Zurück zur Basis – warum das Alte wieder neu ist

Schon immer haben Grafik-Designer keine handwerklichen Mühen gescheut, eine Botschaft in Kommunikation zu wandeln. Wir haben Stunden auf der Suche nach der passenden Schrift verbracht, uns in winzigen Schritten der richtigen Größe genähert und dann versucht, in riesigen OpenType Fonts die vielen hundert alternativen Zeichen, Ligaturen und inhaltsbezogenen Formen zu finden und einzusetzen.
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Die Druckwerkstatt p98a in der Potsdamer Straße 98a (!) in Berlin

Und nun ist der Buchdruck wieder da, natürlich eingedeutscht als »Letterpress«. Plötzlich haben wir kein Problem damit, ein kleines l anstatt einer 1 einzusetzen, weil die gewählte Schrift nicht genügend Ziffern hat. Was geht ab? Holzschriften sind eine Katastrophe, wenn man bestimmte Zeichenpaare unterschneiden will, weil man wirklich Teile der Buchstaben mit der Säge wegschneiden muss, unwiderruflich, nur um einigermaßen guten Ausgleich zu haben. Es gibt keine halben Größen und den Buchstabenabstand kann man auch nicht fein justieren, es sei denn, man verbringt viel Zeit damit, feine Messing- oder Papierschnipsel auf eine Zeile zu verteilen, bis sie einigermaßen gleichmäßig erscheint. Das Material bestimmt nicht nur wesentlich die Arbeitsweise, sondern auch das Ergebnis. Wenn man eine bestimmte Plakatschrift nur in einer Größe hat, gehen einem schnell einzelne Zeichen aus. Also nimmt man eine kleinere Schriftgröße, weil es in der mehr von jedem Zeichen gibt. Oder man nimmt gleich eine ganz andere Schrift. Wenn das auch nicht hilft, muss man eben den Text ändern.

Das typografische System von horizontalen und vertikalen Bausteinen – Buchstaben, Zeichen, Zwischenräume – ist immer mehr verfeinert worden, seit Gutenberg das Drucken von beweglichen Lettern vor fast 600 Jahren erfunden hat. Es ist ein gigantisches Rastersystem, das unendlich oft dividiert, multipliziert und addiert werden kann. Gesetzte Seiten sehen eigentlich immer gut aus, wenn man sich an die technischen Beschränkungen hält, also »systemimmanent« arbeitet. Die Zeit ist einer dieser Parameter. Wenn man zuviel Zeit damit verbringt, das mechanische, aber feinfühlige System zu überlisten, wird das Ergebnis bemüht und unangemessen aussehen. Bescheidenheit ist eine Tugend, wenn man mit gut durchdachten, aber endlichen Elementen und Werkzeugen arbeitet.
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Das Material

Man sollte wissen, was Quadraten sind, Regletten, Stege, Ausschluss. Mit dem Winkelhaken muss man umgehen können und mit Ahle und Pinzette. Schließrahmen, Schließzeuge, Satzschiffe, Zeilensägen sind genauso erforderlich wie Schraubenschlüssel, Schraubendreher, Hammer und hin und wieder ein Hubwagen, der zwei Tonnen bewegen kann. Es gibt Schmutzlappen und blütenreines Papier, Druckfarben, Walzenwaschmittel, Petroleum, Öl und Maschinenfett. Man wird herausfinden, dass die Arbeit erst beendigt ist, wenn hinterher alle diese Dinge wieder an ihrem richtigen Platz sind und dass Aufräumen fast genauso lange dauert wie die eigentliche Arbeit, aber viel weniger Spaß macht. Alles, was man anfasst, ist entweder sehr schwer oder sehr empfindlich. Oder beides.

Man findet nie die genau richtige Schriftgröße, hat nie genug Buchstaben und das Papier geht immer aus, wenn man gerade die letzten paar Bogen drucken will. Am Wochenende. Fehler werden bestraft durch Verlust an Material und damit, dass man zu viel Zeit in der Werkstatt zubringt. Aber dafür gibt es nichts Schöneres, als eine Form einzurichten aus Blei, Aluminium, Messing, Eisen und Holz, die sehr unordentlich aussieht, weil diese Materialien oft sehr lange in Gebrauch waren und unterschiedlich gealtert sind. Aber dann nimmt man ein jüngferliches Blatt Papier in die schmutzigen Hände und lässt es durch die Presse über diese bunte Form laufen. Plötzlich und ganz wundersam erscheint eine Botschaft: Worte auf Papier, genau da, wo du sie haben wolltest.

Du alleine weisst, welche Arbeit es war, diese Botschaft aufzubauen und welches Material dazu gehört, vor allem das zwischen den Buchstaben und Zeilen. Hier gibt es keine Löschtaste, keine Tabulatoren: der Weißraum ist keiner. Die Leserin weiß das alles nicht und muss es auch nicht wissen. Aber sie spürt, dass diese Botschaft das Ergebnis ist von körperlicher Arbeit, aus Gegenständen gebaut, die viele Hände angefasst haben. Der Prozess teilt sich im Ergebnis mit. Er steht der Botschaft nicht im Wege, sondern er edelt sie.

Fotos: Norman Posselt

178 comments

  1. Reihung optisch und wertungsfrei:

    Neue Haas Grotesk
    Helvetica Neue
    Univers Next
    Avant Garde
    Avenir Next
    Futura
    Optima
    FF Real
    FF Meta
    FF Meta Serif
    Franklin Gothic

    1. Erik Spiekermann

      Den Umschlag habe ich nicht gestaltet, „nur“ den Inhalt. Aber das sieht aus wie eine Franklin Gothic.

      1. Curd

        Ja, vielen Dank. Werde diese vielen Franklin’s mal näher betrachten. Die von Bitstream habe ich vor kurzem erworben und musste feststellen, dass mir die älteren Versionen besser gefallen. Oops, aber darum geht’s ja nicht, ums Gefallen. Leserlicher scheint sie ja zu sein.

      2. Curd

        Also, die franklinartigen Fonts, die ich jetzt habe recherchieren können, sind weiter davon entfernt als es Ihre Meta ist. In jedem Fall scheint eine Bearbeitung statt gefunden zu haben, weil in den Foren auch keiner draufkommt. Und bei der Person, die sich Tecnotronic nennt, ist das schon eher ungewöhnlich.

        Ich habe angenommen, dass es einer Ihrer Fonts ist. Da ich es nicht habe feststellen können, nahm ich an, dass Sie dieses Schriftbild extra fürs Buch entworfen haben, oder dass es sich um einen Corporate-Font handelt, der nicht geläufig ist.

        Aber wenn Sie sagen, die Gestaltung hätte jemand anderes gemacht, heißt es wohl – den Verlag fragen. Leider bekommt man dabei selten Antwort.

        Trotzdem: Danke!

