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30. 12. 07

Neue Euros, altes System

Am 1. Jan­uar führen zwei weit­ere Staaten (Zypern und Malta) den Euro ein. Die Vorder­seiten der Münzen unter­schei­den sich kaum von denen in anderen Staaten, während die Rück­seiten nationalen Sym­bolen vor­be­hal­ten sind.

Mir fällt bei dieser Gele­gen­heit ein, dass ich 1999, also vor der Ein­führung des Euro als europäis­ches Zahlungsmit­tel, vom Nachricht­en­magazin Der Spiegel gebeten wurde, meine eige­nen Ideen zur Gestal­tung der Münzen vorzustellen. Auch einige andere Gestal­ter wur­den dazu gebeten, aber deren Vorschläge kann ich nicht zeigen, weil ich keine Daten dazu habe.
Mir fiel damals auf, wie wenig sys­tem­a­tisch die neuen Münzen gestal­tet wor­den waren. Zwar gab und gibt es drei ver­schiedene Met­alle und etliche ver­schiedene Größen sowie unter­schiedliche Rän­der, aber von einem Sys­tem kann man nicht sprechen. Viel schlim­mer ist jedoch, dass man bis heute viele der Münzen nur beim genauen Hin­se­hen unter­schei­den kann. Eigentlich sollte man doch schon in der Hosen­tasche sein Klein­geld sortieren kön­nen und es dann auch im Dunkeln immer richtig abzählen.

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Wie man sieht, sind alle Münzen ein wenig unter­schiedlich groß, aber nicht unter­schiedlich genug um es durch bloßes Fühlen zu erfassen. Das 2-Euro Stück ist 25,75 mm im Durchmesser, die 50-Cent Münze kaum wenig kleiner mit 24,25 mm, während das 1-Euro Stück selt­samer­weise kleiner als diese ist, näm­lich 23,25 mm. Auch das 5-Cent Stück ist mit 21,25 mm größer als die wertvollere 10-Cent Münze mit 19,75 mm. Die unter­schiedliche Met­alle lassen sich nur im guten Licht unterscheiden.

Das 20-Cent Stück hat als einzige Münze einen anders geprägten Rand, ist aber selbst dadurch kaum vom fast gle­ich großen 5-Cent Stück zu unter­schei­den. Geprägte Lin­ien sind mal links, mal rechts und mal schräg ange­ord­net, aber zu dünn und zu nahe beieinan­der um durch Fühlen einen Hin­weis auf den Münzw­ert zu geben. Der Umriss Europas ist eher Augen­pul­ver und poli­tisch motiviert als zur Unter­schei­dung nützlich.

Die Rück­seiten der Münzen sind von Land zu Land ver­schieden, was immer­hin inter­es­sant ist, aber nicht hilft, die einzel­nen Werte auseinan­der zu halten.

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Ich habe zuerst die Grup­pen unter­schieden: Einer-, Zweier– und Fünfer-Münzen.
Die Einer, also die 1-Euro Münze, das 10-Cent und das 1-Cent Stück, sind ein­fach rund und jew­eils 20% kleiner. Wenn mein Euro also 23,25 mm groß wäre wie der jet­zige, dann wären 10 Cent 18,50 mm im Durchmesser (unge­fähr so groß wie das jet­zige 2-Cent Stück) und 1 Cent noch 16,50 mm – jetzt ist es 16,25 mm groß.
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Die Zweier, also 2-Euro, 20 Cent und 2 Cent sind achteckig, mit stark abgerun­de­ten Ecken und dadurch schon durch Fühlen unter­schei­d­bar. Die Durchmesser sind wie die der run­den Münzen, wirken in der Hand aber etwas mächtiger und sind auch schw­erer bei gle­icher Dicke wie die Einer.
Die Fün­fer sind auch rund wie die Einer, aber etwas dicker und haben ein Loch in der Mitte wie einige skan­di­navis­chen Münzen. Ein 5-Euro Stück gibt es noch nicht, dieses Sys­tem sieht es den­noch vor, denn es macht Sinn. Das Loch in der Münze lässt sich mit den Fin­gern erfühlen und ist auch in der Drauf­sicht ein­deutig.
Neben diesen Unter­schei­dun­gen in Form und Größe lässt sich der Münzw­ert auch an waagerechten Lin­ien erken­nen, derer es eine, zwei oder fünf gibt (!) Die drei Euro Münzen sind aus Sil­ber, die 50, 20 und 10-Cent Stücke aus „Nordis­chem Gold“ und die drei kleinen Münzen aus Kupfer, wie jetzt auch.

Auf den ersten Blick mögen diese Münzen etwas kahl wirken. Sicher­lich ist die heutige Gestal­tung wieder ein Kom­pro­miss wie der bei den Geld­scheinen. Nichts darf erkennbar als nationales Sym­bol sein und alle Staaten wollen sich wiederfinden. Umso mehr erstaunt mich die Abbil­dung mit einem Europa-Umriss. Das ist erstens geografisch heikel, weil der Kon­ti­nent keine Insel ist und keine klaren Kon­turen hat. Und poli­tisch ist das zweit­ens unge­nau, denn die Land­karte schließt auch die Län­der ein, die nicht zur EU gehören. Und wo hört Europa hier auf? Im Osten und im Nor­den fehlt einige Land­masse und die kleineren Inseln der Balearen sind dem Maßstab zum Opfer gefallen.
Klare Zif­fern und Buch­staben sind nicht nur ein­deutiger, son­dern helfen auch beim Zählen. Und für griechis­che und kyril­lis­che Buch­staben wäre auch noch Platz.

