Category Archives: stuff | zeugs

Buchdruck Workshops bei Galerie P98a

Die Menschen, die an unseren Workshops teilnehmen, haben oft ihr bisheriges Arbeitsleben vor Bildschirmen verbracht, entfremdet von den Wörtern, die sie in Szene setzen sollen. In einer Buchdruckwerkstatt müssen sie diese Wörter anfassen und mit dem Material arbeiten, das seit mehr als 500 Jahren Grundlage unserer schriftlichen Kultur ist. Das ist keine rückwärtsgewandte Freizeitgestaltung, sondern Besinnung auf das menschliche Maß, auf ein Handwerk, dessen Abläufe und Ergebnisse sichtbar und nachvollziehbar sind. Auch die Langsamkeit müssen wir neu lernen und die Tatsache, dass die Arbeit erst beendet ist, wenn ihre Spuren beseitigt sind. Keine Taste ersetzt das Aufräumen, Ablegen, Putzen. Der Umgang mit knappem Material schärft unsere Sinne für Nachhaltigkeit. Ohne Planung und Einsicht in einige unabänderliche mechanische Bedingungen gibt es kein Ergebnis.

Eine Liste der geplanten Termine gibt es auf spiekerstuff (alles auf Englisch aus Rücksichtnahme auf unsere vielen Kollegen aus dem Ausland). Von dort oder direkt geht es zu Eventbrite, wo man Workshops buchen kann und auch die Zahlen findet.

Designers from Construct London at P98a

Kollegen von Construct London bei P98a

Adrian Frutiger RIP

Diesen Nachruf habe ich heute morgen geschrieben. Er wird leicht redigiert am Montag, den 14. 09. in der Süddeutschen Zeitung erscheinen.

Adrian Frutiger, Schriftgestalter.
* 24. Mai 1928 in Unterseen bei Interlaken;
† 10. September 2015 in Bremgarten bei Bern

Schriftentwerfer kennt man nicht, so wenig, wie man den Müller kennt, der das Mehl gemahlen hat, aus dem das Brot gebacken ist, das wir täglich essen. Auch Schrift gebrauchen wir täglich, mehr noch als Brot. Adrian Frutigers Schriften kennen wir alle, seinen Namen kaum jemand: die Schilder am Münchner Flughafen sind aus seiner Schrift Univers gesetzt, die schon 1957 entworfen worden war, als erste Schrift überhaupt in einem System angelegt von 21 miteinander harmonierenden Schnitten. Im Ausland wurde die Univers nicht so schnell angenommen wie ihre schweizerische Halbschwester Helvetica, die im gleichen Jahr erschienen war. Aber spätestens zur Olympiade in München 1972 wurde sie schlagartig allen Gestaltern weltweit bekannt. Otl Aicher hatte mit seinem Team ein Erscheinungsbild entwickelt, in dem die Univers eine zentrale Rolle spielte.

Für den Pariser Flughafen Roissy (heute De Gaulle) hatte er Anfang der 70er Jahre das Leitsystem entwickelt und dabei beobachtet, dass seine Univers doch nicht optimal für solche Zwecke geeignet war. Also zeichnete er eine neue Schrift, die Frutiger heisst. Er schrieb selber dazu:
»Mein Meisterstück ist die Univers, aber meine Lieblingsschrift bleibt ehrlich gesagt die originale Frutiger. Wahrscheinlich ist es die Schrift, die in der Mitte der Schriftenlandschaft steht. Es ist wie ein Nagel, der eingeschlagen wird, an den man alles anbinden kann. Sie entspricht am ehesten meinem inneren Bild.«

Adrian Frutigers Methode, mit der Schere aus schwarzem Papier Formen zu schneiden und diese dann zu Buchstaben und Zeichen zusammenzusetzen, geht nach seinem eigenen Bekenntnis auf die Tradition seiner Heimat Interlaken zurück. Sie hat ihm das beste Werkzeug an die Hand gegeben, sein untrügliches Gefühl für Innen- und Aussenform, für Rhythmus, Kontrast, Spannung und Regelmässigkeiten in Formen umzusetzen, die mehr sind als alphanumerische Zeichen. Er hat einmal gesagt, dass er zwischen Architektur oder Bildhauerei schwankte, aber dann herausfand, dass Schriftentwerfen beides vereint.

Er steht neben Namen wie Garamond, Caslon, Bodoni, Renner, Gill, Meier und Zapf als ein Schriftgestalter, der eine ganze Epoche in Buchstaben ausgedrückt und festgehalten hat.

univers

Der Mai ist gekommen …

Jedes Jahr nehme ich mir vor, die Kastanienblüte von Anfang an zu beobachten. Beim richtigen Wetter kann man den Fortschritt beim Aufblühen fast von Minute zu Minute sehen. Leider hat mir auch dieses Jahr wieder der Reiseplan einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich kam erst am 11. Mai wieder in Berlin an. Immerhin gerade noch rechtzeitig um die Kastanienbäume am Landwehrkanal zu genießen. Auf dem Weg in die Werkstatt P98a habe ich neulich an der Brücke über den Kanal neben der Nationalgalerie angehalten und ein Foto gemacht, als Ersatz fürs verpasste Beobachten gewissermaßen. Weil jeder weiß, dass die Blätter der Kastanien grün und die Blütenkerzen hier weiß sind, finde ich ein schwarzweißes Foto völlig ausreichend. Die rosaroten Kastanienblüten am Hausvogteiplatz muss ich dann wohl farbig reproduzieren.

kastanien_landwehrkanal_bw_72

Das März Plakat ist da.

