decoration
Spiekerblog
 

05. 02. 13

Durch die Decke denken

Im Herbst 2012 inter­viewte mich Thomas Ramge zum Thema Design Think­ing. Inzwis­chen sitze ich am Lay­out des Buches, das er geschrieben hat mit dem Titel „Durch die Decke denken“. Dabei fand ich den Wort­laut von damals wieder.

Zum Thema „Scrum“ hat mein Kol­lege Robert Stulle soeben diesen Blog­text veröf­fentlicht (auf Englisch).

Wann sind Sie zum ersten Mal über den Begriff Design Think­ing gestolpert?
Irgend­wann Mitte der 90er bat mich Michael Bierut von Pen­ta­gram um einen Beitrag zum Thema “Rethink­ing Design”. Ich kor­rigierte das auf seinem Fax (!) zu “Redesign Think­ing”. Er nahm das als Repro so in sein Buch  auf. Das Buch han­delte davon, dass wir als Designer mehr machen kön­nen und soll­ten als nur schöné neue Bilder.

Welche Design-Thinking-Elemente nutzen Sie für Ihre gestal­ter­ische Arbeit?
Ich kenne keine vorgegebe­nen Ele­mente, weil ich Design Think­ing nicht als Lehr– oder Arbeitsmeth­ode ken­nen­gel­ernt habe, son­dern weil ich irgend­wann gemerkt habe, dass meine Arbeitsweise und mein inhaltlicher Ansatz schon immer das waren, was heute als Design Think­ing beze­ich­net und damit kat­e­gorisiert wird.

In welcher Form ist das hil­fre­ich?
Wir Designer haben die Fähigkeit – also das Tal­ent und die Werkzeuge – Zusam­men­hänge nicht nur schnell zu erken­nen, son­dern sie vor allem sicht­bar und damit nachvol­lziehbar zu machen. Diese Fähigkeit dient uns dazu, Prozesse abzu­bilden und sie in die Zukunft weit­erzu­denken. Wir kön­nen also Ideen nicht nur gener­ieren, son­dern auch auf ihre Umset­zung pla­nen. Design Think­ing beschreibt dem­nach, wie und was Designer denken. Es kön­nte also auch Designer Think­ing heißen.

Sie sprechen von „scrum­men“ in der Gestal­tung. Was ist das? Wie geht das?
Wie beim Scrum im Rugby stellen sich die Mitar­beiter eines Teams (möglichst nicht mehr als sieben) im Kreis auf. Nicht länger als eine Vier­tel­stunde und immer im Ste­hen wird so der Stand der Pro­jekte disku­tiert. Wer ist womit wie weit, was haben wir gestern geschafft, was müssen wir heute schaf­fen? Wo hakt es, wer braucht Unter­stützung, wer ist früher fer­tig als geplant? In einem Sprint wird immer nur die Arbeit für eine Woche geplant und der Auf­tragge­ber bekommt diese Ergeb­nisse jede Woche zu sehen. Wenn man neue Ideen und Bilder erzeu­gen will, kann man nicht Wochen oder gar Monate voraus pla­nen, weil jede neue Idee den Ablauf ändern wird. Also haben wir das große Bild vor Augen, pla­nen aber immer nur die Schritte, die wir vor uns sehen kön­nen. Wir sehen das Licht am Ende des dun­klen Tun­nels und fol­gen dem Kegel der Taschen­lampe auf dem Weg dahin.

Eine Ihrer Arbeit­shypthe­sen zu Arbeit lautet: Wir kön­nen heute Pro­jekte zugle­ich „schnell und tief” umset­zen. Was meinen Sie damit und wo ist die Verbindung zu Design Think­ing?
Jeder weiß, dass unsere Arbeit gas­för­mig ist; sie füllt jedes ver­füg­bare Vol­u­men aus. Wenn ich also vier Wochen Zeit habe, fokussiere ich meine Gedanken erst dann, wenn der Ter­min droht. Ich bringe also min­destens zwei Wochen damit zu, dem Prob­lem aus dem Wege zu gehen. Zwar kann es nüt­zlich sein, ein Pro­jekt gedanklich mit sich zu tra­gen, während man an etwas Anderem arbeitet, aber man kön­nte genauso gut den Druck auf­bauen ohne den wir nie etwas erre­ichen. Denken geht in Licht­geschwindigkeit und muss nicht warten, bis lang­wierige Recherchen den Spass und die Spon­taneität aus der Sache genom­men haben. Die guten Lösun­gen entste­hen immer ganz schnell, allerd­ings auch nur auf der Basis von Wis­sen. Das wiederum muss nicht in einer Per­son resi­dieren, son­dern die Samm­lung von Wis­sen zu einem Pro­jekt lässt sich delegieren. Wenn dann alle Per­so­nen zusam­menkom­men, die an einem Pro­jekt ver­schiedene Auf­gaben übernom­men haben, entste­hen Lösun­gen sehr schnell, denen es nicht an Tiefe man­gelt, weil schon soviel Geist und Energie im Prozess steckt. Was im Umkehrschluss heißt, das diese Meth­ode – wie immer wir sie nen­nen – nur im Team funk­tion­iert, weil aus mehreren Köpfen mehr entsteht als die Summe der Teile. Tiefe des Denkens und die Zeit, die dafür aufge­bracht wer­den muss, haben dem­nach nicht unbe­d­ingt miteinan­der zu tun. Dieses Junk­tim gilt für das Handw­erk, wo manche Tätigkeiten ein­fach nicht zu beschle­u­ni­gen sind ohne Gefahr für die Qual­ität des Ergebnisses.