        1. NIEMALS

          Zur Meta passt das N überhaupt nicht, zu den Franklin weder das S noch das M und so weiter und so fort. Das S wäre in einigen Fällen noch auf die Art wie am Bild zu beschneiden gewesen, aber insgesamt fällt mir dazu nichts ein, außer den Verlag belästigen zu versuchen. Zum Glück hängt mein Leben aber nicht davon ab, es zu wissen od. nicht.

          Was ich als Außenseiter über Fonts gelernt habe, ist, dass wer die Lehrmeinung missachtet, unweigerlich zu ihr hinfindet – irgendwann. Tatsächlich sind die meisten guten Schriftarten schon sehr alt und die meisten neuen Geld- wie Zeitverschwendung. Glücklich ist, wer sich Corporate Fonts leisten kann.

    2. Erik Spiekermann

      Den Umschlag habe ich nicht entworfen, auf dem Schmutztitel ist es Franklin Gothic Condensed

    1. Noch ein Versuch:

      »Ivan Chermayeff studied at Harvard University, the Institute of Design in Chicago, and graduated from Yale University, School of Art and Architecture.«

    2. Das rote o im Wort

      Mobil sieht wegen der Farbe etwas kleiner aus. Absicht?

  2. Oh, Gott, was ich beim Eintrag meiner sechs Artikel miterleben musste!

    »… you don’t have to believe everything you read. That goes for books, magazines, everything. So you check different sources. Wikipedia is a good start but not infallible.«

    Darum sage ich: Nein! Und wenn, dann für sehr bewusste Leser. Aber eine kleine Erfahrung diesbezüglich hast du ja auch hier wo angemerkt, indem du, ich glaube, eine Dame war’s, ihr gegenüber sogar ein Todesdatum (Adrian Frutigers!) hast berichtigen müssen. Weitere solche Datierungsfehler sind mir seither aufgefallen. Und wie soll man das große Ganze glauben können, wenn’s schon bei solchen Nichtigkeiten hapert?

    1. Und, ja, ich

      benutze es trotzdem manchmal, aber eben ganz bewusst anders und weitaus kritischer als die meisten.

      Grüße nach San Francisco!

  3. Sein letztes Buch …

    Das ist allerdings ungünstig formuliert. Wir hoffen nämlich auf weitere, weil er zum Glück noch am Leben ist. Außer Wikipedia hinkt hinterher: Und das wiederum wünschen wir dem Autor nicht! Niemals

    1. Erik Spiekermann

      Das stimmt. Doofe Formulierung, sollte ich eigentlich besser wissen.

    1. K. E.

      Nach vielen E-Mails und Streitigkeiten bezüglich uneinheitlicher i-Punkte sowie der verschiedenen Höhen dieser innerhalb eines Fonts, aber ganz arg von einem zum anderen Schnitt, hat sich seither viel getan: sehr vieles, auch die Stammstärken des SZ, die fürchterlich gewesen sind, sind ausgebessert worden.

      Nach der, wie ich meine, wenig ernst gemeinten Anfrage, ob es noch Fehler gäbe und meiner schlimmen Antwort, die soviel zusätzliche Arbeit bedeutete, hat sich die übliche alte Faulheit eingestellt, besser nicht mehr am Font zu arbeiten, was doch öffentlich gemacht werden muss – von meiner Seite.

      Schließlich ärgern mich diese dilettantischen Schludrigkeiten der Fontdesigner weltweit seit langem. Dass man einen sonst guten Font unter der Faulheit seiner Verkäufer leiden lässt und die Kunden mit ihm, wird mir immer unverständlich bleiben.

      Ob man eine Site eröffnen könnte und sollte – ungestraft –, auf der man diejenigen Fonts begründet auflistet, die man nicht kaufen sollte? Aber rechtlich sieht es heute ja leider zunehmend so aus, dass man den Kunden bescheißen darf, ohne dass der sich dazu ungesühnt äußern darf, weil er dann als geschäftsschädigend verfolgt werden darf – der Geschändete.

      So wird der Ermordete zum Täter!

      1. Auch hierzu habe ich viel tun können:

        https://www.fontspring.com/fonts/letritas/molde Als ich aufs Kernig gekommen bin, hat es geheißen, dass dies ein Megaprojekt sei … Aber was genau das auf die weitere Entwicklung bezogen bedeutet, ist offen geblieben. Schade eigentlich; oder nicht!?

        1. Aber die gut ausgebaute Helvetica,

          die Sie in Ihrem Buch so loben, dürfte damit schnittmäßig weit überboten worden sein.

    2. Erik Spiekermann

      meistens fängt man mit einer Schrägstellung an und korrigiert dann die schlimmsten Verzerrungen

  4. Curd

    Ja? Aber, was würde dadurch besser? Studien belegen, dass Frauen wesentlich mehr streiten als Männer. Der Mann ginge nach einem Angriff während der Arbeit sogar zusammen ein Bier trinken. Frauen seien demnach Monate zerstritten.

    Männer vertrügen sich auch besser, weil sie mit der Wahrheit nicht so raus platzen wie Frauen. Nach den Aussagen der Wissenschaftler würden sie mit beleidigenden Aussagen zurückhaltender umgehen.

    Aussage eins oben behauptet, dass Männer nicht die Person ansprechen, wenn’s Zoffsituationen gäbe, sondern die Position im Unternehmen, weshalb das Bier danach noch möglich ist. Hier gibt es offensichtlich eine Trennung im Gedankengut, hehe.

    1. Ups, hab den Grund irgendwie verloren. Hier:

      “… ‘The time is right’—a startup wants to get 100 progressive women elected to Congress …”

  5. Curd

    »… Der dritte wichtige Punkt behandelt die Länge der Zeilen. Stellen Sie sich eine Tageszeitung vor, die nicht in fünf bis sieben Spalten aufgeteilt, sondern in ihrer ganzen Breite durchlaufend bedruckt wäre: Sie würden sie gleich wieder weglegen. Umgekehrt wären in einem Buch von gängigem Format bei sieben Spalten die Zeilen zu kurz …«

    Ist dann wohl alles nur Psychologie? Kann’s mir sonst nicht erklären.

        1. PDF: Ermunterung zum Plagiatekauf

          Die Aufforderung zum Kauf der Franzis Verlag-CD empfehle ich allerdings nicht.
          Die hat mich erst dazu gebracht, dass ich begonnen habe bessere Fonts zu erwerben: schließlich sind die Fonts auf der CD großteils in ihrer Form schlicht kaputt zu nennen und Franzis ist nicht bereit die Linien ausbessern zu lassen. Dasselbe gilt für Softmaker und Scangraphic, die großteils wahren Schrott anbieten.

          Und Schrott bleibt Schrott; eine unbrauchbare Schrift bleibt auch dann unbrauchbar, wenn sie nur 1 Eurocent kostet, basta. – Das möchte ich als absoluter Privatier festgestellt wissen!

