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Spiekerblog
 

22. 01. 05

form condensed, 6

Meine Kolumne in form, erschienen Ende 2004.
Pech gehabt
Einen Pitch nennt man das kosten­lose Vor­führen von Ideen und Entwür­fen. Auf englisch bedeutet das Wort ?Pech?.

Immer wieder lese ich:
?…aus einem Pitch um den Etat für … ging … siegre­ich her­vor…? Wie gerät das Wort ?siegre­ich? dort hinein?

Ein Pitch ist eine Vorstel­lung von Entwür­fen im Wet­tbe­werb unter mehreren Agen­turen bzw Büros. Das englis­che Verb beze­ich­net das Wer­fen mit dem Base­ball, das englis­che Sub­stan­tiv bedeutet schlicht Pech, und zwar das Zeug, das mit Schwe­fel untrennbar zusam­men­hält. Pech haben auch die Teil­nehmer eines solchen Zufall­swur­fes, die leer aus­ge­hen. Wer zum Pitch ein­lädt, bei dem es gewöhn­lich ein Anerken­nung­shon­o­rar gibt, das kaum die Kosten für die Farb­drucke deckt, meint Entschei­dung­shil­fen zu bekom­men für eine Kom­mu­nika­tion­sauf­gabe. In Wirk­lichkeit ist es aber so, als ginge der Auf­tragge­ber nacheinan­der in mehrere Restau­rants, esse von jedem Tellerchen ein wenig und erk­läre anschließend, er habe jetzt keinen Hunger mehr und bezahle nichts, weil ja kein Gericht seinem Geschmack entsprach.

Wer also an einem Pitch teil­nimmt, bei dem Entwürfe zu einem Bruchteil des Wertes verkauft ? sprich: ver­schenkt ? wer­den, den sie eigentlich wert sind, ist ein dreifacher Ver­sager. Er ver­sagt uns die Wertschätzung, die unsere Arbeit ver­di­ent, und er ver­sagt sich ein angemessenes Hon­o­rar für das Wertvoll­ste, das wir anzu­bi­eten haben: unsere Ideen und deren Visu­al­isierung. Er ver­sagt drit­tens dem Auf­tragge­ber die Erfahrung, dass Gestal­tung als Prob­lem­lö­sung nur im Dia­log funk­tion­iert. Für einen Pitch zu arbeiten ist wie sich zu einem Blind Date mit vie­len Teil­nehmern gle­ichzeitig zu verabre­den. Wer als Auf­tragge­ber einen Pitch ver­anstal­tet ohne die Ein­ge­lade­nen gründlich ken­nen gel­ernt zu haben, kön­nte genau­sogut Lose ziehen lassen unter den Mit­gliedern eines Berufsver­ban­des. Wer sich hinge­gen mit eini­gen Design­ern über die Auf­gabe aus­führlich unter­hält, braucht keinen Pitch mehr. Er weiss dann, wem er ver­trauen kann.

Warum meinen aber immer mehr Auf­tragge­ber, sie müssten ?pitchen? lassen und viele Designer, sie müssten teil­nehmen? Weil Dummheit, Faul­heit, Eit­elkeit und Feigheit ? die vier apoka­lyp­tis­chen Reiter des Gewerbes ? so heftig mit den Hufen tram­peln, dass der Ver­nunft schwarz vor Augen wird, pechschwarz.

 

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