Eigentlich lustig: Inge­nieure und Inno­va­tions­ber­ater entwick­eln in Stan­ford eine Inno­va­tion­s­meth­ode, bei der sie sich vieles von klas­sis­chen Design­ern abschauen. Und nun nutzen auch immer mehr Designer die Meth­ode. Ist das auch Ihre Wahrnehmung?
Ja.

Die Pro­moter von Design Think­ing beto­nen oft seinen wis­senschaftlichen Charak­ter. Warum braucht Kreativ­ität die method­is­che Zwangs­jacke der Wis­senschaft?
Wir müssen die Ergeb­nisse unserer Arbeit verkaufen, sie also auch betrieb­swirtschaftlich nachvol­lziehbar und begründ­bar machen. Da die meis­ten Auf­tragge­ber nicht in Bildern denken, brauchen sie Begrün­dun­gen, die ihnen ihre emo­tionale Reak­tion erk­lärt. Kaum ein Kauf­mann oder Inge­nieur würde zugeben, dass ihm eine Lösung ein­fach gut gefällt. Er muss in Zahlen und Tabellen sehen, was unsere­ins ein­fach nur richtig findet.

Ist Design Think­ing nur ein Hype? Oder haben wir es mit einer echten Innovations-Management-Innovation zu tun, die eine Weile bleiben und auf der anderes auf­bauen wird?
Die Fähigkeit, kom­plexe Sys­teme und Vorgänge zu visu­al­isieren und damit zu kom­mu­nizieren, prädes­tiniert uns Designer schon immer als Überset­zer zwis­chen der kon­stru­ierten Welt und dem gefühls­ges­teuerten Men­schen (wir sind evo­lu­tion­stech­nisch immer noch Jäger und Samm­ler). Design Think­ing ist viel älter als der Hype, nur der Name ist neu.

 

by erik
Comments (12)

 

30. 06. 11

Farbleitsysteme

Per­for­mance ist das Kun­den­magazin von BASF Floor­ing. EIn Inter­view über Leit­sys­tem im Wort­laut:
Brotkru­men im Schilder­wald.
Er wurde erst kür­zlich mit dem Design­preis der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land für sein Lebenswerk aus­geze­ich­net – zu Recht, denn seine Entwürfe für Schrift­typen und Sym­bole prä­gen ein Stück weit das Gesicht unseres Lan­des. Beispiel­sweise, wenn er das Erschei­n­ungs­bild der Deutschen Bahn auf­poliert oder uns allabendlich in den heute-Nachrichten im ZDF mit auf­schlussre­ichen Pik­togram­men kom­plizierte Sachver­halte erschließt. Erik Spiek­er­mann gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Typografie. Doch neben dieser Lei­den­schaft beschäftigt er sich auch mit Leit– und Infor­ma­tion­ssys­te­men, die die Ori­en­tierung inner­halb räum­licher Struk­turen erle­ichtern bzw. ermöglichen.
Per­for­mance sprach mit dem Infor­ma­tions­de­signer über Architek­tur und Ori­en­tierung. Read the rest of this entry »

 

by erik
Comments (3)

 

13. 02. 11

Mein Lieblingsbuchstabe ist das a.“

Ein Inter­view im Deutsch­landra­dio Kul­tur:
Grafikde­signer Spiek­er­mann über seine Pas­sion für Schriften
Read the rest of this entry »

 

by erik
Comments (3)

 

30. 11. 09

Achtung

Unter diesem Titel sind bere­its etliche Kolum­nen im englis­chen Design­magazin Blue­print erschienen. Da ich zu faul bin, sie alle zu überset­zen, habe ich sie nur im englis­chen Teil dieses Blogs veröf­fentlicht. Ein­fach oben auf den Link drücken.

 

by erik
Comments (0)

 

26. 04. 09

Achtung Spiekermann

Vor ein paar Wochen hatte ich hier nur den englis­chen Orig­inal­text einer meiner Kolum­nen in Blue­print wiedergegeben. Nun hat ein Kol­lege, Sebas­t­ian Keller, neulich spon­tan diesen Beitrag ins Deutsche gebracht. Sebas­t­ian betreibt ein Blog namens Schrift­steller­w­er­den und ich hatte ihm einen Text geliefert. Es gibt also noch alt­modis­che Tugen­den wie Dankbarkeit und Höflichkeit. Hier nun Sebas­tians Überset­zung (nicht vergessen, dass der Text an ein englis­ches Pub­likum gerichtet ist):

Read the rest of this entry »

 

by erik
Comments (3)

 

11. 12. 08

Achtung Spiekermann!

