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Spiekerblog
 

11. 03. 04

form condensed, 2.

Aus meiner regelmäßi­gen Kolumne in der form.
Dies­mal geht es um Kon­troller, die sich in Design­büros breitmachen.



Effek­tiv­ität, nicht Effizienz.

Die klas­sis­che Design­firma nennt sich Ate­lier, Stu­dio, Büro oder Agen­tur – je nach Herkunft und Anspruch. Betrieben wer­den alle For­men immer noch vor­wiegend von Gestal­tern. Gel­ernt haben die meis­ten Pro­duk­t­de­sign oder visuelle Kom­mu­nika­tion, wenn auch oft unter anderen Beze­ich­nun­gen wie Indus­trie– oder Grafik-Design. Kaufmän­nis­ches Wis­sen, Per­son­alführung und Mar­ket­ing eignet man sich im Laufe der Zeit an und wird allmäh­lich zum Man­ager und Unternehmer.

Dieses Learn­ing bei Doing funk­tion­iert ganz gut bei kleineren Büros, bei denen ein­fach zu überschauen ist, wer ger­ade was macht und wie lange das dauern wird. Sobald aber mehr als eine Hand­voll Mitar­beit­ern (wom­öglich auch noch
fes­tangestellt) dabei sind, wird es sehr schwer den Überblick zu behal­ten, ob die Pro­jekte nicht nur inhaltlich, son­dern auch finanziell im Rah­men des Ange­botes bzw dessen bleiben, was der Auf­tragge­ber wil­lens oder in der Lage ist zu bezahlen. Ein­tritt der Con­troller. So richtig habe ich bis heute nicht ver­standen, was die machen – kann sein, dass ich da einen men­talen Block habe. Im Prinzip – so glaube ich – wer­den Zahlen ermit­telt, die die Kon­trolle (sic) über Kosten und Ein­nah­men und die daraus sich ergebende Prof­itabil­ität bzw. die Ver­luste des Geschäftes ermöglichen. Wenn das Con­trol­ling erst ein­mal alle möglichen Zahlen ermit­telt hat, soll es in der Lage sein, nicht nur zu doku­men­tieren, wer an welchem Pro­jekt wieviel Zeit mit welchem finanziellen Erfolg gear­beitet hat, son­dern sogar daraus zukün­ftige Trends ableiten. Ange­bote kön­nen dann präziser kalkuliert und Ressourcen besser geplant werden.

So die The­o­rie. In der Praxis hat das Con­trol­ling bei Design­leis­tun­gen aber zwei Haken: erstens weiss jeder, der es schon mal gemacht hat, dass Stun­den­zettel grössten­teils am Ende der Woche so aus­ge­füllt wer­den, dass sie den Erwartun­gen der Pla­nung entsprechen; und zweit­ens wird mit diesem Ansatz die Effizienz der Arbeit bew­ertet, nicht die Effek­tiv­ität. Auf deutsch heisst das, nicht das was hin­ten raus kommt, ist der Maßstab, son­dern die Art, wie es erre­icht
wurde. Damit wird die Real­ität in unserem Beruf auf den Kopf gestellt. Unsere Arbeit wird vom Auf­tragge­ber näm­lich nicht danach beurteilt, wie sie zus­tande gekom­men ist, son­dern danach, ob sie funk­tion­iert, also Erfolg hat. Ist die Marke nach der Überar­beitung stärker im Markt, verkauft sich das Pro­dukt besser, lässt es sich ein­facher her­stellen? Blieb das Pro­jekt im Zeit­plan und im Bud­get? Ob wir das mit Tages– und Nachtar­beit machen oder mit selb­st­geschriebener Soft­ware, unter dem Ein­fluss von Dro­gen oder bei lauter Musik – das alles ist egal, solange alle vorgegebe­nen Ziele erre­icht sind.

Es ist Auf­gabe des Inhab­ers oder der lei­t­en­den Mitar­beiter, für die Qual­ität der Gestal­tung zu sor­gen, denn danach wer­den Design­büros, –stu­dios, –ate­liers oder agen­turen aus­ge­sucht und bew­ertet. Geld ver­di­enen müssen sie natür­lich auch, und es kann nüt­zlich sein, sich vom Con­trol­ling zur Beurteilung der nöti­gen Para­me­ter Werkzeuge und Maßstäbe fer­ti­gen zu lassen. Wenn jedoch die Effizienz die Haup­trolle spielt, dann wird irgend­wann die Qual­ität der Arbeit aus­tauschbar. Kein Con­troller oder Buch­hal­ter kann sagen, ob das Ergeb­nis gut ist. Sie kön­nen lediglich die Stre­ber belohnen, die brav ihre Stun­den­zettel aus­ge­füllt haben. Und wenn die Arbeit allmäh­lich aus­tauschbar wird, weil Design­qual­ität nicht mehr das erste Kri­terium ist, sinkt der Preis, den man dafür erzie­len kann. Das setzt die Kosten unter Druck, bei Mitar­beit­ern wird ges­part, die Qual­ität der Arbeit sinkt weiter, der Auf­tragge­ber ist unzufrieden. Konkur­renz, die aus­tauschbare Design­leis­tun­gen für weniger Geld machen, gibt es jede Menge – die wartet schon. Ergo: con­trol­ling im Design ist gut, solange es von Design­ern kon­trol­liert wird.

 

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