          1. Petra Gnam

            Schrott bekommst du aber auch von URW zuhauf. Da wird unfertiges Zeugs angeboten, dass die Schwarten krachen, sich die Balken biegen. Scheint das neue Geschäftsmodell der Deutschen zu sein: Betrug am Kunden wie die Autoindustrie eindrücklich gezeigt hat.

            Die kapieren es in den holen Dummköpfen einfach nicht, dass der erste Kaut dann auch der letzte gewesen sein wird. Besonders bei den Schriften, die keine mobilen Emotionen als Begünstigung haben.

  6. Gert Gurke über Font-Designer

    Don’t be lazy,
    work on it!

    1. Ein schönes Lied:

      Jeder merkt es erst, wenn das Leben ausläuft! (bez. auf d. Inh.!)

    1. KEA

      Sometimes I talk with myself
      then we both lough.

    1. Sehe gerade, dass sich einige Glyphen

      bei der Body-Variante doch unterscheiden. Das a zum Beispiel. Trotzdem: Ist das mit dem Kerning nicht unüblich?

    2. Erik Spiekermann

      solche Kopien kommentiere ich nicht.

          1. Hans Wunderlich

            Eine unschöne Zerrupfung der Schrift; aber wenn’s gekauft wird: wieso nicht?!

  7. Was es nicht so alles gibt: Auf welcher Kugel bin ich da gelandet?

    Welche Schriftarten verwenden Sie auf folgender Uhr: http://www.carl-f-bucherer.com/sites/default/files/2016-03/00_10919_03_13_01_up.jpg ? Gefragt sind die Fonts der Ziffern und der Schriftzüge „CARL F. BUCHERER“, „LUCERNE 1888 “, „CHRONOGRAPH FLYBACK“ sowie des Schriftzuges „TACHYMETER“. Ich finde das wahnsinnig gelungen und frage mich, ob diese Fonts von Erik Spiekermann exklusiv für Sie gestaltet worden sind oder ob es Schriftarten sind, die keine Corporate Fonts sind.

    Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort

    Sehr geehrter Herr …

    Es freut uns zu hören, dass Ihnen die Schriften auf dem Zifferblatt unserer Manero Flyback gefallen.

    Über Details zu den von uns verwendeten Schriften geben wir eigentlich keine Auskunft. Ich kann Ihnen jedoch mitteilen, dass wir häufig mit Schriften arbeiten, die extra für uns entwickelt oder angepasst werden. Der Name Erik Spiekermann ist uns nicht bekannt.

    Freundliche Grüsse
    _____________________________

    DANIELA BLÄTTLER
    Product Development, CARL F. BUCHERER, Bucherer AG

    Vielen Dank für Ihre Auskunft. Aber dieser Name ist sogar Karl Lagerfeld bekannt und Ihnen auch: http://de.metadesign.com

    https://www.edenspiekermann.com

    1. Das würd’ mich freun:

      erik spiekermann @espiekermann 10. Sep.

      When something works, it’s invisible. When it’s invisible, people don’t believe a professional put effort in it. Until an amateur does it.

      Das wär schön, is’ aber nicht, hehe. Nur ein Profi (Typograph), bestenfalls noch ein Halbprofi (Grafiker) würde es bemerken. Ein Laie ist auch bei Side-by-side-Vergleichen noch von der Gleichwertigkeit überzeugt. Kann leider nur wissen, wer täglich auch mit dem Ottonormalo zu tun hat.

      1. Gert G. soll einmal geschrieben haben:

        Nichts ist morgen verfälschter als deine Meinung von heute.

  8. Paranoia

    Komisch, dass
    immer mehr
    Leute über Zeit-
    verlust klagen,
    aber trotzdem
    in den sozialen
    Medien abhängen.

    Schwarzenegger,
    Trump … Wieso
    genießt man nicht
    lieber die letzten
    Stunden eines ohne-
    hin viel zu kurzen
    Lebens?

  9. Simo…, Bied… und Konsorten sei Dank!

    Typographie mag nicht tödlich sein, aber die meisten Font-Designer sind es. Ein Katastrophenberuf, wenn man ihn mit den Qualitäten eigentlicher Handwerker vergleicht. Da tümmelt sich wohl der Abschaum der Unqualifizierten eine Einkommensquelle zusammen.

      1. erik

        Von der Rotis ist hier fast nur das e übrig und das hätte in der Baskerville auch besser ausgesehen.

        1. KEA

          Der Inhaber der Firma ist ein Jugendfreund. Vor einiger Zeit hat seine Mutter versucht, mein Interesse zu wecken, sodass ich wieder Kontakt aufnähme. Aufgrund seines Aufstiegs hab ich mich dagegen entschieden, weil ich mich als volkswirtschaftlich Ausgebildeter nicht mit betriebswirtschaftlich Ausgebildeten duellieren möchte: wir können niemals auch nur annähernd einer Meinung sein.

          Deshalb haben wir uns vor 29 Jahren auch aus den Augen verloren als Alfred auswanderte, um an der SMU in Dallas zu studieren. Vielleicht sollte ich doch noch mal umschwenken, um das CD zu verbessern, indem ich Freddy eine Empfehlung gebe? Aber wahrscheinlich hört man als grafisch Unwissender diesbezüglich nicht auf Vorschläge, wenn der Umsatz mal in die Nähe der “billion $” gestiegen ist. So ’ne Milliarde macht meistens taub. Oder sind Ihre Erfahrungen anders?

          1. Einfach zu prüfen:

            Man erkunde die Herkunft des Inhabers und vergleiche den Jungwohnort mit der IP-Adresse des Posters.

      1. erik

        liegt an der Unschärfe, die durch das Hin- und Her der Dateienformate entstand

        1. 05.07.27 – 16.07.17 Cornuda

          05.07.17 – 16.07.17 Cornuda = falsch im Kalender eingetragen!

  10. Der Müllmann

    Aber es muss doch niemand etwas kaufen! Wer bereit ist, für Qualität mehr zu bezahlen, findet auch gute Schriften. Aber leider wollen die meisten Kunden alles zum Sparpreis. (Erik Spiekermann)

    Tja, und wer produziert solche noch? Fehlerfrei meine ich.

          1. Seien wir froh darüber,

            dass es die unteren Varianten gibt!

        1. Erich

          Cardamon & Between 3. Zweitere und die Real, besonders in ihren Kursiven, sind die in letzter Zeit wohl best gelösten Fonts, die man am Markt als Neuausgaben erhalten kann. Die Fonts, die auf den Bildern oben zu finden sind, sind das genaue Gegenteil davon.

      1. KEA

        Das ẞ wirkt eindeutig zu klein. Vermutlich, weil es rechts oben zu stark eingezogen worden ist. Dagegen hätte man sich wahrscheinlich den Trick leisten müssen, die absolute Höhe zu erhöhen.

