Buchdruck Workshops bei Galerie P98a

Die Menschen, die an unseren Workshops teilnehmen, haben oft ihr bisheriges Arbeitsleben vor Bildschirmen verbracht, entfremdet von den Wörtern, die sie in Szene setzen sollen. In einer Buchdruckwerkstatt müssen sie diese Wörter anfassen und mit dem Material arbeiten, das seit mehr als 500 Jahren Grundlage unserer schriftlichen Kultur ist. Das ist keine rückwärtsgewandte Freizeitgestaltung, sondern Besinnung auf das menschliche Maß, auf ein Handwerk, dessen Abläufe und Ergebnisse sichtbar und nachvollziehbar sind. Auch die Langsamkeit müssen wir neu lernen und die Tatsache, dass die Arbeit erst beendet ist, wenn ihre Spuren beseitigt sind. Keine Taste ersetzt das Aufräumen, Ablegen, Putzen. Der Umgang mit knappem Material schärft unsere Sinne für Nachhaltigkeit. Ohne Planung und Einsicht in einige unabänderliche mechanische Bedingungen gibt es kein Ergebnis.

Eine Liste der geplanten Termine gibt es auf spiekerstuff (alles auf Englisch aus Rücksichtnahme auf unsere vielen Kollegen aus dem Ausland). Von dort oder direkt geht es zu Eventbrite, wo man Workshops buchen kann und auch die Zahlen findet.

Die Kollegen von Construct London beim Workshop

20 comments

  1. Der Kanalmann

    Heute ist wieder so ein schrecklicher Tag! Fügen Sie hier einmal Folgendes ein: „f“

    http://www.myfonts.com/fonts/typofonderie/allumi-std/

    Für solchen Font kann man trotz der horrenden Arbeit kein Geld ausgeben, weil man ihn nur unter unmöglichen Umständen verwenden kann. Trotz mittlerweile schon über hundert Beanstandungen, von denen sehr viele (habe aufgehört immer nachzuzählen) verbessert worden sind, haben es auch solche Designer, die den Prozess dadurch kennengelernt haben sollten, noch immer nicht gelernt und machen dieselben Fehler weiter.

    Muss ich mich sogar im Kanal für die universitären Ausbildungen schämen?

    MyFonts hat nach x Beanstandungen behauptet, ein eigenes auf meinen Daten basierendes Überprüfungsverfahren einleiten zu wollen, was derzeit längst laufen müsste, getan hat sich (wie man auch sehen kann) freilich nichts.

    Auch, wenn mir Herr Siebert mitgeteilt hat, dass MyFonts eine andere Geschäftsphilosophie verfolge, so meine ich, keine erkennen zu können; außer natürlich sie hieße: Verkaufe den Schrott so teuer wie möglich. Und: Den Prozent guter Fonts dazwischen bezeichne man als die Mercedes-Luxus-S-Klasse-Neuwagen-als-Fangobjekt-für-Idioten-zu-nutzende-Werbeeffekt-Verkaufsstrategie.

  2. Euer Kanalmann

    Also, ich bin ja ganz verliebt in einige Schriften. Viele von denen, für die ich tausende Euros in den Sand gesetzt habe, würde ich heute ja nicht mehr kaufen; oft einfach nur, weil viele der Designer irrsinnig faul sind. Das klingt jetzt komisch, weil, wie kann jemand faul sein, der tausende Zeichen designt?

    Nicht das ich schlechte Fonts gekauft hätte, stellt sich nämlich auch die Frage, ob es solche denn überhaupt gibt. Ich denke, es ist einfach immer nur eine Frage, wofür ich einen Font verwenden möchte. So kommen für mich manchmal ganz übel wirkende, als Hintergrund infrage und sie stellen plötzlich etwas wunderbares dar.

    So ist die Bezeichnung „übel wirkend“ schon irreführend genug. Damit meine ich, dass ich solche Fonts nicht als Leseschriften verwenden würde – niemals. Als Leseschriften nehme ich natürlich Spiekermann’sche, Frutiger‘sche, zapfische (komisch, dass man mit Binnen-i klein, mit Apostroph neuerdings groß schreibt), die eine oder andere natürlich aus dem Werk der 100 beste Schriften, aber ganz verliebt bin ich auch in den einen oder anderen Jungdesigner, auch, wenn er nicht immer physisch jung sein muss, wie zum Beispiel diesen hier: http://www.lucasfonts.com/fonts/

    Ich finde, der ist ganz große Klasse. Wo lernt man dass, so mit Formen umzugehen? Schade, dass ich das nicht zuhause erlernen kann, in den Grundzügen meine ich, weil es keine Fernkursanbieter gibt.

    1. Grüße aus dem Untergrund, der Kanalmann

      Diese TAZ III habe ich ganz besonders hervorheben mögen.

      Ach, ja, faul: Faul, obwohl man tausende Zeichen gezeichnet hat, ist für mich jemand, der diese auch noch wunderschön designt hat, aber dann zu faul ist, dem Font den letzten Schliff zu geben. Sei es bezüglich des Kernings, was mir meistens in Kombination besonders in Kursiven zwischen dem f und den Anführungszeichen und/oder dem Apostroph aufgefallen ist, was ich den Designern weltweit auch immer wieder per Mail vorhalte, weil die Verkaufsbloginhaber und/oder deren Angestellte offensichtlich zu arbeitsscheu sind, dies selbst zu kontrollieren und in die Hand zu nehmen. Dann mach’s halt ich.

