Letterpress in Berlin

Letterpress printing at P98a from erik spiekermann on Vimeo.

Die Werkstatt in der Potsdamer Straße ist fast fertig eingerichtet. Wir müssen noch viele Holzschriften einsortieren und vor allem die neu gegossenen Schriften: Akzidenz Grotesk in einigen Graden und Block. Alle Andruckpressen laufen, die Korrex Berlin hat nagelneue Walzen. Ab Anfang Juni wird produziert.

Helvetica, der Film

Es gibt anscheinend immer noch Menschen, die diesen Film nicht gesehen haben. Kein Problem: hier kann man den Streifen jetzt leihen oder sogar kaufen und damit Müttern, Kindern, Kollegen, Studenten oder Haustieren imponieren, sie amüsieren oder langweilen, je nachdem.

Drucken wird die Welt retten

In unserer neuen Galeriewerkstatt P98a haben wir ein Plakat gedruckt als Weihnachtsgeschenk für Auftraggeber und Freunde von Edenspiekermann. Gesetzt in 16 Cicero Akzidenz Grotesk Halbfett aus Plakadur (das war Bertholds Kunststoff für große Plakatschriften). Zwei Farben, 50x70cm, gedruckt auf unserer Korrex Frankfurt. 100 Plakate, nummeriert und signiert. Hier hängt eins an der Wand in Ferdinand Ulrichs Büro an der Uni Halle.
Das Plakat daneben ist von Alexander Roth, der bei FontShop International in Berlin arbeitet und die coolsten Schriftproben gestaltet, u. a. diese tolle Website für die FF Mark.

ferdinandPosters

Fahrräder

Auf der englischen Seite dieses Blogs (oben links steht der Link) habe ich ein paar Fotos meiner Fahrräder eingestellt. Es ist müßig (bzw ich bin zu faul), den knappen Text zu übersetzen. In diesem Fall lasse ich mal gelten, dass ein Bild soviel wert sei wie tausend Worte.

Von Hollywood lernen

Wie so oft, fielen mir auch diesmal beim Ausmisten der überlaufenden Festplatte einige Texte in die Hände bzw. unter die Maus, die vielleicht auch in einem anderen Zusammenhang lesbar sind. Den folgenden hatte ich 2003 für meine Kolumne in der Zeitschrift form geschrieben. Das Thema der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen ist heute akuter denn je, deshalb hier die Wiederholung:

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Über technische Dinge wie Software, Datenformate und Speichermedien kann man kaum schreiben, weil jede Zeile überholt sein wird, bevor sie gedruckt ist. Eins aber wissen wir genau: Menschen wollen lesen, in Magazinen blättern, Überschriften überfliegen; sie möchten unterhalten, überrascht, aufgeklärt werden. Wer nur gefahrlos zwei Stunden älter werden will, bleibt beim Fernsehen. Wer mehr will, der liest online, surft: geht ins Internet, wie viele noch sagen. Wo sich vor nicht allzu langer Zeit eine öde Pixelwüste lieblos aufbereiteter Daten erstreckte, ist ein Medium entstanden, das eines unserer Grundbedürfnisse erfüllt, das nach dem Geschichtenerzählen. Heute wird das Storytelling genannt, bedeutet aber nichts anderes als das, was die Gebrüder Grimm schon dem Volke vom Munde abschrieben.

Wir haben das starke Bedürfnis herauszufinden, wie es unseren Zeitgenossen ergeht. Gehen wir ins Kino, weil wir Angst haben dumm zu sterben? Gehen wir in die Oper oder das Theater um unseren Smoking aufzutragen? Lesen wir Bücher, weil wir dafür bezahlt werden? Nein, wir machen es, weil wir wissen wollen, wie andere Leute mit ihrem Leben fertig werden oder an ihm leiden wie wir alle.

Die klassischen Geschichten von Liebe, Ruhm und Leid sind bekannt, seit die Griechen Schauspieler dafür bezahlt haben öffentlich aufzutreten. Und obwohl von Kurosawa über John Ford bis Wim Wenders diese Stories viele tausend mal nacherzählt worden sind, können wir nicht genug kriegen. Eine gigantische Industrie lebt davon, die alten Sachen immer wieder neu zu verpacken und damit unser Verlangen nach Geschichten zu befriedigen. Diese Industrie, als deren Inbegriff Hollywood gilt, ist dabei, sich mit den Geschichtenerzählern zu vereinen, deren Medium noch das Papier ist. Zusammen werden diese neuen Unternehmen nicht nur Pixel von ihren Servern auf unsere Endgeräte schaufeln, sondern die Lieferanten sein für unsere Vorstellungen, Hoffnungen und Träume ebenso wie für Zahlen und Fakten.

