form condensed, 2.

Aus meiner regelmäßigen Kolumne in der form.
Diesmal geht es um Kontroller, die sich in Designbüros breitmachen.



Effektivität, nicht Effizienz.

Die klassische Designfirma nennt sich Atelier, Studio, Büro oder Agentur – je nach Herkunft und Anspruch. Betrieben werden alle Formen immer noch vorwiegend von Gestaltern. Gelernt haben die meisten Produktdesign oder visuelle Kommunikation, wenn auch oft unter anderen Bezeichnungen wie Industrie- oder Grafik-Design. Kaufmännisches Wissen, Personalführung und Marketing eignet man sich im Laufe der Zeit an und wird allmählich zum Manager und Unternehmer.

Dieses Learning bei Doing funktioniert ganz gut bei kleineren Büros, bei denen einfach zu überschauen ist, wer gerade was macht und wie lange das dauern wird. Sobald aber mehr als eine Handvoll Mitarbeitern (womöglich auch noch
festangestellt) dabei sind, wird es sehr schwer den Überblick zu behalten, ob die Projekte nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell im Rahmen des Angebotes bzw dessen bleiben, was der Auftraggeber willens oder in der Lage ist zu bezahlen. Eintritt der Controller. So richtig habe ich bis heute nicht verstanden, was die machen – kann sein, dass ich da einen mentalen Block habe. Im Prinzip – so glaube ich – werden Zahlen ermittelt, die die Kontrolle (sic) über Kosten und Einnahmen und die daraus sich ergebende Profitabilität bzw. die Verluste des Geschäftes ermöglichen. Wenn das Controlling erst einmal alle möglichen Zahlen ermittelt hat, soll es in der Lage sein, nicht nur zu dokumentieren, wer an welchem Projekt wieviel Zeit mit welchem finanziellen Erfolg gearbeitet hat, sondern sogar daraus zukünftige Trends ableiten. Angebote können dann präziser kalkuliert und Ressourcen besser geplant werden.

So die Theorie. In der Praxis hat das Controlling bei Designleistungen aber zwei Haken: erstens weiss jeder, der es schon mal gemacht hat, dass Stundenzettel grösstenteils am Ende der Woche so ausgefüllt werden, dass sie den Erwartungen der Planung entsprechen; und zweitens wird mit diesem Ansatz die Effizienz der Arbeit bewertet, nicht die Effektivität. Auf deutsch heisst das, nicht das was hinten raus kommt, ist der Maßstab, sondern die Art, wie es erreicht
wurde. Damit wird die Realität in unserem Beruf auf den Kopf gestellt. Unsere Arbeit wird vom Auftraggeber nämlich nicht danach beurteilt, wie sie zustande gekommen ist, sondern danach, ob sie funktioniert, also Erfolg hat. Ist die Marke nach der Überarbeitung stärker im Markt, verkauft sich das Produkt besser, lässt es sich einfacher herstellen? Blieb das Projekt im Zeitplan und im Budget? Ob wir das mit Tages- und Nachtarbeit machen oder mit selbstgeschriebener Software, unter dem Einfluss von Drogen oder bei lauter Musik – das alles ist egal, solange alle vorgegebenen Ziele erreicht sind.

Es ist Aufgabe des Inhabers oder der leitenden Mitarbeiter, für die Qualität der Gestaltung zu sorgen, denn danach werden Designbüros, -studios, -ateliers oder agenturen ausgesucht und bewertet. Geld verdienen müssen sie natürlich auch, und es kann nützlich sein, sich vom Controlling zur Beurteilung der nötigen Parameter Werkzeuge und Maßstäbe fertigen zu lassen. Wenn jedoch die Effizienz die Hauptrolle spielt, dann wird irgendwann die Qualität der Arbeit austauschbar. Kein Controller oder Buchhalter kann sagen, ob das Ergebnis gut ist. Sie können lediglich die Streber belohnen, die brav ihre Stundenzettel ausgefüllt haben. Und wenn die Arbeit allmählich austauschbar wird, weil Designqualität nicht mehr das erste Kriterium ist, sinkt der Preis, den man dafür erzielen kann. Das setzt die Kosten unter Druck, bei Mitarbeitern wird gespart, die Qualität der Arbeit sinkt weiter, der Auftraggeber ist unzufrieden. Konkurrenz, die austauschbare Designleistungen für weniger Geld machen, gibt es jede Menge – die wartet schon. Ergo: controlling im Design ist gut, solange es von Designern kontrolliert wird.