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Spiekerblog
 

07. 03. 04

United Designers Network

Wenn man ein Mis­sion State­ment auf­schreiben muss, hat man es nötig.
Hier also kein Mis­sion State­ment für unser neues Design­büro, vom Dezem­ber 2002




United Design­ers Net­work | 12.2002

Design und Busi­ness müssen sich in der Praxis eines Design­büros ergänzen. Lei­der ste­hen diese bei­den Diszi­plinen oft im Wider­spruch. Gestal­ter wollen nicht hören, dass ihre Arbeit den Zwän­gen des Geldes unter­liegt, dass Ter­mine vom Auf­tragge­ber anstatt von der Tages­laune bes­timmt wer­den und dass dieser über Geschmack nicht stre­iten will. Und die Kau­fleute wollen nicht ein­se­hen, dass Ideen nicht umsonst im kosten­losen Pitch zu haben sind, dass Gestal­ter immer etwas weiter denken als gewün­scht und dass der Kon­sument an sich nicht dumm ist.

Im Laufe des Design­er­lebens ler­nen wir, in diesem grund­sät­zlichen Kon­flikt keinen Wider­spruch zu sehen, son­dern eine Ergänzung. Wer sich darauf ein­lässt, Gestal­ter zu wer­den, muss wis­sen, dass er immer im Auf­trag han­delt und geschäftsmäs­sige Gepflo­gen­heiten anerkennt. Aber er sollte auch darauf beste­hen, dass der Wun­sch des Auf­tragge­bers nicht Gesetz ist, son­dern eben nur ein Wun­sch. Es ist nicht unsere Auf­gabe das zu machen, was der Auf­tragge­ber will, son­dern her­auszufinden, was er wirk­lich braucht.

Einige Jahrzehnte Erfahrung in Design­büros – zuletzt mit fast 200 Mitar­beit­ern – haben mich gelehrt, dass es ein­facher ist, diese Philoso­phie mit Kol­le­gen umzuset­zen, die sel­ber auch schon ihre Lehren gezo­gen haben. In unserem Büro in Berlin arbeiten deshalb nur Gestal­ter und Gestal­terin­nen, die seit vie­len Jahren im Beruf sind. Nicht, dass alle altersmild und vorau­seilend kom­pro­miss­bereit wären. Aber alle wis­sen, wann man welchem Auf­tragge­ber wider­sprechen muss und wann es Zeit ist, Ergeb­nisse zu zeigen ohne Wider­worte. Wir wis­sen auch, dass in jedem Design­büro der Welt die meis­ten Aufträge nach ihrem Abschluss im Archiv ver­schwinden und nicht bei Wet­tbe­wer­ben ein­gere­icht wer­den. Das bedeutet nicht, dass wir nicht danach strebten, auch zu zeigen, was wir kön­nen. Es heisst lediglich, dass jedes Stu­dio zuerst die Kosten erar­beiten muss, dann den Nutzen für den Auf­tragge­ber ver­mehren und erst dann danach ver­suchen sollte, die Gren­zen unseres Berufes zu erkun­den und vielle­icht sogar die Anerken­nung unserer Kol­le­gen und Konkur­renten zu gewin­nen. Eit­elkeit ist dur­chaus ein Motiv beim Griff nach den gestal­ter­ischen Gren­zen, und die prag­ma­tis­che Ein­schätzung der Möglichkeiten im Rah­men eines bezahlten Pro­jek­tes darf nicht dem Wun­sch ent­ge­gen ste­hen, immer etwas besser zu machen als beim let­zten Mal. Aber am Ende soll­ten wir uns eingeste­hen, dass wir Ver­ant­wor­tung tra­gen nicht nur für uns selbst, son­dern auch für unsere Auf­tragge­ber und für deren Kun­den und Nutzer.