        SAECILIA Sans ist dagegen allerdings ein Negativbeispiel: Da hat man wohl ein bisschen arg übertrieben. Bieder hat’s untertrieben, weil unterschätzt. Aber mit dem ẞ kommen die Wenigsten klar.

    1. B.

      Ein höherer Preis muss noch lange keine Qualität ausdrücken.

    1. Damit mich keiner falsch versteht:

      Das meine ich auch gegen den möglichen persönlichen Vorteil, der durch solche Angebote ermöglicht würde, weil: Ich lehne ab, bin dagegen und werde es – wie immer – nicht verhindern können.

      Nur breiter Konsens gegen die eigene Gier würde dagegen ankommen. Den gibt es aber nicht. Umso verwunderlicher, da selbst keiner von Lohndumping betroffen sein möchte. Und genau diese Kunden dumpen massiv die anderen. Die wohlgemerkt, die hart arbeiten. Und das ist kein dämlich aufwiegelnder Regierungsspruch wie er vom österr. Minister namens Kurz, der selbst nie gearbeitet hat, ja, nicht einmal eine Ausbildung vorzuweisen hat, vorangetrieben wird, um unter den Leuten Missgunst und nichts als Missgunst zu erzeugen.

      Euer
      Hartmut Hartlieb

  11. H. Rosenfeld

    Ich finde die Schriftstile sehr gelungen. Weniger gelungen, aber nix anderes ist man von der Monotypemonopolagglomeration gewohnt, ist das Marketing:

    „Wenn Marketing nur noch zum Ziel hat, mehr und mehr Absatz zu erlangen, dabei den Kundenkontakt und die Qualität am Produkt aus den Augen verliert, so ist das Wort längst zu jener hohlen Phrase mutiert, die heute von Pseudostudiumabsolventen zur hoffentlich nur unbewussten Schädigung ihrer gleichgültig gewordenen Dienstgeber Unternehmen als Möchtegernalleinstellungsmerkmal zum Eigennutz aus totaler Selbstüberschätzung hochgehalten wird. (Kurt Egger)

      1. … it’s little quirks become visible only at large sizes, which might be desirable, as they will add a little live to your pages …

        steht auf Seite 87 in Eriks’ Buch namens »Stop Stealing Sheep & find out how type works«. Die verlinkte Site zeigt einige Schnitte, die mich daran erinnert haben. Nur, dass es auf angeführter Seite um die ITC Bodoni ging.

      2. Curd

        … it’s little quirks become visible only at large sizes, which might be desirable, as they will add a little live to your pages …

        steht auf Seite 87 in Eriks’ Buch namens »Stop Stealing Sheep & find out how type works«. Die verlinkte Site zeigt einige Schnitte, die mich daran erinnert haben. Nur, dass es auf angeführter Seite um die ITC Bodoni ging.

  12. Zurück zur Basis: Warum das Alte wieder Neu zu werden hat,

    das zeigt dieser Link: https://www.linotype.com/de/catalog/promotions.html?PHPSESSID=db79ac496030ff112a291628f4250a7d – Schließlich wird hier horrible Qualität angeboten. Wahnsinn!

    Und alles nicht strafbar. Bin dafür, dass man solcherart Konzerne massiv unter gerichtlichen Druck setzt, die ihre Kunden mittels Schrott in Probleme bringen, weil der Umsatz und Gewinn über allem steht. Massiv strafbar; Gefängnis für Schrottanbieter ist längst gefordert!

    1. Dass Mono- und Linotype

      so weit gefallen sind, und das als Monopolisten, ist schon mehr als strafverdächtig. Prolitik, ups, funktioniert ganz offensichtlich nicht mehr; auch nicht bezüglich der Monopolgesetze.

    2. erik

      Aber es muss doch niemand etwas kaufen! Wer bereit ist, für Qualität mehr zu bezahlen, findet auch gute Schriften. Aber leider wollen die meisten Kunden alles zum Sparpreis.

      1. Offensichtlich bin ich anders geschnitzt:

        Sie haben schon recht, dass niemand etwas kaufen muss; aber die meisten Käufer haben keine Ahnung, was sie da kaufen. Ich habe selbst weit über 1000 Schriften lizensiert und das ist teuer gewesen.

        Im Laufe der Zeit, denke ich zumindest, habe ich gelernt zu wissen, welche gut sind und welche weniger. Klar haben sie verschiedene Funktionen zu erfüllen, aber wenn verschiedene Zeichen der vor-, nein, der angegebenen Spracherweiterungen nicht vorhanden sind oder verkehrt – wie es sehr oft bei den Anführungszeichen vorkommt – gezeichnet sind, dann ist das Irreführung des Kunden. Von solchen Designern kaufe ich weitere Fonts nur, wenn sie bereit sind, wie zum Beispiel René Bieder, dies zu ändern. Die meisten sind zu faul dazu, was arg ist, wenn man dann die Fonts auch noch in den Bestsellerlisten findet und/oder im TV – wie Intro und Nexa (Svetoslav Simov), die nie ganz korrigiert worden sind; zu bequem kann man auch sowas los werden wie mir scheint.

        Bieder hat allerdings den Fehler gemacht, zu fragen, wer ich denn überhaupt sei. Nach zweijähriger Arbeit auch mit seinen Fonts (und erst nach dieser Zeit wohlgemerkt), die er immer geändert hat, wenn ich was zu mokieren hatte, dachte ich, ich könne es ihm bedenkenlos erklären. Daraufhin brach er den Kontakt zu seines Ungunsten ab.

        Auf den Kauf wird er locker verzichten können, weil ich nur eine Teilmenge einer Teilmenge seiner Käufer ausmache, aber er irrt insofern, dass ihm alle Änderungen immer willkommen gewesen sind. Und jetzt, da er weiß, dass ich kein Fontdesignstudierter bin, ist plötzlich alles schlecht? Wieso hat er die Fehler dann nicht zurück korrigiert? Hehe, der geistige Wahnsinn von Menschen folgt wohl seinen eigenen Verlauf! Was schlimmer wiegt ist aber, dass er nach einigen Fragen der geistigen Eigenenthauptung erlegen ist, dass es sich immer um dieselben Fehler handele, die er nun ja wisse. Dies ist leider nicht der Fall, was er wissen müsste, da auch er ständig andere Fehler machte. Gut für ihn, dass diese ab nun unentdeckt bleiben? Störte auch der Umstand, den er damit erfragte, ob ich gegen einen Obolus arbeiten würde und ich das verneinte: Tja, nicht jeder ist für Geld zu haben!

