decoration
Spiekerblog
 

12. 03. 04

Döskopp Publishing | Ein Interview

Für seine Diplo­mar­beit als Druckin­ge­nieur stellte mir Orhan Tancgil im Novem­ber 2003 einige Fra­gen zum Thema DTP.


Eine Vorbe­merkung zu diesem Text (und damit auch zu anderen):

Die Inter­views sind meis­tens aus Email Kor­re­spon­denz kopiert.

Das bringt mit sich:

Klein­schrei­bung (nicht immer kon­se­quent), fast immer falsche Apos­tro­phe, also Foot­strich statt hochgestelltes Komma. Und entweder ein­fache Divis anstelle von Gedanken­strichen oder immer­hin der dop­pelte Binde­strich — , wie wir es auf der Schreib­mas­chine früher machten. Richtige An– und Abführun­gen kom­men beim Empfänger eines Emails (einer Email?) als alle möglichen Son­derze­ichen an, deshalb verzichte ich darauf bei dieser Kor­re­spon­den­zart. Prag­ma­tismus statt Rechthaberei.

| | | |

1. DTP hat zu einer Workflow-Beschleunigung geführt. Prozesse, die früher getrennt waren, sind an einem Arbeit­splatz bzw. hän­gen an einer Per­son. Ist der Ablauf im Gegen­satz zu Foto– oder Bleisatz wirk­lich schneller gewor­den oder ist das ein Trugschluss?

der ablauf ist schneller, aber zu las­ten der qual­ität. Will man die gle­iche qual­ität erre­ichen wie zu zeiten der arbeit­steilung, braucht man wieder arbeit­steilung. So prak­tizieren wir das. Satzarbeiten machen set­zer, nach vor­gaben der gestal­ter. beide benutzen die gle­iche plat­tform und die gle­iche soft­ware. Dadurch ist es immer noch schneller als früher, weil das satzausze­ich­nen und das raten der textmenge wegfallen.

2. DTP bringt viele Quere­in­steiger in den Markt, die sich schnell Gestal­ter schimpfen. Ihre tech­nol­o­gis­chen Ken­nt­nisse sind manch­mal lück­en­haft, so dass Dien­stleis­ter vor einem Kor­rek­tu­raufwand ste­hen, der eventuell nicht bezahlt wird(Überfüllungen, RGB-Farben, Bil­dau­flö­sun­gen, etc.). Das End­pro­dukt sieht nicht so aus, wie es der Auf­tragge­ber erwartete. Hat DTP dadurch zu Erle­ichterung geführt oder ist uner­warteter Mehraufwand entstanden?

siehe oben. Wem qual­ität egal ist, weil er sie nicht braucht oder sel­ber nicht erkennt oder weil er meint, seine kun­den brauchten sie nicht, der hat schnell und bil­lig ein ergeb­nis, das tech­nisch immer noch besser ist als vieles, was im foto­satz gemacht wurde. Damals haben set­zer auch nur so viel machen kön­nen, wie der auf­tragge­ber ver­langte und bezahlen wollte. Da war genauso viel mist dabei wie heute. Allerd­ings gibt es heute grund­sät­zlich viel mehr von allem, also auch mehr müll.

3. Die typo-orthographischen Grund­sätze wer­den immer wieder in der
All­t­ags­gestal­tung mis­sachtet. Das Falsche wird als richtig erachtet und auch so
weit­erge­führt. Sollte man diese Grund­sätze (Mikroty­pogra­phie,
Rechtschrei­bung) tolerieren oder durch Aus­bil­dung (schon in der Schule)
vermitteln?

da saubere sprache der aus­druck sauberen denkens ist und typografie sicht­bare sprache, ist schlechte typografie schlechte sprache. Was schlechte sprache über den absender sagt, wis­sen wir. Also bleiben regeln wichtig, wenn sie auch flex­i­bel gehand­habt wer­den soll­ten. Wer die regeln kennt, darf sie brechen. Wer regeln aus dummheit oder unwis­senheit bricht, zeigt damit, dass er dumm und unwis­send ist.

4. Nen­nen Sie bitte aus per­sön­licher Sicht Ihre 7 Lieblings-DTP Todsünden:falscher, weil überflüs­siger apos­troph; im deutschen beim gen­i­tiv nicht nötig (Kaiser’s Kaf­fee); enge laufweite – fast immer der grund für schlechte les­barkeit; zu bre­ite zeilen; mis­er­abler und oftüber­flüs­siger block­satz (die wer­bung kennt nichts anderes);
zu kleine schrift; falsche schrift­wahl (entweder lang­weilig, also keine wahl: arial et al oder nach modis­chen kri­te­rien: was ist ange­sagt, was machen alle? Sel­ten nach dem zweck, dem leser und der tech­nik aus­gewählt); schlecht gegliederter text – keine zwis­chenüber­schriften, zu lange absätze, schlecht umbrochen, schlechte tren­nun­gen (das gehört allerd­ings auch zum überkri­terium schlechter satz, unter das eigentlich alles passt)
Ein nach­satz:
Den zoll­strich anstatt apos­troph wer­den wir akzep­tieren müssen. Er ist zwar falsch, das hat aber keine kon­se­quen­zen, weil der ein­fache strich zumin­d­est bei uns ja als tren­nung zwis­chen 2 buch­staben auch funk­tion­iert. Bei den amis ist das fatal: die benutzen ja noch das zoll­sys­tem, und da kann es zu ver­wech­slun­gen kom­men. Bei emails ist es gefährlich, den richti­gen apos­troph zu ver­wen­den, weil ich nicht weiss, ob der empfänger 8-bit eingestellt hat. Wenn nicht, kom­men merk­würdige zeichen an, während der zoll­strich bei den ascii zeichen dabei ist. Wir haben das sys­tem eben aus den usa übernom­men. Wie kommt mein apos­troph bei dir an?

 

Comments are closed.

© Erik Spiekermann | Spiekerblog is proudly powered by WordPress.