Das United Design­ers Net­work besteht zur Zeit in Berlin aus 10 Leuten: vier Gestal­ter, zwei Gestal­terin­nen, ein Pro­gram­mierer, ein Prak­tikant für die Gestal­tung, eine
Prak­tikan­tin fürs Büro und eine Kom­mu­nika­tion­swirtin für Konzept und Pro­jek­t­pla­nung. Vis­itenkarten mit dem Auf­druck „An asso­ciate of United Design­ers Net­work“ haben dazu noch ein weit­erer Pro­gram­mierer und ein Designer in Lon­don, die alle nicht täglich im gemein­samen Büro arbeiten.

Das ist der harte Kern. Um diesen herum gibt es Kol­le­gen, die allein arbeiten oder selbst Büros haben. Mit denen machen wir Pro­jekte. Allen gemein­sam ist, dass ich sie mag, ihre Arbeit schätze, dass sie viel Beruf­ser­fahrung haben und dass
ich mit ihnen schon gear­beitet habe, also weiss, wer was kann und was nicht. Fasst alle dieser Leute haben ein­mal bei MetaDe­sign gear­beitet – in Berlin, Lon­don oder San Francisco.

Das neue Büro in Berlin gibt es seit dem Herbst 2002; im Herbst 2003 wird ein kleines Büro in San Fran­cisco auf­machen, und Lon­don wird nicht viel länger auf sich warten lassen. Höch­stens 256 United Design­ers wird es geben, aber immer in einem Net­zw­erk ohne Bürokratie und Titel. Und jeder selbst für sich verantwortlich.

Bisher haben wir vor allem an Pro­jek­ten mit typografis­chem Schw­er­punkt gear­beitet. Das Lit­er­aturkonzept für die Deutsche Bahn – also Richtlin­ien für die Gestal­tung aller Druck­sachen – war in der Ver­sion 1.2 Ende 2002 fer­tig. Jetzt geht es an das Update auf 2.0, zu dem solche Lecker­bis­sen gehören wie die Gestal­tung von Geschäfts­grafiken und Tabellen. Auch eine neue Schrift ist in der Pla­nung. F¤r unser Büro habe ich übrigens eine eigene Schrift gestal­tet, die Unit. Für einen Her­steller aus der Auto­mo­bil­branche erar­beiten wir eine Kennze­ich­nung für Händler­be­triebe, ein vierteljährlich erscheinen­des Mag­a­zin läuft ger­ade wieder an, eine Web­site für eine kleine Druck­erei ist in Arbeit, ein grosser japanis­cher Auto­mo­bil­her­steller hat vor kurzem angerufen und eine Tageszeitung will im Sep­tem­ber ein Relaunch machen. Zu tun gibt es genug. Es wird schwierig wer­den, die viele Arbeit an alle zu verteilen, dabei den Überblick zu behal­ten, Spass zu haben und klein zu bleiben. Und eines Tages wer­den wir sogar eine eigene Web­site haben.

Da wir alle in zwei Räu­men auf Rufnähe sitzen, gibt es keine Tren­nung in Teams. Jeder arbeitet mit einem oder mehreren Part­nern an den Pro­jek­ten und jeder steigt bei Bedarf auch mal in ein Gespräch ein. Obwohl wir ein kleines Büro sind, kön­nen wir Aufträge machen, die sonst eher an grosse Fir­men gehen, denn wir haben alle Erfahrung mit Grosspro­jek­ten. Wir haben aber auch gel­ernt, dass wenige gute Leute ohne Hier­ar­chien mehr leis­ten kön­nen als dop­pelt soviele Leute in einem bürokratisch ver­wal­teten Betrieb, in dem die
Leis­tung von Con­trollern nach Stun­den­zetteln beurteilt wird anstatt von Gestal­tern nach ihrem Inhalt. Prak­tikan­ten sind soweit in die Arbeit involviert, wie sie kön­nen und wollen. Es gibt keine typ­is­chen Sklave­nar­beiten wie kopieren, scan­nen oder Kaf­fee kochen.

Alle machen das, was sie am besten kön­nen. Ich schreibe die meiste Zeit.

 

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