        Aber egal, da sind noch Fagen, Sommaruga, Vergara, Gladkikh, Worthington, Kirkwood, Dooley, Willson, Donaldson und etliche andere, die dem Wahn nicht erlegen sind und die weiter vom Nichtobolus profitieren können und es auch tun. Nach diesen dreckigen Erfahrungen garantiere ich, dass ich die neuerliche Frage darauf auch gar nicht mehr beantworten würde. Schließlich habe ich ihn sogar mit einem anderen Designer zusammengeführt, den er nicht kannte und deren Zusammenarbeit offenbar funktioniert. Wenn mich solcherart Wahn nicht störte, würde meine persönliche Störung nicht die sein, die meinem Leben eigen ist, sondern eine psychisch krankhaftere …

        Zurück zum wichtigeren Kern (wichtiger in meinem Sinn ist immer, was der Allgemeinheit nützt), der wohl im ersten und teilweise auch im zweiten Absatz zu finden ist: der Irreführung des Kunden. Ich kann vom Käufer eines Autos nicht erwarten, dass er weiß, dass die Pleuelstangenlagerung eines Autos mies gelagert ist und früh zum Schaden führt. Oder, dass die Abgaswerte gefaket sind, wie es neulich überall herausposaunte. Beim Wissen um einen Font sehe ich dies bezüglich der Allgemeinheit als noch weniger offensichtlich. Leider gibt es keine Kontrollen mehr diesbezüglich wie die verlinkte Site erkennen lässt, was ich im Austausch mit den Verkaufsblogs und Foundries auch bestätigen kann und muss. Und das ist schlimm. Wenn Sie früher das Kerning händisch nachkorrigieren mussten, ist das nur verständlich. Bei der heutigen Technik ist es aber ein sehr übler Fauxpas, dies dem Kunden abzuverlangen. Dagegen müssten Sanktionen her, die die gierigen Verkäufer aber nicht akzeptieren wollen, weil der Obolus mehr wiegt als die Qualität.

        Zum Preis: Ja, das sehe ich ähnlich, aber unterschiedlich im Punkt Sparpreis, weil der nur bezüglich der Ausstattung legitim zu sein hat. Die Qualität (Kerning, richtige Zeichen et cetera) muss auch beim Günstigprodukt stimmen, damit es nicht zum Billig- beziehungsweise zum Schrottprodukt mutiert, welche in Blogs von Monotype und Linotype nicht bedenkenlos und unmarkiert angeboten werden sollten. Im »Font Shop« schon gar nicht (auch hier seit der 13 Mio.-Übernahme Schrott an Schrott gereiht), weil er seinen ehemaligen Status verliert, nein, zwangsverliert, weil ja der Monopolist Monotype dahinter steckt.

        Dass ausgerechnet ich mich darüber aufrege und nicht die Fachleute, ist ganz besonders schlimm.

        1. Habe mich dazu entschlossen:

          Kaufe nur noch Qualitätsfonts mit großen Zeichensätzen wie Ihre Real Text, die ich gerade erworben habe. Die Display folgt bald, obwohl man sich den fast gleichen Satz durchwegs ersparen könnte, auch, weil ich ja nur Privatanwender bin.

          Aber ein paar mal im Leben sollte man sich auch mal über einen guten Kauf freuen dürfen. Die alten, wenn man sie so bezeichnen sollte, Designer, etabliert ist damit salopperweise gemeint, haben eben doch ein ganz anderes Format. Das liegt wohl daran, dass sie offenherziger an die Sache rangegangen sind, als dies heutzutage der Fall ist.

          Wir werden immer mehr zur verkommenen Gesellschaft. Schade!

        2. Sonst interpretiert man das Allgemeine in Bieder hinein, was so nicht gemeint ist:

          Hehe, der geistige Wahnsinn von Menschen folgt wohl seinen eigenen Verlauf! – Neu: Hehe, der geistige Wahnsinn von Menschen folgt wohl seinem eigenen Verlauf!

      2. Man kann schlechte Fonts auch teuer verkaufen, das ist das Problem, aber gegensätzlich gilt:

        Ein Sparpreis sind auch die 199 € für den Satz der Real Text und – Head-Familie. Ist die Superfamilie deswegen schlecht? Na, sehen Sie!

      3. .

        Es sind übrigens die Angebote unten links gemeint gewesen, nicht die oben rechts, die ja meistens die Guten sind.

      4. Kurt

        Oh, unbedingt ein Favicon einfügen, damit man Sie besser erkennen kann!

  13. A few weeks ago Robin Nicholas officially and quietly retired. Modest, inspiring, a true gent and mentor for many.

    Am ruhigsten und bescheidensten zurückgezogen hatte sich wohl der deutsche Werbetexter Uwe Neumann, der über Jahrzehnte für Smarties, Weißer Riese, DB … und viele, viele mehr verantwortlich zeigte.

    Während seiner aktiven Zeit, aber auch darüber hinaus, hat er Fernunterricht an einige Wenige gegeben, die sich für das Fach interessierten. Das wäre auch von Type-Designer-Seite wünschenswert.

    Als er in den Ruhestand ging und den Seinen, wie er es benannte, keine Last sein wollte, entschied er sich fürs „Augustinum“, für das er weit über 10 Jahre hinweg ein Blog mit Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart füllte, die dem geneigten Leser die Welt erklärten, was er auch als Buch bei BOD erscheinen ließ. Seine Bücher davor, die in Wirtschaftsverlagen erschienen sind, sind wohl die letzte Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die erhalten geblieben ist.

    Ein Jahr nach Uwe Neumanns’ Ableben wurde das Blog akribisch entfernt, was wohl, wie ich ihn kannte, von ihm angeordnet worden sein dürfte: Uwe Neumann hat alle Verbindungen zu seinem ehemaligen Sein abgebrochen und entfernen lassen. Auch Wikipedia-Einträge, die ich vorgenommen hatte und die über Jahre bestanden haben, sind der Vergangenheit zuzuordnen.

    Dabei dachte ich immer: Was im Netz ist, währet ewig.

  14. Petition unterzeichnen leider nicht möglich: zuviel Datenhierarchie!

    Weil es längst Zeit geworden ist, dass der Mensch etwas tut, was weit über den Erhalt jeder Summe Geldes hinaus geht. Sich um den einzigen Wert kümmern, den er in seiner kleingeistigen Welt hat: die eigene Gesundheit!

    Möglich, das scheint ihm kaum bekannt und wenn, dann nicht bewusst, wird das nur, durch den Erhalt der Umwelt und ihrer Vielfältigkeit.

    Funktioniert dies weiterhin wie bisher, wird man das alles zerstörende Geldsystem und den Kampf um dieses Ungut den Gierigen verwehren müssen.

    Kein Geld, kein Kampf; kein Kampf, kein Krieg; kein Krieg: Zeit für das Gute in uns!

    1. Bella Sorella

      Ja, worin liegt denn nun der Unterschied?

  15. https://twitter.com/espiekermann

    Twitter. Ein von mir unverstandenes Gezwitscher. Oder heißt es getZwitscher, hehe? Schön, dass Sie da noch mithalten wollen. Ich bin um einiges jünger, aber das tue ich mir nicht auch noch an. Kenn mich da null aus.