Meine Vorschläge für die Rück­seiten will ich später zeigen. Hier nur noch zwei Ren­der­ings von 1999.

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8 Responses to “Neue Euros, altes System”:


 

1

Inter­es­sant und ein­leuch­t­end. Mit solchen stich­halti­gen Argu­menten sind die realen Münzen wohl kaum begründ­bar.
Gibt es ähnliche (lei­der nur the­o­retis­che) Überlegun­gen für die Banknoten?

 

2

Münzen habe ich immer in der Hosen­tasche und hatte noch nie Prob­leme mit dem Abtas­ten. Das geht Mit­tler­weile so gut, dass ich die Münzen auch automa­tisch richtig heraushole.

 

3

Ich finde eigentlich, dass man die Münzen gut abtas­ten kann – man muss eben den Rand beachten.

 

4

Man kann sich an alles gewöh­nen, aber wäre es nicht besser (und pro­fes­sionell), wenn ein so wichtiges Sys­tem auch sys­tem­a­tisch aufge­baut wäre? Eine Hand­voll Euro-Münzen ist nicht auf den ersten Blick so ein­fach zu sortieren, wie es möglich wäre, wenn man darüber vorher nachgedacht hätte.

 

5

Natür­lich kann man – viel Fin­ger­spitzenge­fühl und mehr als fün­fjährige Erfahrung im Umgang mit unserer „neuen“ Währung voraus­ge­setzt – die Münzen auch im Dunkeln oder in der Hosen­tasche sortieren, trotz­dem muss ich zugeben, dass auch ich mir damals von den neuen Münzen etwas mehr ver­sprochen hatte.

Allerd­ings ist auch dies lei­der ein­fach mal wieder ein Beispiel dafür, dass ins­beson­dere poli­tis­che Entschei­dungsträger meist und gerne auf die falschen (oder gar keine) Berater hören und sich am lieb­sten darauf ver­lassen, dass sie Volkes Stimme ein­fach per Mind­cast übertra­gen bekommen.

Und a pro­pos „Volkes Stimme“, es passt vielle­icht nicht ganz zum Thema, aber hier einen Nachricht an Herrn Koch aus Wies­baden: Ich gehöre zwar zur (meist) schweigen­den Mehrheit in Deutsch­land, fühle (und fühlte) mich von Ihnen aber in kein­ster Weise vertreten.

 

6

Also ich finde sehr wohl, dass die aktuellen Euromünzen ein Sys­tem bilden, wobei sie sich in drei Grup­pen ein­teilen lassen: kupfer­far­bene mit glat­tem Rand, gold­far­bene mit grobem Rand und zwei­far­bige mit fein ger­if­fel­tem Rand. Die Größen überschnei­den sich, so ist das 5-Cent-Stück etwas größer als das 10-Cent-Stück. Dadurch ist der Größe­nun­ter­schied inner­halb einer Farbe/Riffelung max­i­mal und so kön­nen diese ein­fach unter­schieden wer­den. Die mit­tleren Größen haben zudem einen speziellen Rand (2 Cent und 20 Cent). Zugegeben, die Kerbe im 2-Cent-Stück ist beson­ders für Nicht-Blinde schwer zu ertas­ten, anson­sten sind alle anderen Münzen genau zu erfühlen: eine große Münze mit glat­tem Rand ist beispiel­sweise ein 5er, eine kleine Münze mit groben “Zacken” ein 10er. Der 10er und 50er haben zwar den gle­ichen Rand und die gle­iche Farbe, sind aber in ihrer Größe max­i­mal unterschiedlich.

In Ihrem Konzept wären Ver­wech­slun­gen zudem “teurer”: Das 1-Cent-Stück ist beispiel­sweise dem 10er ähnlicher als dem 2-Cent– oder 5-Cent-Stück.

Wie gesagt, ich finde das aktuelle Design gut durchdacht.

 

7

Ich finde die Euromünzen sehr gut und kann bei Münzen mit Loch, Kan­ten und Run­dun­gen kein ystem erken­nen. Zum Glück haben wir das aktuelle Sys­tem und die Münzen. Die finde ich ein­heitlich, schön und ein­fach gut.

Und mit Geld abzählen in der dun­klen Hosen­tasche Argu­menten wagt man sich aufs Eis der Lächerlichkeit.

Ich kann sie wohl optisch sehr gut unter­schei­den als auch fühlend.

 

8

Zwis­chen­zeitlich hat sich ja eine ganze Menge getan. Nicht nur, dass ein Land hinzugekom­men ist (Slowakei). Es hat sich auch die Rück­seite geän­dert.
Ich finde diese weit­er­hin interessant.

 






 

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