Das Plakat für den März 2015 ist wie immer 50×70cm groß und auf 160g Meta­Pa­per Rough gedruckt. Es ist eine Neuauflage unseres beliebtesten Motivs, das schon lange vergriffen ist. Da wir gerade einen Kasten Block Schwer in 16 Cicero gekauft hatten, war das ein willkommener Anlass, diese Schrift auszuprobieren. Sie druckt erstaunlich gut für eine alte Holzschrift – fast schon zu perfekt, braucht aber eine Menge Farbe. Der Preis der Fette.

p98a_movefast02_klein

Auflage 50 Stück, nummeriert und handsigniert von Erik Spiek­er­mann. Wir verschicken überallhin. Das Plakat kostet 98, ob €, $ oder £, inklusive Versand und Mehrwertsteuer wo nötig. Bezahlt wird mit Pay­Pal. Das Plakat kommt in einer kräftigen Pappröhre an.

Bestellungen mit der Versandanschrift bitte an info@p98a.com.

Kurze Wörter

Buchstaben bilden Wörter und Wörter bilden Sätze. Wenn wir diese Wörter auf Papier gedruckt vor uns sehen, wollen wir sie zu Sätzen reihen. Eine ähnliche Übung wäre aber in unserer Sprache besser mit Wörtern aus vier Buchstaben zu erledigen, denn für Kürze ist Deutsch nicht bekannt. (Wie Mark Twain schon schrieb: „Deutsche Wörter sind so lang, dass sie einen Fluchtpunkt haben“) Wir werden diese und mehr Wörter drucken, gleich ob es Verben, Substantive, Adjektive oder Pronomen sind.

Noch nicht sicher, ob in dieser Schrift, der HWT Artz, die bisher nur Versalien hat oder in einer anderen, die in Arbeit ist, aber drucken werden wir auf jeden Fall.

3letterwords_loop

Lutz Seiler druckt Lutz Seiler

Neulich war der Suhrkamp Verlag zu Gast bei uns in der Galerie P98a. Mit Lutz Seiler, der gerade den Deutschen Buchpreis 2014 erhalten hatte, druckten wir Auszüge aus dreien seiner Texte auf unseren Andruckpressen. Schwarzer Text auf der Korrex Berlin, das rote Impressum auf der Korrex Nürnberg und den Prägestempel des Verlags auf der Grafix mit verstellbarem Fundament. Alles zu sehen in diesem Video:

Workshop bei P98a

Es gibt jetzt den Termin für den Workshop, den Gestalten mit uns organisieren:
17. und 18. Oktober 2014
10:00–18:00
P98a, Potsdamer Straße 98a, Berlin Schöneberg
http://shop.gestalten.com/spiekermann-workshop.html

35 Jahre MetaDesign

Zwar ist 35 Jahre kein runder Geburtstag, aber jetzt, 2014, kommen einige Dinge zusammen, die mir Anlass genug schienen, das erste Mal in meinem Leben eine persönliche Presseerklärung herauszugeben.

Ich bin bei Edenspiekermann vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt, habe meine neue Galerie/Werkstatt P98a eröffnet und im August wird eine Monografie über mich erscheinen, die Johannes Erler geschrieben hat, den ich Anfang der 90er Jahre bei MetaDesign kennengelernt hatte.

Außerdem muss ich mich seit Jahren rechtfertigen, wenn Kollegen oder Auftraggeber gehört haben, dass MetaDesign erst 1990 gegründet worden sei. So wird es von dort seit Jahren offiziell verlautbart, wenn auch mitunter mit dem verschämten Zusatz, dass seinerzeit noch zwei Partner involviert gewesen waren, die aber irgendwie verschwunden sind. So war es nicht, und deshalb hier die offizielle Verlautbarung. Danach ist auch wieder 15 Jahre lang Ruhe.

Am 10. Juli 1979 wurde die MetaDesign GmbH in das Handelsregister Berlin-Charlottenburg eingetragen. Gründer waren Florian Fischer und Erik Spiekermann sowie zwei weitere Partner. Fischer und Spiekermann hatten zuvor schon drei Jahre zusammengearbeitet. Fischer stieg 1984 aus, Spiekermann erst 2001, nachdem die Firma zweimal umbenannt worden war: zuerst 1990 in MetaDesign Plus (mit Uli Mayer und Hannes Krüger) und dann in MetaDesign AG.
Unter Spiekermanns Ägide wurde MetaDesign in den 90er Jahren Deutschlands größte und wohl auch bedeutendste Designfirma. Büros in San Francisco 1992 und London 1995 erweiterten das Geschäft und den Ruf auch international.
Spiekermann ist Preisträger des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk und Gründer von Edenspiekermann: Berlin, Amsterdam, Stuttgart und San Francisco. Seine Partner dort und viele Mitarbeiter hatten schon zu Meta-Zeiten mit ihm zusammengearbeitet.
Eine Monografie über Spiekermann „Hallo. Ich bin Erik“ von Johannes Erler wird im Spätsommer im Gestalten Verlag erscheinen. Die Geschichte von MetaDesign wird in dem Buch ausführlich dargestellt.

Workshop bei P98a

Wie gerade bei Gestalten Verlag angekündigt, wird der erste Workshop am 25. und 26. Juli stattfinden. also Freitag und Samstag. Jeweils von 10:00 – 18:00.

Ein wenig über die Werkstatt in diesem Video, das Ole Wagner gemacht hat, der auch schon vor einigen Jahren ein Video Interview mit mir gemacht hatte, aus Anlass der Verleihung des Bundespreises für mein Lebenswerk.
Der Film erwähnt auch die Monografie, die Johannes Erler über mich geschrieben hat. Das Buch wird Mitte August aus der Druckerei erwartet, sagt der Verlag.

[vimeo id=”99545303″ align=”left” mode=”normal” autoplay=”no”]