Eine gute Website muss heute auch eine packende Geschichte erzählen, sonst vertreibt sie alle außer abgebrühte professionelle Datensammler. Und wie der gewöhnliche Kinobesucher nichts wissen will über Beleuchtung, Maske oder Schneideräume, interessiert sich kein Websurfer dafür, ob die Designer coolen Code schreiben, tolle Photoshopfilter kennen oder komplexe Datenbanken hacken. Sie wollen nur von einer spannend erzählten und gut dargestellten Geschichte gepackt werden.

Der Film hat es geschafft, unzählige Metiers unter einen Zweck zu vereinen, und was dort geklappt hat, wird auch im Web funktionieren. Wie in der Filmindustrie müssen die Produzenten dafür Teams von Spezialisten zusammenstellen. Wir wissen zwar aus Erfahrung, dass Programmierer und Gestalter nicht unbedingt gerne im gleichen Raum arbeiten. Unsere Eitelkeiten, Vorlieben und vorgeschobenen technische Erfordernisse interessieren aber keinen Nutzer. Wir müssen uns zusammenraufen, sonst schalten alle ab vorm Happy End.

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Es hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber immer, wenn ich das Wort Happy End höre, fällt mir Tucholsky ein:

 

Kurt Tucholsky
Danach

Es wird nach einem happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sieht bloß noch in ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen-
da hat sie nun den Schentelmen.
Na, und denn-?

Denn jehn die beeden brav ins Bett
Naja…..diß is ja auch janz nett.
A manchmal möchte man doch jern wissen:
Wat tun se, wenn se sich nich kissen?
Die könn ja doch nich immer penn…..!
Na, und denn-?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kricht det junge Paar ‘n Kind.
Denn kocht se Milch. Die Milch looft üba.
Denn macht er Krach.Denn weent sie drüba.
Denn wolln sich beede jänzlich trenn…..
Na, und denn-?

Denn is det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
Denn quäln se sich noch manche Jahre.
Er will noch wat mit blonde Haare:
vorn doof und hinten minorenn….
Na, und denn-?

Denn sind se alt.
Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit-
Ach, Menschenskind,wie liecht det weit!
Wie der noch scharf uff Muttern war,
det is schon beinah nich mehr wahr!
Der olle Mann denkt so zurück:
wat hat er nu von seinen Jlück?
Die Ehe war zum jrößten Teile
vabrühte Milch und Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.

Neue Schafe sind da.

Die neue, dritte englische Version von „Stop Stealing Sheep and learn how to use type properly“ ist nun erhältlich. Die deutsche Ausgabe kann noch dauern, ist aber in Arbeit. Dafür gibt es Sheep 3.0 mit Rabatt beim Verlag:

Buy at Peachpit.com

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P98A: unsere neue Werkstatt und Galerie

Wir haben jetzt zwei Andruckpressen von FAG, eine Grafix, eine Korrex Berlin, eine Korrex Nürnberg, eine Korrex Frankfurt und einen Heidelberger Tiegel. Von den vielen kleinen Tiegeln wollen wir gar nicht reden. Und alle Pressen laufen seit letzter Woche. Die neueste FAG (mit verstellbarem Fundament) muss noch gereinigt und lackiert werden.
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Dazu überraschend viel große Schrift aus Holz oder Plakadur und jede Menge Bleisatz, darunter auch frisch gegossene Akzidenz Grotesk und Block in Graden von 8 bis 24 Punkt. Regletten, Quadraten und jeden Menge Stege müssen einsortiert werden. Eine zweite Setzgasse ist bestellt.
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Fertig zum Druck

Wir werden sechs Andruckpressen in der Werkstatt haben:
1 Korrex Nürnberg 35×58, 1 Korrex Berlin 50×65, 1 Korrex Frankfurt 61×86, 1 FAG 35×58, 1 Grafix 35×58 und eine weitere FAG, die nächste Woche kommt.
Der Heidelberger Tiegel muss noch zusammengesetzt werden und es gibt viel Schrift zu sortieren und abzulegen.

4 small presses waiting for another one

4 kleine Maschinen warten auf eine weitere.


The big Korrex is all electric. It makes noises like a battleship in action.

Die große Korrex ist komplett elektrisch und macht ein Geräusch wie ein Schlachtschiff in voller Fahrt.