Tabellen spielen eine große Rolle im Geschäftsleben. Wie fast alles in diesen Kreisen, dominiert Microsoft den Markt mit Excel. Wer sich an Systemschriften hält, hat kaum Auswahl, wenn es darum geht, umfangreiches Zahlenmaterial und Text dazu in schmale Spalten zu bringen. An einer typografischen Lösung habe ich mit Erik van Blokland und Ralph du Carrois gearbeitet. Nächste Woche erscheint die Lösung bei FontShop. Die Abbildung zeigt Arial Narrow und Univers Condensed mit den Original-Kommentaren von EvB.

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Berlin, 20 Jahre später
Christopher Niemann, Illustrator, der vor einem Jahr von New York City nach Berlin umzog, schreibt in der New York Times über die Mauer, 20 Jahre nach dem Fall, mit großartigen Illustrationen: Abstract City

German Design
Die Deutsche Welle zeigt einen Film über Kommunikationsdesign aus Deutschland. Hier zu sehen: Deutsche Welle
Kein et-Zeichen
Et-Zeichen sehen manchmal aus wie eine verdrehte 3 mit einem t dahinter: das lateinische et eben. Bei der Univers sieht es so aus, bei Garamond Kursiv wie eine richtige e-t Ligatur. Andere et-Zeichen ähneln eher einer 8 (Futura zum Beispiel), und mitunter sieht es aus wie ein etwas missratenes e oder E.
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Was ich allerdings neulich auf einem Smart sah, war die hausgemachte Variante, die ich noch nie gesehen hatte. Es ist das deutsche ß, auf den Kopf gestellt. Keine Ahnung, wieso jemand das so machen wollte, wo doch selbst jeder noch so schlechte „Free Font“ ein richtiges & hat. Vielleicht ist das sogar gewollt. Jeder ist heute eben ein Designer.


Der kleine Unterschied
Die Futura von Paul Renner kam in Frankreich unter dem Namen Europe heraus. Für diesen Markt goss die Bauersche Gießerei eine Sonderform für den Buchstaben a, die sehr an die karolingische Minuskel erinnert. 
Es ist erstaunlich, dass diese kleine Änderung die Wirkung einer ganzen Seite beeinflussen kann, wie das Beispiel zeigt, in dem nur in der oberen Hälfte das „französische“ a erscheint, unten dagegen das normale.
In den späten 20er Jahren waren die Plakate von A.M Cassandre sehr bekannt, die sicherlich den typisch französischen Stil dieser Epoche verkörperten. Die kleine Änderung in der Futura passt genau in diesen Stil.
Der kommerzielle Erfolg einer Schrift kann durchaus von solchen Kleinigkeiten abhängen. Heute würde man das als Marketing bezeichnen. Das Beispiel stammt aus dem wunderschönen Buch über Paul Renner, das als Jahresgabe der Typografischen Gesellschaft München erschien, herausgegeben und zusammengestellt von Philipp Luidl unter Mitarbeit von Günter Gerhard Lange.
Typografisches Halbwissen
Einerseits schmeichelt es mir, wenn ich in einer großen deutschen Tageszeitung (die Süddeutsche) eine Schrift von mir verwendet sehe. Noch dazu, wenn diese Anwendung eine der Stärken der FF Unit ausspielt, nämlich die gute Lesbarkeit in kleinen Graden auf recht grobem Papier.


Ein wenig wundert mich dann doch, dass nicht der normale Schnitt genommen wurde, sondern der alternative mit rundem a und normalem g. Das mag aber Absicht gewesen sein, obwohl ich gerade das runde (Futura-) a nicht für besonders lesbar halte. An der typografischen Fachkenntnis der Gestalter dieser tabellarischen Übersicht (denn nichts anderes ist ein Fernsehprogramm) muss ich aber doch zweifeln, denn wenn sie schon gesehen haben, dass es einen Alternativschnitt gibt, bzw dass auch in den Open Type Versionen etliche Zeichen in zwei Varianten vorkommen, dann hätten sie auch bemerken müssen, dass es unterschiedliche Ziffernarten gibt. Für eine Tabelle mit Uhrzeiten sind die Tabellenziffern viel besser, weil dann in einer Auflistung die Punkte zwischen Stunden und Minuten alle untereinander stehen können. Das sieht nicht nur ordentlicher aus, es gibt auch mehr Übersicht, denn Vergleichbares (hier: die Uhrzeiten) wird besser vergleichbar. Die FF Unit hat auch bei den Tabellenziffern noch leichte Anklänge von Mediävalziffern (englisch Old Style Figures). Wenn das zu unruhig erscheinen sollte, dann gibt es auch noch richtige Lining Figures, also Versalziffern, die auch alle gleich breit sind.


Gemalte Schrift
Dieses Bild zeigt einen Abschnitt der Berliner Mauer, Teil der Eastside Gallery entlang der Spree. Das ist das längste Stück noch existierende Mauer, das komplett mit Bildern bedeckt ist. Diese werden immer mal wieder erneuert oder übermalt, wie das Bild von Edward B Gordon zeigt. Trotz seines Names ist Gordon ein deutscher Maler aus Hannover, der in Berlin lebt und arbeitet. Seit 900 Tagen malt er jeden Tag ein Bild. 
Ich zeige das hier aus zwei Gründen:
1. Gordons Bilder zeigen das Berlin, das ich kenne; nicht immer romantisch, nicht immer hell, nicht immer schmeichelnd, aber immer mit Zuneigung beobachtet und schnell gemalt bevor der Moment verpasst ist. Großartig, Öl auf Holz, 15x15cm.
2. Obwohl nur dreieinhalb Buchstaben zu erkennen sind, reicht das aus die Schrift zu erkennen. Fünf Schritte entfernt vom Original – gemalte Schrift auf der Wand, Gemälde dieser Szene, Reproduktion in der FAZ, mein Scan davon, Abbildung auf Ihrem Bildschirm. Ich habe sie identifiziert als FF Typestar.
Wäre da nicht dieses r. Und dieses i. Wer auch immer diese Buchstaben gemalt hat, kennt sich mit Schrift besser aus als die meisten Grafiker und hat die Freiheit genutzt, die der handgehaltene Pinsel bietet. Er hat den langen Haken rechts am r gekürzt und ebenso die lange Serife am i. Das ist eine kluge Lösung und vermeidet eine Lücke, die sonst zuviel Aufmerksamkeit auf diese Buchstabenkombination lenken würde.
Porzellan auf Papier
Wir haben einen kleinen Film gemacht über die neuen Drucksachen für Hering Berlin:
Porcelain on Paper from erik spiekermann on Vimeo.