  16. Curd

    Es gibt Milliarden Wahrheiten, aber nur eine Wirklichkeit.

    Gert Gurke

  17. Katrin Konrads

    René, mach dir nichts draus, die kriegen auch noch ihren Saft ab. Momentan stellt sich europaweit fast alles und weltweit vieles gegen die D! 🙂

    1. Dr. M. A.

      Das Problem ist, man kann Schriftdesignern tausendmal dasselbe Problem erklären, sie werden es beim nächstenmal wieder machen. Schlampigere Menschen gibt es einfach nicht: nirgends, in keinem Beruf.

      Erik ist wohl der letzte noch lebende wirklich gute Designer. Vielleicht noch dieser Akira Kobayashi der einen hoffen lässt und Frank Eduard Blokland.

      1. Benno B.

        Aber R. B…ders Fonts sind nicht alleine betroffen, um das gleich einmal aufzuklären: https://drive.google.com/open?id=0Bz7eeV9gs-JVU01lQUpvTWQ2RFE – Die, ach, so renommierten sind keinen Deut besser.

        Die f-Kollision ist dabei noch das geringste Übel. Schlimmer ist diese Uneinheitlichkeit der Anführungszeichen, einmal eckig, ein andermal gerundet, und bei den dünnen Schnitten unverhältnismäßig weit auseinander.

        Würde ein Tischler, ein Schlosser, ein Schweißer … solche schändlichen Scherze erlauben, die würden nicht ein einziges Produkt verkaufen.

        Dass das bei Fonts anders ist, zeigt überhaupt erst die Blindheit der Käufer und die Unverfrorenheit der Designer an.

        1. B. B., nein, nicht King!

          Auch fällt auf, dass die Abstände einiger AZ oft beim öffnenden enger sind als beim schließenden, und dass sie bei der Kursiv im Auslauf abgeschrägt sind, beim normalen Schnitt aber spitz auslaufen.

          Ob’s nicht besser umgekehrt wäre? Wenn ich davon ausgehe, dass die Kursiven vom Handgeschriebenen herrühren, dann meine ich: Ja!

          Sogar wenn ich daran denke, dass die kursiven Schnitte dynamischer wirken und davon zu laufen scheinen, würde ich »Ja« sagen. Oder schafft jemand mit ’ner Feder solchen Auslauf? Als unstudierter Nichtdesigner meine ich: Nein! gerade mit der Feder würde der Auslauf verlaufend dünner werden.

          Vielleicht liegt es aber nur daran, dass ich ein Nichtdesigner bin.

  18. René Bie… hat mich erfahren lassen,

    dass der gestörteste Mensch der ist, der fragt, was du gelernt hast und nicht was du kannst. Aber ich stelle zunehmend fest, dass diese äußerst arge Dummheit nur in der Natur deutschsprachiger Völker liegt.

    Laut Meinung dieses Designers dürfte auch Erik S. keine Erfahrung im Typdesign haben. 🙂

    1. Smiley verschwindet? Hier auch?

      … dieses Designers dürfte auch Erik S. keine Erfahrung im Type Design haben. 🙂

    2. B.

      Das Hirn spielt einem ein Leben lang recht üble Streiche.

      1. Gert Gurke

        soll folgenden Satz veröffentlicht haben:

        Es gibt Milliarden Wahrheiten, aber nur eine Wirklichkeit.

        Und beides hat nichts miteinander zu tun. Grüße von Curd

    1. Die FIRA nachfolgend! Sie ist massiv ausgebaut worden, Chevrons wurden korrigiert, das große SZ ist nun in jedem Schnitt:

      https://github.com/carrois/Fira/ – Nur fehlen bei der Condensed nun die Schnitte Ultra und Ultra Italic.

      1. Der Kanalmann

        «Sorry, but these are reproductions of reproductions.» erik

        Wieso “Sorry”? Sind Sie nicht zufrieden mit den Fremdeingriffen? Mir gefällt* der Font, aber ich bin weder Designer noch Font-Designer (Typograph) und schon gar nicht ein genialer Herr Spiekermann.

        * Hätte ich den (die Fira) früher entdeckt, würde ich mir tausende Euros erspart haben, die ich auf der Suche nach einem Font, den ich gerne täglich benutze, (oft) sinnlos ausgegeben habe. Bei den meisten habe ich oft monatelang daran arbeiten müssen, dass die gröbsten Fehler (für alle auch künftigen Kunden) ausgebessert worden sind.

        Die Fira hat kaum welche gehabt, außer einigen unannehmbaren Fehlern bei den Chevrons, Guillemets und Anführungszeichen, die nun aber auch ausgebessert worden sind.

        Sogar die mir so wichtige Glyphe ẞ ist hinzugefügt worden und die Familie um die Compressed-Variante erweitert worden.

    2. Vorsicht, meine Freunde, die Welt ist anders als ihr denkt!

      Wir rutschen immer weiter in ein tiefes Loch, das wohl Jahrzehnte nicht zu schließen sein wird, weshalb ich all denen, die noch ein bisschen Aufmerksamkeit besitzen diese Kuriosität anbieten möchte, damit sie vielleicht ihr kleines Vermögen noch in Sicherheit bringen mögen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ob viele von uns danach einen günstigen Schnitt um 80 € noch leisten können werden? Wenn wir blind dahin leben, dann denke ich: NEIN! Nicht einmal mehr das wird vielen möglich sein.

    1. erik

      Keine Ahnung, wohl ein Fehler. Ich mache für meine Schriften nie das große scharfe S, weil ich es doof und überflüssig finde. Aber Fira ist auf Github offen für jeden, der was ändern will.

      1. Der Kanalmann

        Ja, leider habe ich diese Fähigkeiten nicht. Hätte ich sie, würde ich trotzdem nicht in den Font eingreifen, es ist ihre Leistung und die Ihres Teams.

        Schade, dass Sie sich noch immer nicht mit dem SZ od. SS, wer weiß das schon, haben anfreunden können. Ich liebe es und kaufe seit einigen Monaten keine Schrift mehr, die es nicht beinhaltet.

        Das große scharfe Es-Projekt läuft – so viel ich weiß – seit Ende 2007, ist 2008 international in die Unicode-Zeichensätze aufgenommen worden und ist, wie ich irgendwo gelesen habe, heuer in die deutsche amtliche Schreibung übernommen bzw. eingegliedert worden.

        Tja, der Kanalmann weiß wahrscheinlich etwas, was nicht einmal Lehrer wissen. Die schimpfen mich immer dumm, wenn ich einen kennen lerne, was ja in den Kneipen der Großstatt vorkommt, und ich ihm vom ẞ erzähle.

        Außerdem müsste es für Sie ja Herausforderung sein, ein ẞ schön zu formen. Viele sind eher das Gegenteil davon. Aber, was mir aufgefallen ist, gerade die Deutschen Designer meiden es, die ausländischen ja nicht – zum Glück.