      Traurig dabei, dass es sich dabei durchaus um renommierte Blogs wie dem zu Monotype gehörenden MyFonts handelt oder dem mit Adobe-Beteiligung namens Fontspring. Auch der zu Monotype zählende von Erik mit gegründete, früher stark besuchte, gut funktioniert habende Fontblog/shop gehört bei (nicht so vielen) manchen Fonts dazu, dessen Blogkultur sich im Laufe der Monotypebeteiligung massiv verschlechtert hat, falls MT überhaupt daran schuld ist, schließlich gibt es auch neue Mitarbeiter (nein, nicht Mitarbeiter und -innen, Mitarbeiter/innen, MitarbeiterInnen et cetera, diesen Blödsinn überlassen wir den sonst arbeitslosen Genderern in den Ministerien, die einmal in die Wege geleitet, zum menschlichen Unglück, niemand mehr los wird), die daran beteiligt sein könnten.

      Oft sind auch die Buchstaben M, m, W & w massiv auffällig, weil sie an bestimmten Stellen besondere, ich als Nichtfachmann (Dilettant) nenne sie: Verklumpungen auftreten. Bei nun gut über hundert Fonts habe ich tatsächlich einiges in die Wege leiten können, was wegen durchhaltender (bei einigen) Lästigkeit auch tatsächlich in die Nähe zu guter Anwendbarkeit geführt hat, bei anderen ist man mir zum Glück dankbar gewesen und einige fragen bei Neuerscheinungen sogar schon um Austestung nach, was mich insofern begeistert, da einige dieser Designer mittels der so verbesserten Schriften sogar im direkten Blog von Monotype gelistet sind.

      Viele Probleme hat es auch immer wieder in Bezug auf das große scharfe S gegeben, welche, bis auf einige widerstrebende Faulheiten in Polen, der Türkei, Russland, Malaysia, auf den Philippinen, Para- und Uruguay, Argentinien, den USA, aber nur einem in D, der aber daran arbeitet, was, so er, länger dauern würde, weil er den Zeichensatz auch gleich um die kyrillischen Zeichen bereichern wird, noch zu beheben sind und zukünftig, ich kann nichts ausschließen, aber ich bleibe dran, auch behoben sein werden.

      Und das freut mich!

    2. Sorry, aber ich nix Deutsch und nur Hauptschulabschluss*

      … weil sie an bestimmten Stellen besondere, ich als Nichtfachmann (Dilettant) nenne sie: Verklumpungen auftreten … ändere man in … weil sie an bestimmten Stellen besondere, ich als Nichtfachmann (Dilettant) nenne sie: Verklumpungen aufweisen … oder … weil an bestimmten Stellen besondere, ich als Nichtfachmann (Dilettant) nenne sie: Verklumpungen auftreten …

      * Gut, dass das die durchwegs studiert habenden Designer nicht wissen, dem Netz sei Dank, sonst wäre es wohl zu keiner einzigen Verbesserung gekommen, weil: auf solche Leute hört man nicht!

      1. Die

        der Lithographie und des Steindrucks: zurück in die Langsamkeit; nur das kann die Welt langfristig retten. Der Kapitalismus hat sich übernommen, ist längst ausgepowert.

  3. Roman

    Gerade bei diesem Thema finde ich es peinlich, “Buchdruck-Workshop” ohne Bindestrich zu schreiben.

    1. erik

      Den Bindestrich kann man verwenden, wie man will. Ich vermeide alle überflüssigen Satzzeichen, solange der Sinn klar ist. Es sind ja zwei Hauptwörter, deren Beziehung klar ist.

      1. Curd

        Erik, du hast recht: Man kann alles Mögliche verwenden wie man will; das Kultusministerium übt sich gerade professionell darin. Allerdings sollte man nicht von Bürger zu Bürger in die jahrhundertelang gewachsene Sprache eingreifen, sonst käme das ärgste Kauderwelsch dabei raus. Und das wollen wir schließlich auch bei den Buchstaben nicht, die unserer Sprache untergeordnet sind.

        Und umso renommierter eine Person ist, desto mehr sollte sie dies in die Öffentlichkeit tragen, dieses Deutsch öffentlich verteidigen – meine ich.

        Thomas Paulwitz kommt diesbezüglich große Bedeutung zu, der unsere (meine ja eigentlich nicht, ich bin kein Muttersprachler bezüglich der Sprache Deutsch) Sprache ähnlich verteidigt, wie Sie es mit den Buchstaben tun. Ob man die beiden Professionen stärker miteinander kombinieren sollte?

        Ich bin eigentlich dafür, weil es beiden Seiten ungeahnte Eindrücke brächte. So schreibe man eben Buchdruck-Workshop oder noch besser: Buchdruckworkshop. Deutscher würde es noch, schriebe man „Buchdruckarbeitskreis“, falls ich mich als dummer Handwerker dazu überhaupt äußern sollte.

        Weitere Möglichkeiten: Buchdruckkurs, Buchdruckveranstaltung und so weiter. So, jetzt habe ich mir auch ein et cetera verkneifen müssen:-).

    2. Einen

      Fehler zu machen, ist weit weniger schlimm, als ihn zu verteidigen. (Gert Gurke)

      1. Georg Mann

        Hier wird man wohl völlig vergurkt? Hehe!

    3. Kea

      Nicht ganz perfekt mag es wirken, peinlich ist es aber nicht. Peinlich sollte uns täglich anderes sein: z. B. die Leute, denen wir mittels Wahl zuviel Macht abtreten, weil sie damit nicht nur, aber hauptsächlich, geistig total überfordert sind.

      Und selbst dabei erwischen wir uns, sind wir ehrlich, in Eigenpeinlichkeit: Wer hat denn die Macht vergeben?

      Wer rundum keinen Himmel sieht, muss bereit sein, durch die Hölle zu gehen.

      (Gerd Gurke)

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