sein, obwohl ich gerade das runde (Futura-) a nicht für besonders lesbar halte. An der typografischen Fachkenntnis der Gestalter dieser tabellarischen Übersicht (denn nichts anderes ist ein Fernsehprogramm) muss ich aber doch zweifeln, denn wenn sie schon gesehen haben, dass es einen Alternativschnitt gibt, bzw dass auch in den Open Type Versionen etliche Zeichen in zwei Varianten vorkommen, dann hätten sie auch bemerken müssen, dass es unterschiedliche Ziffernarten gibt. Für eine Tabelle mit Uhrzeiten sind die Tabellenziffern viel besser, weil dann in einer Auflistung die Punkte zwischen Stunden und Minuten alle untereinander stehen können. Das sieht nicht nur ordentlicher aus, es gibt auch mehr Übersicht, denn Vergleichbares (hier: die Uhrzeiten) wird besser vergleichbar. Die FF Unit hat auch bei den Tabellenziffern noch leichte Anklänge von Mediävalziffern (englisch Old Style Figures). Wenn das zu unruhig erscheinen sollte, dann gibt es auch noch richtige Lining Figures, also Versalziffern, die auch alle gleich breit sind.
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2 comments

  1. Wenn die Zeiten aber alle untereinander stehen, dienen sie auch dem vergleich. Und da stört es schon, wenn der Dezimalpunkt so wackelt. Die Tabellenziffern der Unit haben ja immer noch leichte Ober- und Unterlängen.

  2. Thomas

    Das Argument in puncto kleines a kann ich gut nachvollziehen, das Futura-a ist tatsächlich nicht von Vorteil bei dieserart Text. Allerdings bin ich ganz und gar nicht der Meinung, dass hier Tabellenziffern die bessere Wahl gewesen wären. Denn die Uhrzeiten sind zwar vergleichbar, sollen aber doch eher unterschieden und nicht verglichen werden. Und genau das ermöglichen diese undeutsch unordentlich herumstehenden Proportionalziffern besser. Finde ich jedenfalls.

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