      1. Euer Kanalmann

        Komisch, aber mit diesem Problem habe offensichtlich alle Designer Probleme. Unterrichtet man das an den Unis nicht? Oder sind die im Verkaufsrausch einfach nur alle schlampig geworden?

        Oft stelle ich mir auch die Frage, weshalb Kunden solche Fehler, manchmal über Jahre hinweg, nicht bemerken. Sind die alle blind und die Designer auch? Würde ich meine Arbeit im Kanal ähnlich übel ausführen, sähen eure Städte bald ganz anders aus.

        Tragisch finde ich manchmal die Angriffe, kennt mich einer noch nicht, die auf mich herein prasseln, wenn ich solcherart Fehler aufdecke. Ist man mich mal gewöhnt, beginnen viele sogar konkret um Durchsicht ihrer neuen Fonts nachzufragen. Tja, schade: Sie verdienen (hoffentlich genug zum Leben!) daran, ich habe nur Arbeit damit, aber wenigstens Spaß daran.

        Schön auch, wenn einige davon zu Weihnachten und zum Neuen Jahr gratulieren – von sich aus; dann weiß ich, dass meine Arbeit doch nicht umsonst gewesen ist, sonder nur kostenfrei.

        Solcherart Durchsagen von Verkaufsblogs finde ich dann auch gut, weil meine Lästigkeit bewirkt hat, dass alle davon profitieren:

        »Hi …,

        The foundry has submitted an update for Corporative Sans and Corporative Sans Rounded fixing:

        – Issue with these quotation marks was fixed: guillemotleft, guilsinglleft, quotedblleft, quotedblbase.
        – Issue with chevrons was fixed.

        Can you take a look and see if everything was address properly.«

        Ich werde, wenn ich mal wieder etwas Luft habe, ums in eurem Deutsch und salopp zu sagen, einen Upload durchführen und hierher verlinken, sodass man sich einen Überblick machen kann, was Kleinigkeiten oft ausgeben.

        Jetzt bin ich richtig zufrieden mit den Fonts. Und die Designer auch. Ob sich auch die Verkaufsblogbetreiber manchmal Gedanken darüber machen bezüglich der Tatsache, dass sie nicht selbst dahinter stehen? – Ist schließlich ihr Einkommen mehr als das der Designer, die hier meistens sogar weit unterbezahlt werden.

        Tja, das ist eben dieser üble Kapitalismus pur! – Wann wird mal ein kluger Kopf dem den Garaus machen?

        1. Euer Kanalmann

          Zwei „n“ liefere ich hiermit nach: n, n! – Scheint wohl ein Problem mit meiner Tastatur zu geben, hehe.

    1. Der Kanalmann

      Gekauft? Hehe, da behaupte noch einer, Werbung würde ihre Wirkung (in jedem Falle) verfehlen.

    1. Hallo!

      4.136,99 € für 262 Glyphen? Wie oft mag sich der verkauft haben?

    2. Linotype zeigt, warum der Preis so hoch ist, hehe:

      sonst bekommt man nämlich Linoqualität: http://cdn.myfonts.net/s/aw/original/386/0/197662.png – Solche Ecken und Kanten bei den Übergängen. Eine Katastrophe ist das, was sich diese sogenannten Foundries heutzutage leisten.

      Während einer Zeit wohlgemerkt, in der es nicht nur schwierig ist noch was los zu werden, sondern zu der es am einfachsten seit je sein sollte, Qualität anzubieten. Die Ins-Eisen-Schneider hatten es da bei weitem nicht so bequem.

  19. Icke

    Ein sehr schöner Artikel! Nur ein Wort passt nicht so ganz: “Schraubendreher”.
    Ich benutze noch immer den traditionellen Schraubenzieher. Ich benenne das gute Stück auch nicht um, wenn ich damit einmal Farbe oder Rost abkratze.
    Sind wir konsequent, so müßte der Durchschuss in Zeilenabstandshalter o.ä. umbenannt werden, weil niemand schießt. Das wollen wir doch nicht, oder?

    1. Der Kanalmann

      Ich dachte immer, der Unterschied der Formulierung läge an der geographischen Herkunft des Sprechers bzw. Schreibers. Bei uns im Süden Österreichs heißt es auch Schraubenzieher, wobei ich behaupten würde, dass die eher in Norddeutschland gebräuchliche Formulierung Schraubendreher besser passt.

      Schließlich dreht man sie hinein und eventuell wieder heraus. Aber mit dem Hineinziehen dürften die meisten Probanden so ihre Probleme bekommen.

      Fonts from a friend of mine!

      1. erik

        Ich sage und schreibe auch immer Schraubenzieher. Aber ein Kollege in der Werkstatt (gelernter Elektriker) wies mich darauf hin, dass sie in der Berufsschule das nicht sagen durften. Mir ist es egal, beides passt und stimmt.

        1. Der Kanalmann

          Sehe ich auch so; aber bei Kritik darf auch mal die andere Seite aufgezeigt werden, denke ich.

    2. Ick sitze da und esse Klops

      Ick sitze da und esse Klops,
      Uff eenmal kloppt’s.
      Ick sitze, kieke, wundre mir,
      uff eenmal is se uff de Tür.

      Nanu denk ick, ick denk nanu!
      Jetzt is se uff, erst war se zu.
      Ick geh raus und kieke.
      Und wer steht draußen?

      Icke.

      1. Ick sitze da und esse Klops

        … Ick gehe raus und kieke …

    3. Die bessere Version:

      Ick sitze da un’ esse Klops

      Ick sitze da un’ esse Klops
      uff eemal klopp’s
      Ick kieke, staune, wundre mir,
      uff eemal jeht se uff die Tür.

      Nanu, denk ick, ick denk nanu
      jetz isse uff, erscht war se zu!
      Ick jehe raus und blicke
      und wer steht draußen?

      Icke!

      1. Kurt

        Ich hab da so Gedichtbände und werd mal recherchieren, welche, und ob überhaupt eine davon, die originale Version ist, weil ich eher auf die zweite tippe, wohingegen ich glaube, dass bei dieser wiederum der Satz „Ick jehe raus und blicke“ falsch ist. Eher passt der „… Ick gehe raus und kieke …“. Ich glaube aber, Irrtum nicht ausgeschlossen, dass es heißt: … Ick jehe raus und kieke …

        Aber, wie gesagt, das muss ich erst recherchieren; und zw. tausenden Büchern, 800 über Wirtschaft, muss ich erst mal den (Gedichte-)Band finden. Somit verschiebe ich das vorerst auf einen undefinierten Zeitpunkt.

