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Luftschrift

Ein Zeppelin NT fliegt seit kurzem über der San Francisco Bay. Das Luftschiff ist 75m lang und 17m hoch. Der Schriftzug Airship Venture ist aus der ITC Officina Bold gesetzt und dürfte etwa 5m hoch und 32m lang sein.zeppelin
airship_typoZwar bin ich stolz, meine Schrift so riesig am Himmel zu sehen, aber es ist auch seltsam. Denn gedacht war die Schrift damals Ende der 80er Jahre für die Korrespondenz, als Ersatz für die Schreibmaschinenschrift, mit der sie etliche Merkmale teilt.
Schade, dass Schriftlizenzen nicht nach Größe bezahlt werden.

Webtrends Diagramm

Das neueste Diagramm der Information Architects zeigt, welche 333 Websites diese besonders interessant finden.
webtrendmap

Schade allerdings, dass die Kollegen das Ding eine Karte (Map) nennen, denn es ist keine. Es ist die diagrammatische Abbildung eines Netzwerkes, in diesem Fall basierend auf dem U-Bahn-Plan von Tokio. Ein Diagramm ist keine typografische oder geografische Darstellung, denn es zeigt lediglich Beziehungen, ohne absolute oder relative Entfernungen. Wenn Reisende einen solchen Plan für eine Landkarte halten, sind sie meistens enttäuscht, dass auf ihn wenig Verlass ist, besonders wenn er für Fußwege benutzt wird.

Immerhin hat es FontShop in die Top 333 geschafft.
webtrends

Fundsachen

In seinem neuen Typojournal zeigt Ralf Hermann, Gründer von typografie.info, Fundsachen von typografisch infizierten Kollegen und Kolleginnen. Dazu hatte ich ihm diesen Beitrag geschickt:
lestrepublicain
Dieses war das erste Schild, das 1967 den Grundstein zu meiner Sammlung legte. Wir – meine damalige Frau Joan und ich – sahen es irgendwo in Südfrankreich, neben der Tür eines Zeitungsladens. Während ich unseren 2CV parkte und die alten Männer, die auf der Bank vor dem Laden saßen, mit meinem schlechten Französisch ablenkte, war Joan irgendwie an der Hauswand beschäftigt. Als wir wieder im Auto saßen, wollte ich wissen, warum sie denn so schnell wieder zurück war und ob wir nicht doch etwas Geld bieten sollten für das Schild. Ich hatte nicht bemerkt, dass sie bereits alles erledigt hatte. Sie hatte das Schild einfach unter ihr kurzes Kleid gesteckt, denn es war nicht angeschraubt, sondern nur gegen die Wand gelehnt. Offensichtlich als Zeichen dafür, dass wir es mitnehmen sollten, denn sonst wäre es, wie viele dieser Emailleschilder, wenig später auf dem Müll gelandet.

Eine Karriere als Trickdiebe haben wir danach nicht angefangen, aber 20 Jahre später FontShop gegründet. Dieses Emailleschild war unsere erste typografische Missetat.

Meine vier Buchstaben

Mein Beitrag zur Welt der Spreizblätter heißt Axel. Darüber ist schon viel geschrieben worden, zum Beispiel hier, aber die Namenswahl bedarf offensichtlich weiterer Erläuterung. Wie die Abbildung zeigt, spart Axel Platz bei guter Lesbarkeit und ist deshalb eine willkommene typografische Alternative für die armen Leute, die täglich in Excel arbeiten müssen. Das haben mir viele Nutzer gesagt. Einer von ihnen, Dan Reynolds, meint hingegen, dass die Schrift noch besser wäre, wenn sie Axl hieße.

Nun haben seit Anfang der 90er alle meine Schriften Namen mit vier Buchstaben: Meta, Info, Unit. ITC Officina gab es schon vorher und ist die Ausnahme. Diese neue Schrift wollte ich eigentlich Exel nennen, aber die Kollegen bei FontShop Deutschland hatten Angst, dass die große Firma in Seattle den Witz vielleicht zu ernst nehmen könnte. Ich glaube das zwar nicht, aber ich muss es im Notfall auch nicht ausbaden. Axel ist auch homophon zu Excel, wenn man es Äxel ausspricht und hat vier Buchstaben.
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Titelseite der FAZ

Unser Thema, Kommunikationsdesign, wird selten erwähnt in der Presse, die ja selbst eines der Gegenstände dieses Berufes ist. Irgendjemand hat schließlich auch die FAZ gestaltet. Diese hat nun zur Feier des 60. Geburtstages der Bundesrepublik Deutschland eine ganze Beilage der Rubrik Bilder und Zeiten diesem Thema gewidmet. Dort wird Das „Gesicht des neuen Deutschland“ beschrieben und mit diesem Satz eingeleitet:
Unsere wahren Leitsysteme sind die Bilder der Alltagswelt. In sechzig Jahren Bundesrepublik haben die Designer mehr für das Selbstverständnis der Deutschen getan als alle anderen Berufsgruppen…

Unter den Abbildungen ist auch das Schriftsystem, das ich mit Christian Schwartz entworfen habe und das mit dem Bundespreis ausgezeichnet worden ist, weil es einen „wesentlichen Beitrag zur visuellen Kultur des Landes darstellt“, so die Jury damals.

Die Titelseite der FAZ vom 23. Mai 2009 zeigt ein Foto eines Ausschnittes des Berliner U- und S-Bahn-Planes, „nach einem Entwurf von Erik Spiekermann“. Das ist richtig, aber nicht die ganze Wahrheit. Ich leitete 1990 das Team, das das Leitsystem der BVG für das wiedervereinigte Berlin gestaltete und legte die wesentlichen Parameter fest, wie Schriften, Signets, Darstellungsform und Hausfarben. Die Reinzeichnung der „BVG-Spinne“, wie sie im Volksmund heißt, erledigte damals Brigitte Hartwig, heute Professorin in Dessau. Die aktuelle Version dieses Diagramms (es ist kein Stadtplan) gibt es bei der BVG zum Download.
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DIN überall

Die DIN Schrift und vor allem ihre coole Schwester, FF Din von Albert-Din Pool, ist überall zu sehen, nicht nur in Deutschland, wo die sie immer noch die offizielle Type ist für alle offiziellen Schilder, auf Straße und Autobahn gleichermaßen.

Die Betreiber des DIN-Bistro in Berlin haben die Popularität dieser Schrift für ihre eigenen Zwecke genutzt, leider ohne typografische Sorgfalt. Ihr Firmenschild ist aus der Systemschrift gesetzt, die wie eine Seuche verbreitet ist und allmählich wie eine solche bekämpft werden müsste.


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