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Spiekerblog
 

04. 12. 04

form condensed, 4

Aus meiner regelmäßi­gen Kolumne in der form.

Von Haup­tkreativof­fizieren und Gestal­tungs­di­rek­toren Inhalt­slose Titel und überflüs­sige Hierarchien



Von Haup­tkreativof­fizieren und Gestaltungsdirektoren

Eine Unter­suchung über die wirtschaftliche Sit­u­a­tion unseres Berufes in den USA benan­nte für die Tätigkeiten in einem durch­schnit­tlichen Design­be­trieb sechs Hier­ar­chien: Eigentümer/Partner/Geschäftsführer; Creative/Design Direc­tor; Art Direc­tor; Senior Designer; Designer; Junior Designer. Diese sehr vernün­ftige und nachvol­lziehbare Aufzäh­lung erregte Inter­esse in den Online-Foren und Weblogs und aus großen Agen­turen kamen Lis­ten mit 18 Hierarchie-Ebenen alleine im Design­bere­ich ? vom Junior Designer über den Copy­writer und den Media Designer zum Chief Cre­ative Offi­cer. Nicht nur sind die Beze­ich­nun­gen infla­tionär und damit zunehmend sinnleer, auf­fäl­lig ist vor allem der inhaltliche Wider­spruch: Einige der Beze­ich­nun­gen geben an, wo die Leute in der Hack­o­rd­nung der Agen­tur ste­hen, andere beschreiben, was sie dort machen. Mal sind es Titel, mal Rollen, mal Berufs­beze­ich­nun­gen.

Nun haben wir in dieser Kolumne gel­ernt, dass unsaubere Sprache der Aus­druck unklaren Denkens ist. Was also bringt die Agen­turen dazu, solche unaus­ge­gore­nen Konzepte umzuset­zen? Der Ehrgeiz der Mitar­beiter? Was aber machen Gestal­ter, die nach einiger Zeit zum Design Direc­tor aufgestiegen sind? Inhaber kön­nen sie nicht wer­den, und angestellte Geschäfts­führer sind sel­ten Designer. Um ein Dutzend Hier­ar­chien abzu­bilden, müssen min­destens dreimal soviele Leute dort arbeiten. Kleine Büros täuschen dann auch gerne Größe vor, indem sie jedem Prak­tikan­ten einen Titel geben (wie wär?s mit Research Assis­tant?), die Putzper­son wird dann zum Vice Pres­i­dent of Recy­cling Oper­a­tions. Englisch muss es sowieso sein, denn wer wollte schonHaupt­gestal­tung­sof­fizier wer­den? Chief Design Offi­cer klingt besser, zumin­d­est für ahnungslose Hauptschüler.

Neben der Eit­elkeit der Designer sind es ange­blich die Auf­tragge­ber, die solche Titel wollen, damit sie nicht mit einem ein­fachen Designer tele­fonieren müssen, wenn es einen Design Direc­tor gibt. Der wird dafür bezahlt, den Inhalt des Gespräches an die näch­ste Ebene weiter zu geben, wo die Arbeit gemacht wird. In der richti­gen Welt allerd­ings wer­den Teams nicht von den Leuten mit dem höch­sten Titel dominiert, son­dern von denen, die den Respekt ihrer Kol­le­gen haben. Jedoch haben ger­ade intakte Teams die Ten­denz, nur neue Leute aufzunehmen, deren Fähigkeiten unter dem Schnitt der Gruppe liegen: Nach ein, zwei Jahren sind dann zwar alle zu irgen­deiner Art von Direc­tor aufgestiegen, aber auf Kosten des Gestal­tungsniveaus.

Auch bei Design­ern gilt das Peter*-Prinzip: Jeder wird zur höch­sten Stufe seiner Kom­pe­tenz befördert und von dort solange weiter, bis Inkom­pe­tenz erre­icht ist. Dort bleibt man dann.

* Nach Lau­rence John­ston Peter (1919?1990).

(The the­ory that employ­ees within an orga­ni­za­tion will advance to their high­est level of com­pe­tence and then be pro­moted to and remain at a level at which they are incompetent.)

 

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