Achtung! ist der Titel meiner monatlichen Kolumne in Blue­print mag­a­zine, die ich seit Okto­ber dort schreibe. Die selt­same Überschrift geht auf das unaus­rot­tbare Bild zurück, das die Briten immer noch von uns Deutschen haben: Hacken klack­ende, Befehle brül­lende, Stiefel tra­gende Blöd­män­ner, wie sie in den alten Kriegs­fil­men auf­traten. Ich habe in meinen lan­gen Jahren auf der Insel gel­ernt, damit gelassen umzuge­hen. Am besten bringt man das Thema als Erster ins Gespräch, dann ist es erledigt. Ich klacke meine Hacken gele­gentlich und schnarre mit deutschem Akzent, dann sind alle zufrieden und manch­mal ein wenig ver­legen. Ich habe diesen Text im Sep­tem­ber geschrieben, bevor die Finanzkrise (das Wort des Jahres) richtig ins Rollen kam, sonst hätte ich noch härte mit den Leuten ins Gericht gehen kön­nen, die von den berüchtigten „unsicht­baren Einkün­ften“ leben.

Lei­der habe ich keine Zeit, diesen Text ins Deutsche zu überset­zen. Ich schreibe die Kolumne auf englisch, sonst wäre das kein Prob­lem. Bei der Gele­gen­heit sollte ich vielle­icht die vie­len Beiträge für die Zeitschrift form hier pub­lizieren, denn die gibt es in bei­den Sprachen.

erik_blueprint
THESE DAYS, even cities and coun­tries are branded like wash­ing pow­der. When I hear a line like ‘Lon­don is the cre­ative cap­i­tal of Europe,’ (or was it ‘the World’?), the first thing I ask myself is whether this is the result of objec­tive research, a tabloid inven­tion or another gov­ern­ment cam­paign to take peo­ples’ minds off increas­ing infla­tion, pro­hib­i­tive prop­erty prices, ter­ri­ble traf­fic and weird weather. Yet there is some truth behind the slo­gan. I live and work in Berlin, San Fran­cisco and Lon­don, and there is some­thing dif­fer­ent about the British capital.

Read the rest of this entry »

 

by erik
Comments (8)

 

27. 05. 08

Mr. Univers

adrian80.jpgAm 24. Mai wurde Adrian Frutiger 80 Jahre alt. Für die schweizer Zeitschrift Hoch­parterre habe ich aus diesem Anlass einen Text geschrieben:

Adrian Frutiger: Mr. Univers

Wenn man, wie ich, in einem Alter ist, in dem man einiges hin­ter sich hat, wird man oft gefragt, welche Vor­bilder man hatte und hat. Die Antwort kann man sich leicht machen und auf Men­schen ver­weisen, die auf den inter­na­tionalen und nationalen Helden­lis­ten ganz oben ste­hen, wie Gandhi oder Albert Schweitzer. Beliebt sind auch die eige­nen Eltern, zumin­d­est solange sie noch leben und solche Äußerun­gen lesen kön­nen. Für mich ist das seit über 30 Jahren ganz ein­fach: 1976 lernte ich Adrian Frutiger ken­nen. Mein Held ist er heute noch.

Read the rest of this entry »

 

by erik
Comments (4)

 

08. 06. 07

Noch ein Interview auf Englisch

Eric Kar­jalu­oto von idea­sonideas bat mich um ein Inter­view. Wer will, kann den englis­chen Wort­laut dort lesen oder im englis­chen Teil dieses Blogs – siehe Leiste oben rechts.

 

by erik
Comments (1)

 

05. 01. 07

Keine umfangreiche Lebensbeichte.

Wer will das schon lesen? Aber immer wieder will jemand ein paar Daten über mich; für einen Vor­trag, einen Artikel oder – häu­fig – für eine Arbeit an einer Hochschule.
spiekermann_bw.jpg Hier deshalb zwei Biografien;
eine sehr kurze (erik_bio_en+de.pdf)
mit 600 Zeichen und eine etwas aus­führlichere mit 2500 (spiekerbio_de+en_0107.pdf).
Beide deutsch und englisch und auf der Down­load­seite zu kriegen.







 

by erik
Comments Off

 

26. 01. 05

Da ruckt doch nix mehr

Gestal­ter Erik Spiek­er­mann über ärger­liche Wer­be­texte, die müde Marke Deutsch­land
und die Gen­er­a­tion Geiz im Inter­view mit dem Mag­a­zin der Frank­furter Rund­schau.
Erschienen im August 2003.

Das Orig­i­nal ist hier: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/magazin/das_gespraech/?cnt=266795&

Read the rest of this entry »

 

by erik
Comments Off

 

© Erik Spiekermann | Spiekerblog is proudly powered by WordPress.