  20. Curd

    Sehr verehrter Herr Spiekermann,

    hiermit möchte an Sie eine Frage weiter reichen, die mir gestern von einem Font-Designer aus Tennessee gestellt worden ist, die ich ihm aber nicht habe mit freiem Gewissen verneinen können. Nämlich, ob man die deutschen öffnenden Anführungszeichen IMMER in Größe des Kommas zu zeichnen habe, oder ob dies nicht zwingend nötig sei.

    Zur Frage kam es, weil er seit 2012 einen Font anbietet, dessen deutsche, öffnende Anführungszeichen in allen Schnitten bezogen aufs Verhältnis zu Strichstärke und Schriftgröße anders ausgesehen haben und ich dies angeprangert habe, woraufhin er es zwar änderte, aber eben mit dieser Frage an mich. Ich bin aber kein Designer, weshalb ich Glyphentabellen eines Schnittes jeder ihrer Schriften an ihn verlinkt habe, um einen Vergleich anzustellen.

    Als Dilettant nehme ich nämlich an, dass dies vernünftige Ergebnisse ergibt, was aber eben nicht bedeutet, dass es so sein MUSS (ich habe nämlich behauptet, das es ein Muss nicht gibt, schon aber Empfehlungen, die meinerseits da jene wären, sich bei Leseschriften an die Vergleichslinks zu halten, bei reinen Schnörkelfonts aber auch Abweichungen akzeptabel seien). Ich kann es jedoch nur vermuten und niemals wissen.

    Sie dürfen auch, wenn Sie das möchten, auf die E-Mail-Adresse antworten. Der Nachteil aber wäre, dass die Antwort anderen fehlen würde. Und ich bin immer auf die Information aller ausgerichtet, weshalb ich nicht nur gespannt auf diese Antwort warte (ob hier oder als Mail ist fast egal), sondern Ihnen dafür auch im Namen aller, die daraus Nutzen ziehen, sei es der Verkaufende Designer oder der unbewusst profitierende Kunde, danke.

    Sie könnten auch beides in Erwägung ziehen, sodass ich den Namen des Fonts aufdecken kann, was ich diesmal nicht öffentlich mache, da der betroffene Designer bisher immer sofort reagiert hab, wenn ich einen Fehler gefunden habe. Nur die faulen mache ich öffentlich, in der Hoffnung, dass das zu erzwungen besseren Ergebnissen führt, obwohl richtig faul ist jemand, der so etwas extremes zeichnet wie einen Schriftsatz, wohl nie.

    Trotzdem ärgert es mich, wenn in letzter Konsequenz das, ich nenne es mal: Design hängen gelassen wird. Wozu habe ich es dann begonnen? Aber auf diese Weise habe ich, und das ist komisch, in den letzen Jahren, nachweisbar zur Verbesserung einiger Dutzend Fonts beigetragen, was von mir (auch in angeschriebener Austestung der Richtigkeit nach der Korrektur) hunderte Stunden unbezahlter Arbeit (ich nenne sie gemeinnützige Tätigkeit!) abverlangt hat.

    Traurig macht mich dann nur, wenn ich von den verkaufenden Blogs, die ja alle schon zum selben Kartell gehören, wie Ihr ehemals gegründeter Blog, der allerdings auch nicht frei von solchen Schriften ist, die Antwort erhalte, dass Leute mit solchen Augen wie ich, besser die Finger von Fonts dieses oder jenes Designers lassen solle, während der (oft) Schrott weiter an die Leute gebracht wird.

    Und dagegen hab’ ich viel: sehr viel sogar.

    Freundlich
    Ich

    1. Diese Fehler möchte ich hingegen anderer Kleinigkeiten doch korrigiert wissen:

      … möchte ich an Sie eine Frage … reagiert hat …

  21. Der Kanalmann

    Im englischsprachigen Teil haben Sie geschrieben, dass Sie, würden Sie noch einmal starten können, sich auf eine Maschine konzentrieren würden. Welche wäre das? Und wo kann man solche bekommen?

    Auch interessant zu wissen wäre, wenn man so eine Maschine kauft, welche Teile meistens kaputt sind, weil ich so von außen betrachtet eigentlich kein Teil sehen kann, welches ich nicht selbst herstellen könnte.

    Wälzlager würden solche Teile sein, Gleitlager kann man selbst erzeugen und das sehr gut sogar. Kein Problem, wenn Fräs-, Drehmaschine und ein Satz guter Feilen vorhanden sind.

  22. Der Kanalmann

    Es ist immer wieder beeindruckend, dass Herr Spiekermann ständig an solche Pressen kommt und in welchen Zustand er sie bringt. Ein teures, aber tolles Hobby.

    Wenn ich dann auch noch all die Euphorie hier bezüglich dieser Arbeit mitbekomme, dann muss ich euch aus meinem Kanal auch ein bisschen Neid entgegenkommen lassen, den sich monetäre Menschen nicht verdienen, weil er mir diesbezüglich einfach fehlt.

    Leute, die gutes Design beherrschen, dafür wirklich auch Herz zeigen und nicht nur aufs Geld denken, die mag ich. Wenn sie auch noch das Glück haben, ihren Lebensunterhalt damit bestreiten zu können, dann packt mich doch etwas Neid, eine üble Eigenschaft, die es sonst bei mir nicht gibt.

    Trotzdem gönn ich euch diese Art zu leben und freue mich immer ein bisschen mit, wenn ich hier darüber lesen kann, was aber in Gedanken an die Vergänglichkeit und die Vergangenheit immer etwas Melancholie in mir aufkeimen lässt. Da ist doch glatt die beste Zeit von einer derzeit noch halbwegs guten verdrängt worden und die gute alte Mechanik von der immer mehr Menschen arbeitslos machenden und nur noch schnellen Elektronik.

    Talent fürs Handwerk scheint schon fast ein Handicap zu sein. Oder heißt das nun auch schon Handycap? Würde einen nicht wundern, bei all dem Schwachsinn der von überfüllten Ministerien wie dem Kultusministerium kommt.

    1. Der Kanalmann

      Nur den Reiseplan, den neide ich Ihnen nicht. Da ist mir ein kleines, aber übersichtliches Kanalnetz x-Mal lieber.

  23. Onie Horst Dorsten

    … und wenn selbst die vorhandenen Holzschriften für ein Plakat zu klein waren, dann durfte ich ab und zu einen Linolschnitt machen. 3 Lehrjahre und noch ein paar Jahre danach – ich erinnere mich gerne daran. Und auch an “die Umbrüche” die folgten, bis sich die neuen Standards etabliert hatten.

  24. Schön gesagt, Erik. Das war noch anstrengend und zeitraubend, hat aber auch Spaß gemacht. Und irgendwie hatte auch die Beschränkung der Mittel reine, klare und interessante Ergebnisse hervorgebracht. Tschichold hat es vorgelebt.

  25. toller Artikel. Auch wir erhalten eine alte Buchdruckwerkstatt in Graz als Verein. Vielleicht kommt ihr ja mal auf Besuch. LG DruckZeug Graz!

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